Matti Lievonen: "Schämen? Nein!"

ThemaUmweltschutz

InterviewMatti Lievonen: "Schämen? Nein!"

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Das Problem "Tank oder Teller" bleibt, Matti Lievonen sieht die Biodieselproduktion jedoch in einer vernünftigen Übergangsphase

von Benjamin Reuter

Weniger Nahrung im Tank ist möglich, sagt der Chef von Neste Oil, einem der weltweit größten Biodieselproduzenten.

WirtschaftsWoche: Herr Lievonen, unter den Ökodieselproduzenten sind Sie der Abfallkönig. Rund die Hälfte des Neste-Oil-Biosprits besteht aus Resten der Tierverarbeitung und Bratfett. Lohnt sich das?

Lievonen: Ja, wir haben im ersten Quartal 2013 erstmals mit unserem Biodiesel Gewinn gemacht; 26 Millionen Euro. Für uns ist das ein Meilenstein.

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Bekommen Sie den Abfall gratis?

Nein, wir bezahlen dafür, wie für jeden anderen Rohstoff auch. Trotzdem ist Biosprit, den Autofahrer an der Tankstelle bekommen, schon sehr günstig. Er besteht zu 95 Prozent aus Nahrungsmittelpflanzen wie Mais, Soja und Raps. Wir versuchen aber, immer weniger davon für unseren Diesel oder unser Kerosin einzusetzen. Der aus Abfallstoffen erzeugte Treibstoff reicht schon jetzt, um die durchschnittliche Jahresfahrleistung – 15.000 Kilometer – von knapp 890.000 Pkws zu decken.

Und das ist für Sie kostendeckend?

Ja, weil wir neben Abfall zur Hälfte auch sehr günstiges Palmöl in unsere Ausgangstoffe mischen.

Greenpeace-Studie Streit um billiges Palmöl im Biosprit

Laut einer Studie von Greenpeace wird für das billige Palmöl im Bio-Diesel wertvoller Regenwald abgeholzt. Die Deutsche Biokraftstoffindustrie wehrt sich und spricht von mutwilliger Desinformation.

So sieht eine aufgeschnittene Palmölfrucht aus. Aus dem Fruchtfleisch wird Öl gepresst, aus dem Kern separat das noch wertvollere Palmkernöl. Quelle: dpa

Zerstört das nicht die Umweltbilanz des Abfallsprits? Umweltschützer monieren, dass für Palmölplantagen Regenwald gerodet wird. Wie gehen Sie damit um?

Wir verwenden nur zertifiziertes Palmöl, das auf Plantagen wächst, für die kein Regenwald weichen musste. Außerdem darf man nicht ignorieren, dass die Palmölindustrie ein Treiber für die Wirtschaft in Ländern wie Indonesien und Malaysia ist und Millionen Menschen aus der Armut befreit. Müssen wir uns dafür schämen? Nein!

Aber wenn es Alternativen gibt, sollte man dann nicht Sprit aus Raps, Mais, Soja oder Palmöl ganz verbieten?

Die EU plant, nur noch 50 Prozent der Biotreibstoffe auf Basis von Nahrungspflanzen zuzulassen. Die anderen 50 Prozent kommen dann aus Abfall. Das scheint mir für eine Übergangsphase vernünftig.

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Sind die Zertifikate denn glaubwürdig?

Es gibt kein perfektes System. Aber wir werden stetig besser. Von den Umweltschutzorganisationen ist es scheinheilig, zu sagen, wir wollen das Palmöl nicht im Sprit. Denn dann müssen sie Alternativen nennen. Aber die gibt es derzeit noch nicht zu 100 Prozent.

Das Problem „Tank oder Teller“ bleibt?

Ja, aber es wird kleiner. Unser Ziel ist, für unseren Sprit in den nächsten Jahren zwei Drittel Abfallstoffe einzusetzen. Umweltfreundlicher kann man dann nicht Auto fahren oder fliegen.

Doch, wenn man Sonnenstrom in einem elektrisch betriebenen Auto tankt.

Aber selbst Hybridautos wie etwa der Toyota Prius brauchen auch künftig Flüssigtreibstoffe. Von Flugzeugen gar nicht zu reden. Die fliegen nicht mit Strom.

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