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Ökostrom: Rundum-Selbstversorger dank Fotovoltaik

von Andreas Menn

Solarstrom ins Netz zu speisen lohnt sich immer weniger – ihn selbst zu verbrauchen immer mehr. Mit neuen Batterien, Wärmepumpen und Elektroautos als Energiespeicher werden Hausbesitzer heute unabhängig.

Sonne im Tank - Hausbesitzer Stefan Bibel lädt sein Elektromobil mit Sonnenstrom vom Dach Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Sonne im Tank - Hausbesitzer Stefan Bibel lädt sein Elektromobil mit Sonnenstrom vom Dach Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Stefan Bibel hat in diesem Sommer mehr als 4.600 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt – aber keinen Tropfen Benzin getankt. Er hat ferngesehen, Wäsche gewaschen und gekocht – und doch seinem Energieversorger nur acht Euro im Monat an Stromkosten überwiesen.

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Stefan Bibel – 43 Jahre alt, Hausbesitzer in der 12.000-Seelen-Gemeinde Roßdorf östlich von Darmstadt – erzeugt seine elektrische Energie selbst: „Was Strom angeht, lebe ich quasi autark“, sagt Bibel. Und das, ergänzt er, sei „ein richtig gutes Gefühl“.

Seit Ende Dezember 2011 kommt sein Strom tagsüber aus Solarzellen vom Dach – und abends aus einem Akku im Keller. Der kühlschrankgroße Stahlschrank ist so etwas wie Bibels Einmachglas für Elektrizität: In der Waschküche direkt neben der Waschmaschine platziert, speichert er, was die Geräte im Haushalt tagsüber nicht verbrauchen können.

Mit dem Sonnenstrom, der dann übrig bleibt, lädt Bibel die Batterie seines neuen Renault Twizy. Mit dem Elektroflitzer hat der Hesse im Mai seinen acht Jahre alten Kia Carens ersetzt.

Pionier der Sonnenstromproduzenten

Mein Haus, mein Auto, mein Akku – mit seinem Selbstversorger-Konzept gehört Stefan Bibel zu den Vorreitern unter Deutschlands privaten Sonnenstromproduzenten. Bisher nämlich speisen die meisten der 650.000 Besitzer von kleinen Dachfotovoltaikanlagen den Großteil ihrer selbst erzeugten Energie ins Stromnetz.

Das aber wird sich ändern. Denn um die Milliardensubventionen in den Griff zu bekommen, die in die deutsche Solarförderung fließen, streicht die Bundesregierung die Einspeisevergütungen drastisch zusammen.

Daheim erzeugte Kilowattstunden zu verkaufen lohnt sich dadurch immer weniger. Sie selbst zu verbrauchen wird dagegen attraktiver: Wer dieser Tage eine neue Solaranlage in Betrieb nimmt, erhält über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vom Netzbetreiber noch 18,36 Cent pro eingespeister Kilowattstunde. Kunden, die Strom bei ihren Stadtwerken kaufen, zahlen im Durchschnitt pro Kilowattstunde 25,74 Cent. Und die Strompreise steigen.

Wer seinen Solarstrom selbst nutzt, statt ihn zu verkaufen, entlastet daher seine Stromrechnung heute schon pro Kilowattstunde um 7,38 Cent.

Kostenvergleich von Solarstrom und Haushaltsstrom (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)
Kostenvergleich von Solarstrom und Haushaltsstrom (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Und im November sinkt die Einspeisevergütung für Neuanlagen erneut. Um wie viel Cent genau, steht noch nicht fest. Die Kürzung hängt gemäß EEG davon ab, wie viele Anlagen in diesen Monaten installiert werden: Je mehr Kapazitäten aufs Dach kommen, desto stärker schrumpft die Vergütung.

Selbstversorger profitieren von dieser Entwicklung: Nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Prognos können sie bis 2015 fast 16 Cent pro Kilowattstunde Strom sparen – doppelt so viel wie heute.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.10.2012, 12:38 Uhrholger

    sinn macht das erst wenn die heizung über an der stromerzeugung beteiligt ist. also eine mikro kwk im haus werkelt eben weil die sonne nicht immer scheint wie nachts oder im winter.


  • 14.10.2012, 10:04 UhrBesserProbierenAlsStudieren

    Hallo,

    ich würde gerne den Herrn Bibel kennen lernen. Ich selbst plane auch eine Art Selbstversorgung mit Akkutechnologie. Wo ich aber immer wieder hängen bleibe ist der Akku. Ich hätte gerne seine Meinung über diese auch in meinem Laptop verbauten und an hohem Kapazitätsverlust leidenden Li-Ionen Akkus gehört. Wie funktioniert das bei ihm.

    Grüßle

  • 14.10.2012, 10:03 Uhrd4ve

    "Fotovoltaikanlagen ohne Akku amortisieren sich nach 13 Jahren – mit Akku teils erst nach 27 Jahren" - Wieviele Akkusätze sind denn in dieser Rechnung enthalten - einer?

    Das Hauptproblem an der Speicherung in Akkumulatoren ist meiner Meinung nach der Energiebedarf, der zur Herstellung eines Akkus notwendig ist. Akkus sind nicht ohne Grund ziemlich teuer. Dazu kommt die begrenzte Lebensdauer.

    Bei der ökologischen Sinnhaftigkeit einer Investition muss man immer auch den Energiebedarf der zur Herstellung der Investitionsgüter notwendig war mit einkalkulieren.

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