Solarindustrie: Der große Solar-Wahnsinn

Solarindustrie: Der große Solar-Wahnsinn

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Sonnendächer: Fotovoltaik-Anlagen finanzieren sich von selbst

Trotz der bevorstehenden Kürzung der Einspeisevergütung um 16 Prozent setzen Solarworld, Schott & Co. auf Expansion. Die Überförderung des Sonnenstroms bleibt. Rund die Hälfte der deutschen Solarunternehmen könnte der anstehenden Marktkonsolidierung zum Opfer fallen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse des gerade beendeten Welttreffens der Solarbranche auf der Messe Intersolar in München.

Wahnsinn! Mit diesem Wort antworten auf der Branchenmesse Intersolar fast alle Solarhersteller und -händler auf die Frage nach dem gegenwärtigen Geschäftsverlauf. Die Deutschen bestellen Fotovoltaik-Anlagen, als würden sie schon bald verboten. Milan Nitzschke, Manager des führenden deutschen Solarunternehmens Solarworld aus Bonn, rechnet mit einem Zubau von sechs Gigawatt (GW) in diesem Jahr. Das wäre eine neue Rekordmarke. Die alte wurde vergangenes Jahr mit 3,8 GW erreicht.  

So waren an den Ständen fast nur strahlende Gesichter zu sehen. Die Aussteller berichten von erfreulichen Geschäftsabschlüssen und freuen sich über den Besucherandrang. „Die Stimmung ist gut, der deutsche Markt wird sich weiterentwickeln, andere Märkte werden nachziehen“, fast Nitzschke seine Eindrücke zusammen.

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Ausgelöst hat den nie dagewesenen Boom ausgerechnet die für Anfang Juli vorgesehene außerplanmäßige Verkürzung der Einspeisevergütung für den Sonnenstrom um 16 Prozent. Seither wollen sich Massen an Käufern noch die alten Vergütungssätze sichern. Von Jahresmitte an rechnet die Branche dann zwar wegen der verkürzten Vergütung mit einem Nachfragerückgang, doch nicht mit einem Einbruch: „Unsere Händler erwarten im Juli und August eine kleine Delle im Markt. Danach geht es wieder aufwärts“, prognostiziert Rafael Schröer, Deutschland-Geschäftsführer des japanischen Solarzellenherstellers Kyocera.

Höhe der Traumrenditen "kaum vermittelbar"

Schnell wird sich nämlich bei den Käufern herumsprechen, dass die Anschaffung eines Dachkraftwerks auch nach der Kürzung höchst rentierlich bleibt. Nach Auskunft von Solarworld-Manager Nitzschke sind die Anlagenpreise seit Jahresbeginn um neun Prozent gesunken. Um die Kürzung auszugleichen und die Kunden bei Laune zu halten sei Anfang Juli mit einem neuen Preisnachlass von acht Prozent zu rechnen, so Nitzschke weiter. Damit bleiben die Renditen, die Branchen-Insider selbst als „kaum vermittelbar“ bezeichnen, nahezu auf alter Höhe. Der Freiburger Projektierer S.A.G. Solarstrom verspricht Unternehmen und Landwirten denn auch weiterhin Renditen von acht bis neun Prozent für ihre Dachanlagen.

Während die Käufer also weiterhin auf der Gewinnerseite bleiben, setzt der rasende Preisverfall die Hersteller massiv unter Druck - ihre Margen sanken zuletzt deutlich. Und der Preisdruck wird vorhersehbar noch steigen. Zwar rechnen die Analysten der Unternehmensberatung Oliver Wyman in einer aktuellen Studie damit, dass 2014 weltweit Kapazitäten von fast 14 GW zugebaut werden – im vergangenen Jahr waren es rund 7,2 GW. Besonders stark wachsen die Kapazitäten dabei in Spanien (+58 Prozent), Indien (+53 Prozent) und den USA (+44 Prozent).

Doch noch schneller bauen die Unternehmen ihre Fabriken aus. Die Experten der Unternehmensberatung Roland Berger kalkulieren den jährlichen Zuwachs an Produktionskapazitäten auf drei bis vier GW. Das entstehende Überangebot wird die Preise weiter in den Keller drücken. Das strapaziert insbesondere die deutschen Hersteller, deren Preise für Komplettsysteme nach Berechnungen der Bonner Marktforscher von EuPD Research rund 15 Prozent über denen asiatischen Konkurrenten liegen.

Hälfte der deutschen Solarunternehmen gefährdet

Schneller als gedacht ist der Markt reif geworden und steht jetzt vor einer harten Konsolidierung. Dabei spaltet er sich, so die EuPD-Analyse in zwei Gruppen: Kostengünstige Massenanbieter und Unternehmen mit höherpreisigen Markenprodukten. Wer dazwischen liegt, wird zerrieben. Die Roland-Berger-Experten schätzen, dass in den nächsten fünf Jahren rund die Hälfte der heute etwa 50 größeren deutschen Solarunternehmen vom Markt verschwinden wird.

Auf der Messe wollte sich noch kein deutscher Aussteller die Laune von solchen Aussichten trüben lassen. Das gängige Gegenargument: Wir bauen die beste Qualität. S.A.G. Solarstrom-Chef Karl Kuhlmann warnt davor, allein auf diese Karte zu setzen. Er kennt aus den vielen Projekten die Leistungsdaten unterschiedlicher Hersteller. Und danach bauen chinesische Hersteller wie Suntech, Yingli und Trina gleichwertige Systeme, allerdings zum Teil deutlich billiger. „Schrott gibt es hier wie dort“, sagt Kuhlmann.

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