Solaraktien: Solarbetriebene Achterbahn für Anleger

Solaraktien: Solarbetriebene Achterbahn für Anleger

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Aktie Solarworld

Solaraktien leiden unter niedrigeren Einspeisevergütungen und China-Konkurrenz. Potenzial haben die Solarmaschinenbauer. Was für Anleger jetzt noch drin ist.

Der Schlag saß. „Das tat weh“, schrieb der australische Hedgefondsmanager John Hempton im Mai an seine Investoren, „und sei es nur, weil mein Stolz verletzt ist.“ Hempton ist mit seinem Fonds „short“ auf First Solar – er wettet massiv auf fallende Kurse des Solarzellen- und Modulherstellers aus den USA. Doch der Konkurrent der deutschen Anbieter Solarworld und Q-Cells meldete ein überraschend gutes Quartalsergebnis und avancierte mit einem Plus von 18 Prozent zum größten Tagesgewinner aller 500 Aktien im S&P-Index. „Es hat uns voll erwischt“, räumte Hempton ein.

Der Australier hatte unterschätzt, wie stark die Solarmodulnachfrage zuletzt war, auch wegen der Panikkäufe in Deutschland, durch die Hausbesitzer noch einmal hohe Subventionen abgreifen wollten, bevor im Juli die gekürzten Fördersätze in Kraft treten. Das hielt die Solarmodulpreise weltweit hoch.

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Ein Strohfeuer, sagt der Hedgefondsmanager. Trotz seiner Verluste behält er die Short-Wette auf einen Kurseinbruch beim weltgrößten börsennotierten Solarunternehmen bei. In naher Zukunft werde First Solar die Preise senken müssen, wegen der billigeren chinesischen Konkurrenz. „Natürlich können die Preise wegen der hohen Nachfrage noch eine Weile stabil bleiben“, sagt Hempton. „Aber das wird irgendwann enden, und der Gewinn von First Solar wird einbrechen.“ Und der von Solarworld und Q-Cells gleich mit.

Schon jetzt ist Solarworld mit einem Kursrutsch von 60 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten die drittschlechteste von 600 Aktien im europäischen Stoxx-Index. Schlechter liefen nur die Aktien der griechischen Finanzgruppe Marfin und Solarworlds Konkurrent Renewable Energy. Beide verloren fast 70 Prozent — und das während der Erholungsrally an der Börse, die europäische Aktien um fast 20 Prozent steigen ließ. Solarzellenaktien sind von Börsenstars zu Kapitalvernichtern und Lieblingsobjekten der Short-Spekulanten verkommen. Vor allem die Konkurrenz aus China bedroht die westlichen Hersteller von Solarzellen und den daraus zusammengesetzten Solarmodulen.

Die nötige Technik bekommt die Konkurrenz aus Fernost nicht durch Industriespionage, sondern ganz legal: Maschinenbauer, viele davon aus Deutschland, beliefern TecDax-Solarfirmen ebenso wie die Konkurrenz aus China. Deshalb sind etwa Aktien von Centrotherm, aber auch die des US-Rivalen GT Solar für Anleger interessant.

Produktion geht nach Asien

Centrotherm und GT Solar liefern Reaktoren, die das Halbmetall Silizium zu sehr reinem Solarsilizium aufbereiten. Die Unternehmen bieten auch Maschinen an, mit denen Silizium zu Blöcken geformt und in Scheiben („Wafer“) zersägt wird. Andere Maschinen fügen die Zellen zu Solarmodulen zusammen.

Die Produktionskapazitäten der Solarzulieferer sind aktuell zu 77 Prozent ausgelastet, ergab eine Umfrage der Wiesbaden Business School im Auftrag der Düsseldorfer Private-Equity-Gesellschaft Ventizz, an der 22 Zulieferer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnahmen. Die Auslastung liegt leicht unter der des Maschinenbaus insgesamt. Bei zwei Dritteln der Solarzulieferer wuchs der Auftragsbestand per Ende März im Vergleich zum Vorjahr, drei Zulieferer berichten von mehr als 50 Prozent Auftragsplus.

Abbau in Deutschland, Aufbau in Asien

Die Solarzulieferer setzen voll auf Asien. Zwei Drittel der Unternehmen haben in den vergangenen anderthalb Jahren ihre Verkaufsaktivität dort verstärkt, zeigt die Umfrage. Dabei verlagern sie auch die Produktion nach Fernost, um billiger und näher bei den Kunden zu sein. 45 Prozent der Zulieferer bauen bereits ihre Fertigung in Asien aus. Ein Viertel der Solarzulieferer baut die Produktion in Deutschland ab. „Wenn es unglücklich ausgeht, verliert Deutschland seine überragende Stellung in der Solartechnik an Asien“, sagt Helmut Vorndran, Mitgründer und Vorstandssprecher von Ventizz.

Der Private-Equity-Manager kennt die Branche seit Jahren und verdiente gut an der frühen Investition beim Zell- und Modulhersteller Ersol, der erst an die Börse ging und dann vom Industriekonzern Bosch gekauft wurde. Die nächsten Firmenkäufer könnten asiatische Unternehmen sein, die durch Übernahmen Technologie erwerben wollen, so Vorndran.

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