Solarenergie: Solarstrom boomt weltweit – außer an Rhein und Elbe

Solarenergie: Solarstrom boomt weltweit – außer an Rhein und Elbe

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Deutschland hat der Fotovoltaik mit Milliarden Subventionen den Weg geebnet.

von Dieter Dürand

Über Jahre war Deutschland Wegbereiter für die Fotovoltaik. Nun, wo sich Solaranlagen wie geschnitten Brot verkaufen, bricht der Markt hier ein. Das Geschäft mit der grünen Energie machen jetzt andere.

Die Zahlen der Marktanalysten von GTM Research sprechen für sich: Hauseigentümer, Energieversorger und Unternehmen in den USA installierten vergangenes Jahr 6200 Megawatt (MW) neue Solarstromanlagen. Ihre Leistung entspricht in etwa der von sechs großen Kohle- oder Atomkraftwerken. Ein sattes Plus von 30 Prozent gegenüber 2013.

Die Sonne stellt damit in Amerika fast ebenso viel zusätzliche elektrische Kapazität bereit wie neue Erdgaskraftwerke gebaut wurden. Der fossile Rohstoff wird dort derzeit in Massen aus Gesteinsschichten gesprengt, Fachwort: Fracking, und ist spottbillig.

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Und allein schon, weil einige Internetgiganten jetzt riesige Summen in die Ökostromproduktion investieren, dürfte der Aufschwung weitergehen: Apple steckt 850 Millionen Dollar in ein Solarkraftwerk in Kalifornien, das so viel Strom produzieren soll, wie die Apple-Zentrale und alle Läden des Unternehmens in dem Bundesstaat verbrauchen. Google wiederum beteiligt sich mit 750 Millionen Dollar am Solarprojektierer Solarcity, der private Hausbesitzer mit Solaranlagen umwirbt.

Die besten Techniken zum Verwenden und Speichern von Solarstrom

  • Solaranlage

    Liefert bei Sonnenlicht Strom, unabhängig vom Verbrauch. Überschüssiger Strom wird bisher an Netzbetreiber verkauft.

  • Hauselektronik-Managementsystem (HEMS)

    Verteilt Sonnenstrom auf Akku, Wärmepumpe und andere Verbraucher.

  • Akku

    Speichert den tagsüber erzeugten Solarstrom für den Energiebedarf am Abend.

  • Wärmepumpe

    Nutzt Strom aus Sonnenenergie, um Wärme für Heizung oder Wasch-/Duschwasser zu erzeugen.

  • Warmwasserspeicher

    Wird von der Wärmepumpe oder direkt mit überschüssigem Solarstrom beheizt.

  • Variable Verbraucher

    Geräte wie Wasch- oder Spülmaschine werden vom HEMS aktiviert und koordiniert, sobald die Solaranlage genug Strom liefert.

  • Elektroauto

    Speichert am Tag Sonnenstrom im eigenen Akku oder wird am Abend über den Hausakku geladen.

Der Boom beschränkt sich indes nicht auf die USA. Die Marktanalysten von IHS in Kalifornien sagen für dieses Jahr einen globalen Zubau von bis 57.000 MW Fotovoltaikleistung voraus, angetrieben auch von ehrgeizigen Ausbauzielen in China und Japan. Ein Viertel mehr als 2014. Vishal Shah von der US-Investmentabteilung der Deutschen Bank und exzellenter Kenner der weltweiten Solarindustrie wagt sogar die Prognose, dass die Solarenergie 2050 einen Anteil von 30 Prozent am internationalen Elektrizitätsmarkt hält – gegenüber einem Prozent heute. Derzeit setzen Stromanbieter auf allen fünf Kontinenten rund zwei Billionen Dollar im Jahr um.

Infografik Der große Umbau

Minus 40 Prozent bei den Emissionen von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990, ein Anteil der Erneuerbaren von mindestens 35 Prozent am Stromverbrauch. Das sind bis 2020 die Ziele der Bundesregierung bei der Energiewende. Doch wie funktioniert der Kraftakt in der Praxis?

Infografik: Der große Umbau

Der Grund für das Aufblühen der Sonnenkraft ist simpel. Die Systeme kosten nur noch einen Bruchteil von früher. Zugleich wandeln sie Sonnenlicht immer effektiver in Strom um – der Ertrag je Modul steigt. In den USA sind die Anlagenpreise inklusive Installation und Finanzierung laut GTM Research 2014 nochmals um 10 Prozent gesunken.

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Und ein Ende der die Nachfrage fördernden Kombination aus Preisverfall und Leistungssteigerung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Experten des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) und des Berliner Thinktanks Agora Energiewende kommen in einer Studie zu einem klaren Schluss: Schon in zehn Jahren wird Sonnenstrom in vielen Teilen der Erde mit Erzeugungskosten von vier bis sechs Cent je Kilowattstunde die günstigste Energiequelle sein. Zum Vergleich: Strom aus neuen Kohle- und Gaskraftwerken kosten demnach zwischen fünf und zehn Cent je Kilowattstunde.

Dumm nur, dass mit Deutschland das Mutterland und der anfängliche Technologietreiber der Fotovoltaik von dem Boom kaum mehr profitiert. 2014 wurden an Rhein und Elbe gegenüber dem Vorjahr rund 43 Prozent weniger Solaranlagen verkauft – gemessen an der Leistung. Nur knapp 1900 MW gingen neu ans Netz. Einstige Branchengrößen wie QCells oder Solon wurden von ausländischen Konkurrenten aufgekauft oder wanderten mit ihrem Firmensitz außer Landes. Auch der letzte verbliebene Primus, Solarworld in Bonn, klagt über den schrumpfenden Heimatmarkt. Immerhin profitieren die Rheinländer vom Wachstum in den USA, wo sie laut Unternehmenschef Frank Asbeck dieses Jahr mehr als die Hälfte ihrer Module absetzen wollen. Die Solareuphorie findet jetzt woanders statt.

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