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Kommentar Spritproduktion: E10 - Katastrophe mit Ansage

von Christian Ramthun

Die Verwendung von Mais, Rüben, Raps und Sonnenblumen zur Spritproduktion verknappt das Angebot an Nahrungsmitteln. Das treibt die Preise, der Hunger breitet sich aus. Und das ist erst der Anfang eines gutmenschlichen, hochsubventionierten Dramas.

Platz 14 - Berlin

Anzahl der privat zugelassenen PKWs: 1.012.467  

Einwohner: 3.501.872  

Dichte PKW (privat) pro 1.000 Einwohner: 289

Bild: dpa

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An Warnungen hat es nicht gemangelt! Vor fünf Jahren gab es die „Tortilla-Krise“, als in Lateinamerika, Afrika und Asien Millionen Menschen gegen explodierende Nahrungsmittelpreise aufbegehrten. Vor anderthalb Jahren kletterte der FAO Food Price Index erneut auf einen Rekordwert, warnte die Welternährungsorganisation vor einer Wiederkehr des Hungers für mehr als eine Milliarde Menschen. Und nun explodieren die Preise für Grundnahrungsmittel wieder.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) fordert nun einen Verkaufsstopp für E 10, das Benzin mit einem Beimischungsanteil von bis zu zehn Prozent Sprit aus Mais oder Zuckerrüben. Selbst Grünen-Chef Cem Özdemir, von seiner politischen Herkunft schon ein vehementer Verfechter für Sprit aus Wald und Feldern, fordert plötzlich eine „deutliche Verbesserung der Ökokriterien“.

Was für Krokodiltränen, was für eine Heuchelei! Das Drama war doch längst bekannt. Und jetzt mal eben die Biospritanlagen abzuschalten, geht auch nicht ohne weiteres. Zumindest Entwicklungsminister Niebel darf man hier zugutehalten, schon vor einem Jahr gegen E 10 gewesen zu sein. Allerdings konnte sich der FDP-Politiker damals nicht durchsetzen, und – wenn eine Prognose erlaubt ist – wird er sich auch diesmal nicht durchsetzen. Zu groß ist der Einfluss der Branchenlobby, die im Namen des Guten („Bio“-Energie) auf ökonomischem, ökologischem und humanitärem Crashkurs ihre Ziele verfolgt.

Crown Princess

Die Crown Princess fasst maximal 4963 Personen. In Sachen Umweltverträglichkeit erhielt sie die Note F (ungenügend). Kreuzfahrtschiffe ihrer Größenordnung stoßen pro Tag 480 000 kg CO-2 aus, das entspricht den Emissionen von 84 000 Autos.

Bild: Pressebild

Dabei tut die Bioenergie-Branche übrigens nichts anderes als die Lobby für Wind- oder Solarenergie – mit einem qualitativen Unterschied: Bei Windanlagen werden „nur“ Brandenten und Graugänse geschreddert, wenn sie den Rotoren zu nahe kommen. Bei Biosprit geht es hingegen um Millionen Kinder und Erwachsene, für die weniger auf dem Teller übrigbleibt und die deswegen hungern, an Unterernährung leiden und auch sterben. Das geht zu weit, das darf keine zivilisierte Gesellschaft dulden, das darf keine Regierung fördern! 

Deutschland verschleudert Milliarden Euro für eine schlechtere Welt. Denn die Beimischung von E 10 bei Benzin funktioniert nur durch politischen Zwang. Gleiches gilt – Herr Minister Niebel: Bitte auch hier eingreifen! - für die Beimischung von Raps- und Sonnenblumenöl zu Diesel. Und das gleiche, Herr Minister Niebel,  gilt auch für all die Biogasanlagen, um die riesige Maisfelder angepflanzt werden; nur dank hoher Einspeisegebühren, für die die Stromverbraucher ebenfalls zwangsweise zahlen müssen, funktioniert dieser „Markt“. Dieser Markt wird politisch gepäppelt.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.08.2012, 08:28 UhrMinstrel

    Wollen wir doch mal bitte nicht vergessen: E10-"Biosprit" ist auf dem Mist der Autohersteller gewachsen, die auf diese Weise die Abgaswerte ihrer Flotten reduzieren wollten anstatt Entwicklungsarbeiten an verbrauchsärmeren Motoren zu bezahlen. Da hat kein grüner "Gutmensch" gefordert, man müsse gefälligst ... von wegen.

  • 21.08.2012, 09:56 UhrGerhard

    Das ist mit das D%$%&§!3 was ich je zu diesem Thema von "Charly" gelesen habe. Hier hat wohl jemand zu tief in seinen BWL gesteckt und völlig vergessen seinen gesunden Menschenverstand zu nutzen. - Produktivitätssteigerung - na sicher doch!

    1+1:
    Wenn man in der sog. dritten Welt Bauern für mehr Umsatz anbietet ihren Mais lieber nach Europa zu exportieren, statt ihn in ihrer regionalen Umgebung zu verkaufen, damit die Leute was zum Essen haben, was passiert wohl mit Lebensmittelnpreisen in dieser Region?

    ...Wenn wir hier also E10 tanken, verbrennen wir deren Essen in unseren Tanks!

  • 21.08.2012, 05:30 UhrJoselyn

    Was für eine Lügen-Propaganda ! Da fehlen einem die Worte.

    Meiner Ansicht nach liegt es daran, dass in jedem Land jedes Jahr Tonnen von Nahrungsmitteln vernichtet werden, um die Preise stabil zu halten, damit die Banker sich noch mehr bereichern können.

    Aktuell verhungern in Indien Menschen neben prall gefüllten Getreide-Speichern.

    Im Jahre 2011 gab die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) eine internationale Studie mit dem Namen „Global Food Losses and Food Waste" in Auftrag, welche die derzeitige Situation der Lebensmittelverluste und -verschwendung untersuchen sollte. Demnach gehen weltweit jährlich etwa 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel verloren oder werden entsorgt, was etwa einem Drittel der gesamten weltweiten Jahresproduktion entspricht.

    In den Industriestaaten würden 40% der Nahrungsmittelverluste aus völlig genießbaren Lebensmitteln bestehen, die von Händlern oder Konsumenten aus verschiedenen Gründen entsorgt werden. Die Industriestaaten würden auf diese Weise jedes Jahr etwa 220 Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel wegwerfen, was etwa der gesamten Nahrungsmittelproduktion aller afrikanischen Länder südlich der Sahara (insgesamt 230 Millionen Tonnen) entspricht. Nach Einschätzung der Initiative „Save Food“ könnten von der weltweiten Produktion etwa 12 Milliarden Menschen ernährt werden, würde dieser Anteil nicht weggeworfen oder vernichtet werden.[1][2]

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