Robert Laughlin: "Klimaschutz ist eine Sache für die Ewigkeit"

ThemaEnergiewende

Robert Laughlin: "Klimaschutz ist eine Sache für die Ewigkeit"

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Nobelpreisträger Robert Laughlin

von Matthias Hohensee

Krieg und Frieden: Physik-Nobelpreisträger Robert Laughlin erläutert die Probleme der Energiewende - und fürchtet nukleare Terroranschläge.

WirtschaftsWoche: Professor Laughlin, Deutschland steigt aus der Atomkraft aus und will sich bis 2050 weitgehend aus regenerativen Quellen mit Strom versorgen. Sind die Deutschen damit ein Vorbild?

Robert Laughlin: Wer Kernkraftwerke stilllegt, braucht eine Alternative. Denn irgendwo müssen die Joule ja herkommen. Deutschland kann den Wegfall des Atomstroms zwar durch den Import russischen Gases ausgleichen. Es macht sich so allerdings abhängig, und die Frage ist: Was geschieht, wenn die Russen nicht mehr liefern können, weil die Vorräte zur Neige gehen?

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Diese Risiken erscheinen im Vergleich zu den Gefahren eines Reaktorunfalls wie im japanischen Fukushima eher gering.

Ich sehe das so: Momentan stimmen die Wähler gegen die Nuklearenergie, weil sie den Verzicht darauf noch nicht in ihren Brieftaschen spüren. Wenn jedoch die Preise massiv steigen, wird man plötzlich alle möglichen Gründe bemühen, warum Nuklearenergie eigentlich gar nicht so schlecht war. Die Chancen sind aus meiner Sicht hoch, dass die Deutschen wieder zur Kernkraft zurückkehren.

Viel lieber schrauben sie sich derzeit Solarmodule auf die Dächer.

Aber was bringt das? Im Winter, wenn der meiste Strom gebraucht wird, ist es auch in Deutschland zumeist dunkel, der Ertrag also gering. Ich schätze, dass Ihre Energieversorger Elektrizität aus Wind und Sonne wegen ihrer Unzuverlässigkeit genauso hassen wie unsere.

Laughlins Thesen zur Energiezukunft

  • "Der Preis zählt"

    Am Markt setzt sich immer die Energie mit den niedrigsten Erzeugungskosten durch – nicht die beste Technologie.

  • "Bis zum letzten Tropfen"

    Daher bleiben Kohle, Öl und Gas noch lange die wichtigste Energiequelle. In spätestens 200 Jahren sind die fossilen Vorräte allerdings erschöpft.

  • "Atomkraft - ja bitte"

    In ferner Zukunft produzieren Nukleartechnologien den Großteil des Stroms. Die Brennstoffreserven reichen für 500.000 Jahre.

  • "Sonne triumphiert"

    Aber nur im Sonnengürtel der Erde werden solarthermische Kraftwerke zum dominanten Energieerzeuger.

  • "Sprit aus dem Ozean"

    Treibstoffe aus Algen, gezüchtet in Flussmündungen und auf dem offenen Meer, ersetzen Benzin und Diesel.

  • "Energie bleibt bezahlbar"

    Der preiswerte Atomstrom wird die Elektrizitätspreise etwa auf dem heutigen Preisniveau halten; Treibstoffe dagegen werden wegen der aufwendigen Herstellung zwei- bis dreimal teurer.

Werden wir, wenn Kohle, Gas und Erdöl eines Tages restlos verbraucht sind, weiter Auto fahren und fliegen können?

Das werden wir. Und Kraftstoff tanken. Nur, dass dieser dann wegen der höheren Produktions- und Transportkosten zwei bis drei Mal teurer sein wird. Statt aus Erdöl wird er künstlich hergestellt werden, vor allem aus Pflanzen und Algen.

Was macht Sie so sicher?

Die Gesetze der Physik und das Verhalten der Menschen. Auch in 200 Jahren wird noch immer die Schwerkraft gelten. Das schließt Dinge wie beispielsweise batteriegetriebene Passagier- und Transportflugzeuge aus. Entweder ist die Batterie zu schwer und groß. Oder aber die Energie reicht zum Abheben nicht aus.

Und warum brauchen wir weiter Autos?

Weil die Menschen Autos haben wollen. So einfach ist das. Meist wollen doch die Leute das Auto abschaffen, die es sich finanziell leisten können. Man versteht seinen wahren Wert eben erst, wenn der Besitz nicht selbstverständlich ist. Wie in den armen Ländern, wo die Menschen sich seit Jahrzehnten nach einem eigenen Fortbewegungsmittel sehnen. Wer die Wirtschaft zurückdrehen will, ist nie arm gewesen.

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