Nobelpreisträgerin Ostrom: Kampf dem Klimawandel? Fangt bei Euch selbst an!

Nobelpreisträgerin Ostrom: Kampf dem Klimawandel? Fangt bei Euch selbst an!

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Wirtschafts-Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom im Audimax in der Technischen Universität Berlin (TU Berlin).

von Max Haerder

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist gescheitert. Doch Protestieren oder Lamentieren bringt wenig, kritisiert Elinor Ostrom. Die Wirtschafts-Nobelpreisträgerin hat einen anderen Vorschlag. Nicht auf die Politik warten, sondern selber handeln. Zuhause.

Elinor Ostrom ist eine freundliche, fast vergnügte Dame. Anderen vergeht das Lachen, wenn es um Klimawandel, um internationale Politik, um dieses ganze Hauen und Stechen, Handeln und Tricksen geht. Nicht so der 77-Jährigen. Im letzten Jahr hat sie den Nobelpreis für Ökonomie erhalten, was ein Grund für gesunde Genugtuung sein könnte. Vielleicht ist es aber auch ihre Arbeit selbst: Nach Jahrzehnten der Feldforschung konnte sie beweisen, dass viele Menschen gar nicht so kurzsichtige und eigensinnige Wesen sind, für die sie die ökonomische Theorie bisweilen hält.

Ostroms Interesse galt und gilt dem, was Ökonomen sperrig als Gemeinschaftsgüter kennen: Kuhweiden, Fischgründe oder Trinkwasserquellen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie leiden, wenn sie von zu vielen ohne Rücksicht auf Verluste ge- und benutzt werden. Ostrom zeigte, dass sich weltweit sehr häufig Menschen sehr wohl auf eine sinnvolle Art zu einer partnerschaftlichen Nutzung ihrer Umwelt durchringen können – und dem drohenden egoistischen Raubbau abschwören.

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Doch geht auch beim großen Weltklima, was im Kleinen läuft? Fast tausend Zuhörer wollten eine Antwort, als die Star-Ökonomin gestern an der Berliner Technischen Universität zur Gast-Vorlesung erschienen war. Sie wurden nicht enttäuscht. „Wollen wir einfach warten?“, rief die rüstige Ökonomin in das vollbesetzte Audimax, als sie auf das Klimadebakel von Kopenhagen zu sprechen kam. Die Antwort gab sie gleich selbst: „Es wäre dumm, auf die Politik zu warten.“

Nicht, dass Ostrom ein globales Klimaschutzabkommen für überflüssig hielte. Mitnichten. Weltpolitik sei nicht überflüssig, man können nur nicht weitere fünf oder zehn Jahre warten. Mindestens ebenso wichtig und mindestens ebenso wertvoll sei lokales Handeln. Das könnte so etwas wie Ostroms Credo sein. Und so geriet ihr Vortrag zu einem Plädoyer für beherzten Klimaschutz von unten statt von oben - mit familiären, nachbarschaftlichen und kommunalen Mitteln. Und einem Schuss Wettbewerb.

Kleine Programme mit großer Wirkung

Beispiel Heizungsenergie, Beispiel Sacramento. Dort würden die Verbrauchsdaten von Haushalten nicht nur erfasst und abgerechnet, lobte sie. Mit der Rechnung erführen Kunden mittels eindrucksvoller bunter Diagramme, ob sie über oder unter dem Durchschnittsverbrauch ihrer Nachbarn lägen – und wo sie in Sachen Effizienz etwas lernen können. Ein simples Programm mit großer Wirkung, weil alleine Heizen rund 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauches ausmacht. Dank der Vergleichsrechnung würde nicht nur der Ehrgeiz angestachelt, sondern sofort deutlich, wie viel man mit ein paar Tricks bei der nächsten Rechnung sparen könne. Sogar vorbildliche Haushalte entwickelten den Ehrgeiz, noch besser zu werden, berichtete die Ökonomin.

Das sind die Modelle nach Geschmack einer Nobelpreisträgerin, intelligent, aber simpel, nützlich und kopierbar. Ein vielfältiges öffentliches Klimaschutz-System könnte so entstehen. Und das sei dringend notwendig. „Ich sage nicht, dass es einfach ist“, gab sie den Berliner Zuhörern noch warnend mit auf den Weg. Doch selbst dafür gab es Applaus.

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