Pfandstreit um Corona: Stilblüte des deutschen Mehrwegsystems

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Pfandstreit um Corona: Stilblüte des deutschen Mehrwegsystems

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Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Radeberger-Gruppe einen massiven Etikettenschwindel mit Bierflaschen der Marke Corona Extra vor.

von Oliver Voß

Im Pfandstreit um Corona-Bier unterzeichnet Radeberger eine Unterlassungserklärung und wird künftig gebrauchte Flaschen aus Deutschland nach Mexiko und zurück transportieren.

Als Reaktion auf die Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe ändert Radeberger die Befüllungspraxis des mexikanischen Bieres Corona für den deutschen Markt. Das gern mit einer Limette im Flaschenhals getrunkene Bier wird hierzulande als Mehrwegflasche verkauft, doch die Deutsche Umwelthilfe hatte angezweifelt, dass die hier verkauften Flaschen wirklich mehrfach befüllt werden und Radeberger vorgeworfen, rechtswidriger das günstigere Pfand von 8 Cent für Mehrwegflaschen zu nehmen. Tatsächlich seien die Flaschen Einwegflaschen und müssten mit 25 Cent Pfand belegt werden. Deutschlands größter Brauereikonzern erschleiche sich damit Wettbewerbsvorteile.

Radeberger räumte nun Probleme bei der bisherigen Praxis ein und unterzeichnete eine geforderte Unterlassungserklärung. Das Unternehmen sieht dies allerdings nicht als Schuldeingeständnis. Die Antwort, die das Unternehmen an die Umwelthilfe sandte liest sich streckenweise skurril: "Es hat in Mexiko beim Verständnis und in der Kommunikation des Begriffs "Wiederbefüllung" offensichtlich ein Missverständnis zwischen den beiden involvierten Kontinenten und über die Kulturkreise hinweg gegeben", heißt es da. So hätte die mexikanische Grupo Modelo die aus Deutschland zurückgesendeten Flaschen zwar wiederbefüllt, dann jedoch als Einwegware in andere Märkte verkauft.

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"Radeberger hat über Jahre betrogen und vorsätzlich die Verbraucher getäuscht", schimpft der Chef der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. Das Unternehmen hätte Einwegflaschen zu Mehrwegflaschen umdeklariert. Es sei eine bodenlose Frechheit, zu behaupten, die Konsequenzen dieser Praxis seien dem Unternehmen nicht klar gewesen.

Daher ist der Fall ist für Radeberger noch nicht ausgestanden. Das hessische Umweltministerium prüft den Sachverhalt, derzeit ermittelt das zuständige Regierungspräsidium in Darmstadt inwieweit die Verstöße von Radeberger geahndet werden.

"Das ist ein riesiger Skandal", sagt auch Roland Demleitner, Geschäftsführer des Verbandes Private Brauereien. "Der deutsche Marktführer hat offensichtlich über Jahre zu wenig Pfand genommen". Das sei eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten anderer Brauereien, daher prüft der Verband nun ebenfalls rechtliche Schritte. Die Umwelthilfe will zudem mit Gutachtern prüfen, ob die genutzten Flaschen überhaupt mehrwegfähig sind, da Pfandflaschen in der Regel aus dickerem Material sind.

Ökologischer Wahnsinn

Außerdem konnte Radeberger immer noch nicht nachweisen, in welchen Ländern die mehrfach genutzten Flaschen tatsächlich verkauft wurden, kritisiert Resch. Da Corona sich als besonders teure Premiummarke positioniert, könnten Kratzer und andere Gebrauchsspuren schließlich negativ auf Kunden wirken. "Die Flaschen sind in den Gesamtpool von Grupo Modelo eingegangen und nach unserer Kenntnis dann in verschiedenen Ländern eingesetzt worden", erklärte Radeberger dazu auf Anfrage. Konkrete Länder kann das Unternehmen aber nicht nennen.

Künftig müssen die Gebrauchtflaschen jedoch auch in deutschen Regalen auftauchen, denn Radeberger wird die leeren Flaschen, die nach Unternehmensangaben schon in der Vergangenheit von Belgien nach Mexiko verschifft wurden, in Mexiko wiederbefüllen und in Deutschland verkaufen.

Ökologisch sei diese Praxis global betrachtet identisch. Radeberger spricht von einem Nullsummenspiel und einer "Stilblüte des deutschen Mehrwegsystems".

Dies ist der Streit nach derzeitigem Stand in der Tat. Denn Radeberger "dankt der Deutschen Umwelthilfe für das Insistieren". Doch im Sinne der Umweltschützer ist das nun etablierte deutsch-mexikanische Mehrwegsystem absolut nicht. "Leere Flaschen nach Mexiko und zurück zu bringen ist ökologisch absoluter Wahnsinn", urteilt Resch.

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