
WirtschaftsWoche: Professor Menne, wissen Sie schon, womit wir in 20 Jahren unsere Autos betanken werden?
Menne: Ich denke, wir werden sie mit den uns heute bekannten Kraftstoffen betanken, also mit Benzin und Diesel. Diese werden aber sicherlich in größerem Maße mit biogenen Kraftstoffen gemischt sein. Ford setzt hier auf E85, eine neue Spritsorte, die zu 85 Prozent aus Ethanol besteht. Wir denken, dass dieser Kraftstoff in Zukunft mehr und mehr eine Rolle spielen wird. Ford baut deshalb seine Palette an sogenannten Flexfuel-Fahrzeugen aus, also Autos, die wahlweise mit E85, konventionellem Superbenzin oder jeder beliebigen Mischung gefahren werden können.
Werden Ihnen andere Autohersteller auf diesem Weg folgen? Saab ist derzeit der einzige Hersteller außerhalb des Ford-Konzerns, der ebenfalls diese Technik anbietet.
Wir würden uns wünschen, wenn auch andere Autohersteller diesen Weg einschlagen würden. Denn wir glauben, dass dies einer der Wege ist, um die CO2-Emissionen des Straßenverkehrs zu reduzieren.
Vorausgesetzt, in Brasilien oder Borneo werden keine Urwälder gerodet, um auf den Flächen Pflanzen für die Biosprit-Produktion anzubauen.
Das wäre in der Tat eine schlimme Entwicklung. Wir setzen deshalb auf Biokraftstoffe der zweiten Generation, die beispielsweise aus Zellulose gewonnen werden und die nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren.
Sie bieten auch Fahrzeuge mit Erdgasantrieb an, arbeiten an der Brennstoffzelle, am Wasserstoffmotor und am Hybridantrieb. Das sagt mir: Die Patentlösung hat Ford noch nicht gefunden.
Die hat noch kein Autohersteller gefunden. Wir werden deshalb in den nächsten 20 Jahren eine ganze Palette unterschiedlicher Antriebsformen und Kraftstoffe haben. Ein Weltkonzern wie Ford muss für die unterschiedlichen Anforderungen der Märkte eine Lösung haben.
Auch wenn wir noch eine Weile Benzin und Diesel tanken – das Zeitalter der Verbrennungsmotoren geht zu Ende. Was kommt danach?
Um Ihnen das sagen zu können, bräuchte ich eine magische Kristallkugel. Aber es zeichnen sich gewisse Szenarien ab.
Nämlich welche?
Ein Weg könnte über die Brennstoffzelle ins Wasserstoffzeitalter führen. Vielleicht gehört die Zukunft aber auch dem Elektroauto. Klarer wird man sehen, wenn gewisse Randbedingungen geklärt sind. Wenn man beispielsweise weiß, wie in Zukunft elektrischer Strom gewonnen und an Bord des Autos gespeichert wird.
An die Brennstoffzelle glauben Sie noch? Die Forschung daran zieht sich seit Jahrzehnten hin, ohne dass eine Serienfertigung von Brennstoffzellenautos näherrückt.
Durchaus. Die Arbeit an den mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen darf man noch nicht aufgeben, weil es keine Alternative gibt: Beim Elektroauto hängt alles an der Speicherfähigkeit der Batterien.
Und beim Brennstoffzellenauto hängt alles an der Frage, wie man Wasserstoff gewinnt.
Richtig. Auch gibt es noch keine Infrastruktur für die Verteilung von Wasserstoff. Und ohne Wasserstoff-Tankstellen macht es keinen Sinn, Brennstoffzellenautos anzubieten. Auch müssen die Kosten für die Fahrzeuge noch stark gesenkt werden. Heute liegen sie noch weit über denen eines Großserienautos mit konventionellem Antrieb. Und es muss auch noch daran gearbeitet werden, die Technik zuverlässig und langlebig zu machen. Wir haben da in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. Aber die Entwicklungsarbeiten werden noch Zeit brauchen.
Wie viel noch?
Ich sehe mich nicht in der Lage, hierzu eine präzise Aussage zu treffen. An der Frage haben sich schon andere verhoben. Vor zehn Jahren kündigte ein Autohersteller aus Süddeutschland...
...Daimler...
...an, dass bis zum Jahr 2004 rund 100.000 Brennstoffzellenautos in Deutschland unterwegs sein würden. Wir sind heute vier Jahre weiter, und es sind nicht einmal 100 Autos mit dieser Technik unterwegs. Denn zu viele Punkte sind noch zu klären. Auch müsste erst noch eine Zuliefererstruktur aufgebaut werden, ehe man an eine Serienfertigung denken kann.
Die Brennstoffzelle an Bord des Autos wandelt Wasserstoff in elektrischen Strom um. Wäre es nicht klüger, gleich auf den Elektroantrieb zu gehen und den Strom zentral zu produzieren?
Wenn sich die technischen Probleme des Brennstoffzellenantriebs nicht lösen lassen und wir auf der anderen Seite in den nächsten Jahren einen leistungsfähigen Stromspeicher bekommen, könnte man in der Tat auf die Wasserstofftechnik verzichten. Aber im Moment ist nicht absehbar, welche der Technologien sich durchsetzt.
In Frankreich wurde kürzlich eine Fabrik in Betrieb genommen, in der Lithium-Ionen-Batterien für die Autoindustrie gefertigt werden. Ist das der Stromspeicher der Zukunft?
Lithium-Ionen-Batterien sind der nächste logische Schritt hin zum rein elektrischen Fahren. Sie haben eine deutlich bessere Speicherfähigkeit als die Nickel-Metallhydrid-Batterien heutiger Machart. Aber der Schritt ist nicht groß genug, um damit ein alltagstaugliches Elektroauto darstellen zu können.











