Recycling-System: Ein Vorschlag für die Tonne

ThemaUmweltschutz

KommentarRecycling-System: Ein Vorschlag für die Tonne

von Jacqueline Goebel

Den Bundesländern ist das private Recycling-System zu uneffektiv. Das duale Abfallsystem, welches international immer noch kopiert wird, hat seine Macken – aber eine Verstaatlichung ist keine Lösung. Ein Kommentar.

Die Bundesländer wollen den gelben Sack verstaatlichen. Das private Recyclingsystem ist ihnen zu uneffektiv. Es recycele zu wenig. Statt Unternehmen – den dualen Systemen – sollen künftig Kommunen den Verpackungsmüll aus gelbem Sack und gelber Tonne einsammeln. Das wäre eine fatale Richtungsänderung.

Seit 26 Jahren gilt: Wer Verpackungen in die Läden bringt, muss für den Müll zahlen. Händler und Hersteller berappen deshalb Gebühren an die Duales-System-Unternehmen. Die beauftragen Entsorgungsfirmen mit dem Einsammeln des Mülls. Ein Geschäft, das sich rechnet.

Anzeige

So funktioniert das Duale System

  • Die Geschichte des grünen Punkts

    Seit 1991 gibt es in Deutschland das sogenannte Duale System: Angefangen hat alles mit dem Grünen Punkt. Dieses Erkennungszeichen druckte die Industrie auf ihre Verpackungen, für deren Entsorgung sie eine Gebühr an das Duale System Deutschland (DSD) zahlte. Diese Verpackungen sollen Verbraucher getrennt vom Hausmüll in gelben Säcken oder gelben Tonnen sammeln. Mittlerweile ist der Markt liberalisiert. Neben dem ehemaligen Monopolisten DSD machen auch Unternehmen wie Landbell, Bellandvision oder Reclay ein Geschäft mit der Lizensierung des Verpackungsmülls. Doch wie funktioniert das Geschäft genau?

  • Der Weg des Geldes

    Das besondere am Dualen System ist die sogenannte Produktverantwortung der Hersteller: Wer Plastikverpackungen produziert oder verkauft, muss in Deutschland für deren Entsorgung zahlen. Die Inverkehrverbringer der Verpackungen müssen ihre Müll-Mengen dabei bei den Dualen Systemen (also Unternehmen wie DSD, BellandVision, Landbell oder Reclay) lizensieren lassen. Die Dualen Systeme wiederrum bezahlen die Müllabfuhr, die den später in den Haushalten entsorgten Müll abholt. Die gesammelten Verpackungen werden dann an die Recyclingunternehmen und Verbrennungsanlagen weitergekauft. Oft stehen hinter den Dualen Systemen und den Recyclinganlagen dabei die selben Mutterfirmen.

    Der Verbraucher zahlt damit für das Abholen und die Weiterverwertung seines Mülls keine Gebühren. Allerdings rechnen die Hersteller ihre Kosten für die Entsorgung in ihren Preisen ein. Etwa 11 Euro zahlen Verbraucher dadurch jedes Jahr indirekt für das Duale System, erklärt der Bundesverband der Entsorgungswirtschaft (BDE).

  • Der Weg des Mülls

    Produzenten und Hersteller verkaufen ihre Joghurte, Waschmittel, Bettwäsche oder auch Gummi-Enten an die Verbraucher. Die entsorgen die entsprechenden Joghurtbecher, Flaschen und Folien in ihren gelben Säcken oder Tonnen oder auch im Restmüll. Die Müllabfuhr - dahinter stehen oft städtische Unternehmen, aber auch einige große private Entsorgungsfirmen wie zum Beispiel die Kölner Firma Alba - holen diesen Müll ab und bringen ihn zu Sortieranlagen. Dort werden gut recycelbare Materialien von Plastikmüll mit schlechter Qualität oder Papierresten und anderen Fehlwürfen getrennt. Die Wertstoffe mit guter Qualität können in Recycling-Anlagen zu neuen Plastik-Produkten verarbeitet werden. Der restliche Müll wird zur Energieerzeugung verbrannt. Auf Deponien darf heute in Deutschland kein Müll mehr gelagert werden. Doch wer zahlt für die einzelnen Schritte?

  • Die Probleme des Systems

    Die Kreisläufe haben einige Schwachstellen. Das zeigte sich zum Beispiel im vergangenen Jahr, als den Dualen Systemen auf einmal mehrere Millionen Euro zur Finanzierung des Systems fehlte. Das Problem: Viele Unternehmen versuchen ihre Lizensierungskosten so klein wie möglich zu halten. Außerdem landen auch viele Plastikprodukte wie alte Gummi-Entchen oder Barbie-Puppen in der gelben Tonne, für die nie jemand Gebühren bezahlt hat. Das kann zur Belastung für die Dualen Systeme werden.

    Ein zweites Problem liegt in der Berechnungsweise des Geldstroms von den Dualen Systemen zu den Entsorgern: Die Dualen Systeme melden regelmäßig ihre Marktanteile an eine gemeinsame Clearingstelle. Die rechnet dann aus, wie viel Geld die Entsorger und Müllabfuhren von den Dualen Systemen bekommen - und welchen Anteil die einzelnen Dualen Systeme davon zahlen müssen. Dadurch entsteht für die Dualen Systeme ein Anreiz, ihre Marktanteile möglichst klein zu halten.

    In einem neuen Gesetz will das Umweltministerium diesen Problemen nun entgegen wirken: Die Händler und Hersteller sollen in Zukunft auch für alle Kunststoff-Produkte, die keine Verpackungen sind, Gebühren zahlen. Und eine Zentrale Stelle soll die lizensierungspflichtigen Unternehmen, aber auch die Dualen Systeme besser kontrollieren.

Die dualen Systeme haben den Müll zu Geld gemacht, die Kosten halbiert. Kanada oder Österreich formen Systeme nach diesem Vorbild. Der Verstaatlichungsvorstoß der Politik ist deswegen ein Schlag gegen die Marktwirtschaft. Wir brauchen Reformen, aber keine Verstaatlichung.

Es müsste eine neue Behörde her – und die ist teuer

Der Vorschlag taugt allenfalls als Konjunkturprogramm für verschuldete Kommunen, die dadurch Zugang zu einem profitablen Geschäft erhalten würden. Ja, es stimmt: Die Recyclingquoten stagnieren. Und die beteiligten Firmen haben nicht immer vorbildlich gearbeitet. Was daran aber ein staatliches System verbessern soll, ist schleierhaft.

Weitere Artikel

Ohne Wettbewerb drohen Preissteigerungen. Los geht das schon mit den Kosten der neuen Behörden, welche die Kommunen zum Management des Mülls schaffen müssten.

Wer wirklich die Recyclingquote erhöhen möchte, sollte sich für Investitionen in modernere Sortieranlagen einsetzen. Und Anreize setzen, um Verpackungsmüll zu vermeiden, zum Beispiel durch höhere Gebühren für besonders recyclingunfreundliches Material. Außerdem muss besser kontrolliert werden, dass die müllverursachenden Unternehmen ihre Gebühren für das System auch wirklich voll entrichten. Wer dagegen einfach nur verstaatlichen will, hilft weder Verbrauchern noch Umwelt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%