Sonnenstrom: Die Hauswand als Energielieferant

Sonnenstrom: Die Hauswand als Energielieferant

, aktualisiert 13. November 2011, 14:29 Uhr
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Ein bunt angestrichenes Geschäftshaus: Forscher arbeiten an einer Farbe, die auf der Hausfassade Sonnenstrom produziert.

von Martin MurphyQuelle:Handelsblatt Online

Neue Solarmodule sollen in der Zukunft nicht mehr auf Hausdächer montiert werden, auch Landschaft sollen sie nicht mehr pflastern. Stattdessen sollen sie zum Bestandteil von Gebäuden werden.

Die großen, teuren Kraftwerke sind den Solarpionieren ein Gräuel. Sie träumen von einer dezentralen Stromversorgung, bei der sich Häuser und Bürotürme vom Netz abkoppeln. Den eigenen Energiebedarf können die Gebäude aus eigener Kraft decken, bestenfalls sogar noch Strom abgeben.

Beseelt von diesem Wunsch nach Unabhängigkeit und einer CO2-freien Stromproduktion arbeiten die Forscher an neuen Solarmodulen, die mit den heute bekannten nur noch wenig gemein haben. Statt umständlich Solaranlagen auf Hausdächern zu montieren oder freie Flächen auf dem Land mit Modulen zu pflastern, sollen die künftigen Energiespender in die Gebäude integriert werden.

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Geforscht wird etwa an einer Farbe, die aufgetragen auf der Hausfassade Sonnenstrom produziert. Zwar steckt die Entwicklung noch in den Kinderschuhen. Branchenvertreter halten es jedoch für möglich, dass die Technologie in zehn Jahren einsetzbar sein könnte.

Neben einer dezentralen Stromversorgung sollen mit dem technologischen Fortschritt vor allem Kosten gesenkt werden. Die Gewinnung von Strom aus Sonnenkraft ist heute noch vergleichsweise teuer. Für Investoren lohnen sich die Ausgaben für eine Solaranlage nicht – allenfalls über Subventionen.

Diese Abhängigkeit von staatlichen Fördermodellen wirbelt die junge Industrie immer wieder durcheinander. So hat sich die Branche bisher nicht von den Einschnitten der schwarz-gelben Bundesregierung im Vorjahr erholt. Die Firmen arbeiten daher mit aller Kraft daran, die Kosten für ihre Solarsysteme zu senken. In den vergangenen 16 Monaten sind die Preise um rund 40 Prozent gefallen.

Die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber konventionellen Energien hat sich damit verbessert, in sehr sonnenreichen Gebieten ist Solarstrom sogar bereits konkurrenzfähig. In weniger sonnigen Märkten wie Deutschland sind Solaranlagen aber in erste Linie Finanzanlagen. Hausbesitzer schrauben Solarmodule nicht für die eigene Stromversorgung auf das Dach, sondern um üppige Zuschüsse zu kassieren.


Zahnpasta, Jod und Beerensaft

Solarpioniere wie Frank Asbeck, Gründer der Solarworld AG, hat andere Visionen. Er wünscht sich, dass die Besitzer von Solaranlagen ihren Strom selbst verbrauchen – oder bei günstigen Preisen an der Strombörse verkaufen. „Das muss ganz einfach gehen, etwa mit einer App auf dem iPhone“, sagt Asbeck. Das Monopol der großen Versorger – RWE, Eon, EnBW und Vattenfall – könne damit gebrochen werden.

Anders als bei konventionellen Energieträgern wie Kohle, Erdgas oder Uran fällt der größte Investitionsblock beim Bau von Solaranlagen an, die Stromproduktion ist dann nahezu kostenlos.

Um die Kosten nach unten zu treiben, hat der Schweizer Michael Grätzel ein simples Verfahren entwickelt. Seine sogenannte Farbstoffzelle ist biegsam wie ein Geldschein, günstig und vor allem einfach herzustellen.

Um die Wirkungsweise zu zeigen, braucht Grätzel nur Zahnpasta, Jod und Beerensaft – eingefasst in zwei mit Zinnoxid bestrichene Glasplatten. Kaum zu glauben, aber aus dieser Zelle fließt Strom. Vorbild für die Farbstoffzelle ist der Fotosynthese-Prozess in der Natur. Lange Zeit zweifelte die Fachwelt an der Leistungsfähigkeit, zu einfach erschien ihr die Lösung von Grätzel.

Andere konnte der Entwickler schneller überzeugen: Firmen wie Dynsol aus Australien oder die irische Solarprint arbeiten bereits an der Kommerzialisierung. Bald könnte die billige Zelle auf den Markt kommen und die nächste Epoche der Solarenergie einläuten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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