Meinungsumfragen zur Energiewende : Warum Bürger Sonnenstrom und Braunkohle zugleich wollen

Meinungsumfragen zur Energiewende : Warum Bürger Sonnenstrom und Braunkohle zugleich wollen

von Angela Hennersdorf

Klimaschutz ist den Deutschen sehr wichtig, den Atomausstieg unterstützt die Mehrheit. Mit den Kohlekraftwerken soll es aber munter weitergehen, so das Ergebnis einer neuen Forsa-Umfrage. Wie passt das zusammen?

Langfristiger Klimaschutz, mehr Sonnen- und Windenergie statt Atomkraft, die Abkehr von fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl, diese Ziele der Energiewende finden in der Bevölkerung breite Akzeptanz. Dieses Meinungsbild zeigen zahlreiche Umfragen.

Wichtiger Kritikpunkt der Bürger: Die Kosten für die Umstellung auf grüne Energien drohen aus dem Ruder zu laufen. Die Kritik ist mehr als berechtigt. Das Anfang Juli von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel vorgestellte Energiekonzept kostet rund zehn Milliarden Euro. Die Kosten dafür werden der Steuerzahler und Stromkunden berappen müssen.

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Energiewende Gabriels Energiekonzept kommt Deutschland teuer zu stehen

Das Energiekonzept der Bundesregierung lässt viele Fragen offen. Fest steht aber: Für Stromkunden und Steuerzahler wird es noch teurer.

Kernkraftwerk Atomkraftwerk Energiewende Quelle: dpa

Trotzdem geht vielen Bürgern, etwa in Nordrhein-Westfalen, wo immer noch zahlreiche Kohlekraftwerke ihre tägliche Dosis Kohlendioxid in die Luft pusten, der Umbau der Energieinfrastruktur nicht schnell genug, so das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa vor einem guten halben Jahr im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW. Knapp die Hälfte der Menschen in NRW ist danach der Meinung, die Energiewende in Deutschland gehe zu langsam voran. Den Atomausstieg und die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energien finden rund 88 Prozent der landesweit Befragten „völlig richtig“ oder „eher richtig“.

Dieses Meinungsbild decke sich weitgehend mit den Ergebnissen einer bundesweiten Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, die im Sommer 2013 veröffentlicht worden sei, hieß es bei der Vorstellung durch die Verbraucherschützer in NRW. Eine negativere Einstellung zur Energiewende in NRW als in anderen Bundesländern ließe sich also nicht feststellen, folgert die Verbraucherzentrale. Und das, obwohl in dem bevölkerungsreichsten Bundesland eine höhere Umlage für die Erneuerbaren Energien gezahlt werde, als in Form von Einspeisevergütungen zurück ins Land fließe.

Greenpeace warnt Kohlekraftwerke sind Quecksilber-Schleudern

Greenpeace schlägt Alarm: Alte Kohlekraftwerke stoßen nicht nur jede Menge CO2 aus, sondern auch Quecksilber. Das Gift gelangt über die Nahrung in unsere Körper. Die Umweltschützer fordern strengere Grenzwerte.

Greenpeace warnt vor Quecksilber-Gefahr durch Kohlemeiler. Quelle: dpa

Bürgermeinung zur Energiewende hat sich geändert

Ein halbes Jahr später scheint sich dieses positive Bild zur Energiewende in Deutschland drastisch geändert zu haben. Erneut fragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa eine repräsentative Gruppe von rund 1000 Bürgern nach ihrer Meinung zur Energiewende. Und siehe da, ein Sinneswandel hat offenbar stattgefunden: Dreiviertel aller Bundesbürger meinen nun, dass neben Sonne und Wind auch weiterhin Kohle und Gas als Energieträger genutzt werden müssten – so das Ergebnis der neuesten Umfrage, ebenfalls vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt.

Die gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands

  • 1. Jänschwalde, Peitz

    Betreiber: Vattenfall

    Brennstoff: Braunkohle

    Todesfälle pro Jahr: 373

    Verlorene Lebensjahre: 3986

    Verlorene Arbeitstage: 84.149

    Quelle: Greeenpeace

  • 2. Niederaußem, Bergheim

    Betreiber: RWE

    Brennstoff: Braunkohle

    Todesfälle pro Jahr: 269

    Verlorene Lebensjahre: 2881

    Verlorene Arbeitstage: 61.075

  • 3. Lippendorf, Böhlen

    Betreiber: Vattenfall

    Brennstoff: Braunkohle

    Todesfälle pro Jahr: 212

    Verlorene Lebensjahre: 2272

    Verlorene Arbeitstage: 47.995

  • 4. Weisweiler, Eschweiler

    Betreiber: RWE

    Brennstoff: Braunkohle

    Todesfälle pro Jahr: 172

    Verlorene Lebensjahre: 1844

    Verlorene Arbeitstage: 39.091

  • 5. Frimmersdorf, Grevenbroich

    Betreiber: RWE

    Brennstoff: Braunkohle

    Todesfälle pro Jahr: 164

    Verlorene Lebensjahre: 1754

    Verlorene Arbeitstage: 37.182

  • 6. Boxberg

    Betreiber: Vattenfall

    Brennstoff: Braunkohle

    Todesfälle pro Jahr: 164

    Verlorene Lebensjahre: 1756

    Verlorene Arbeitstage: 37.018

  • 7. Neurath, Grevenbroich

    Betreiber: RWE

    Brennstoff: Braunkohle

    Todesfälle pro Jahr: 160

    Verlorene Lebensjahre: 1712

    Verlorene Arbeitstage: 36.291

  • 8. Scholven, Gelsenkirchen

    Betreiber: E.ON

    Brennstoff: Steinkohle

    Todesfälle pro Jahr: 129

    Verlorene Lebensjahre: 1378

    Verlorene Arbeitstage: 29.202

  • 9. Schwarze Pumpe, Spremberg

    Betreiber: Vattenfall

    Brennstoff: Braunkohle

    Todesfälle pro Jahr: 110

    Verlorene Lebensjahre: 1175

    Verlorene Arbeitstage: 24.817

  • 10. Schkopau, Korbetha

    Betreiber: E.ON

    Brennstoff: Braunkohle

    Todesfälle pro Jahr: 76

    Verlorene Lebensjahre: 817

    Verlorene Arbeitstage: 17.253

Immerhin 63 Prozent der Befragten sind danach der Ansicht, dass nach dem Abschalten der Kernkraftwerke nicht auch noch die Kohlekraftwerke stillgelegt werden sollten. Das würde die Sicherheit und die Zuverlässigkeit der Energieversorgung in Deutschland gefährden.

Trotz der kritischen Diskussion über die Braunkohle werde sie von der breiten Mehrheit der Bevölkerung nicht verteufelt, sondern akzeptiert, weil sie zur Sicherung einer bezahlbaren Energieversorgung gebraucht werde, interpretiert Manfred Güllner, Leiter des Meinungsforschungsinstituts Forsa, die Antworten der Befragten. Gleichzeitig ist aber einer großen Mehrheit der Befragten (81 Prozent) die umweltschonende Erzeugung von Strom wichtig.

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