Blutdruck: Lärm und schlechte Luft sind schädlich

Studie: Lärm und schlechte Luft treiben den Blutdruck hoch

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Ein Mädchen bedeckt sein Gesicht, als es mit dem Rad durch eine Smog-verhangene Straße fährt.

Permanent rauscht der Verkehr, Hupen dröhnen, Auspuffe spucken blauen Dunst: Verkehrslärm und mit Abgasen verpestete Luft sind ungesund - klar. Eine neue Studie zeigt, dass die Folgen aber noch unterschätzt werden.

An Autobahnen und Kreuzungen, in Städten mit viel Verkehrslärm und Fabriken lebt es sich deutlich ungesünder. Die gesundheitlichen Folgen für Menschen in betroffenen Region werden einer Studie zufolge nach wie vor unterschätzt. Denn wer langfristig Luftverschmutzung und Straßenlärm ausgesetzt ist, hat ein höheres Risiko für Bluthochdruck. Das zeigt eine europaweite Untersuchung, die am Dienstag im „European Heart Journal“ veröffentlicht wird. Ein erhöhter Blutdruck birgt ein großes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und vorzeitigen Tod.

Für die Studie wurden mehr als 41.000 Probanden in fünf Ländern über einen Zeitraum von bis zu neun Jahren beobachtet. Getestet wurden Teilnehmer aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Spanien und Deutschland, die zu Beginn der Untersuchung weder über Bluthochdruck klagten noch Medikamente einnahmen. Bei mehr als 6200 (15 Prozent) hatte sich nach mehrjähriger Beobachtung nach Angaben der Probanden ein Bluthochdruck entwickelt. In Deutschland wurde das Ruhrgebiet (Mülheim, Essen und Bochum) ebenso untersucht wie die Region Augsburg.

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Die Untersuchung ist Teil der breit aufgestellten European study of cohorts for air pollution effects (ESCAPE). Das ESCAPE-Projekt untersucht Langzeiteffekte von Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit in Europa.

Wie sich der BMI berechnet

  • Formel

    Der Body-Mass-Index berechnet sich wie folgt: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße mal Körpergröße in Metern.

    Bei einem Gewicht von 90 Kilogramm und einer Größe von 1,90 Meter beträgt der BMI also knapp 25.

  • Was ist normal?

    Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wird ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 als normal angesehen. Ab einem Wert von 30 Kilogramm pro Quadratmeter Körpergröße gelten Übergewichtige als behandlungsbedürftig.

Klar ist: Lärm und Luftverschmutzung sind Stress für den Körper. Dazu gibt es bereits viele einzelne Untersuchungen. „Beide Umweltfaktoren sind in separaten Analysen mit dem Auftreten von Blutdruck assoziiert“, sagte die Studienleiterin Barbara Hoffmann vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Doch wie wirken sie zusammen?

Der Feinstaub wurde bei den Tests in den europäischen Regionen in verschiedenen Größenklassen gemessen: Die kleinsten Teilchen maßen bis zu 2,5 Mikrometer (PM2,5), die größeren bis zu 10 Mikrometer. Auch Rußteilchen und die Verkehrsdichte im Umkreis um die Wohnadresse der Probanden wurden dokumentiert. Pro fünf Mikrogramm PM2,5-Partikel je Kubikmeter Luft nimmt das Risiko für Bluthochdruck der Studie zufolge um 22 Prozent zu.

Diese Menge entspreche ungefähr dem Unterschied, ob man im am stärksten verschmutzten oder dem saubersten Viertel einer Stadt wohne. Damit erhöht sich das Risiko in etwa so stark wie bei Übergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 bis 30 im Vergleich zu einem normalen BMI zwischen 18,5 und 25.

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Smog in Peking Quelle: REUTERS

In einer weiteren Analyse wurde zum Start des Untersuchungszeitraums bei knapp 11.000 Probanden kein erhöhter Blutdruck gemessen. Rund 3500 von ihnen wiesen bei einer späteren Messung schließlich höhere Blutdruckwerte auf. In dieser kleineren Gruppe von Teilnehmern konnten jedoch keine Zusammenhänge zwischen Luftqualität, Lärm und gemessener Hypertonie beobachtet werden. Hoffmann begründet dies unter anderen damit, dass der strenge Grenzwert von 140 zu 90 mmHg bei einer einmaligen Messung im Studienzentrum bei vielen Probanden aufgrund von Aufregung zu einer falschen Hypertonie-Diagnose geführt haben könnte, was das Ergebnis verzerrt.

Auch bei der Belastung mit Verkehrslärm fanden die Forscher einen Zusammenhang mit der Entstehung von Bluthochdruck, dieser war jedoch deutlich schwächer. Das Ausmaß des Straßenverkehrslärms wurde den EU-Lärmkartierungen entnommen. Die Daten seien mit Vorsicht zu genießen, heißt es einschränkend im veröffentlichten Paper. Denn die Werte für die Lärmbelastung durch Straßen- und Schienenverkehr wurden an den Häuserfassaden gemessen. Die Lärm-Belastung auf die Menschen innerhalb der Gebäude variiert dann aber stark, etwa je nach Schall-Isolierung der Fenster, Lage der Schlafräume, Lüftungsgewohnheiten oder die Nutzung von Ohrstöpseln.

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Im vergangenen Dezember musste Peking mehrfach die höchste Smog-Warnstufe ausgeben. Quelle: dpa

Die beiden Faktoren Lärm und schlechte Luft wirken sich vermutlich auf unterschiedlichen biologischen Wegen auf das Herz-Kreislaufsystem aus, heißt es in der Studie. Während Schadstoffe in der Luft Entzündungsprozesse und Funktionsstörungen der Gewebe, etwa der Atemwege, auslösen, ist Straßenlärm vorrangig ein Stressor für Hormon- und Nervensystem.

Forscher haben schon mehrfach einen Zusammenhang zwischen Verkehrslärm, Luftverschmutzung und Herzkreislauferkrankungen nachgewiesen. Vor allem nächtlicher Lärm und das Einatmen kleiner Feinstaubpartikel bis 2,5 Mikrometer stehen in Zusammenhang mit Verkalkungen und Verhärtungen an der Hauptschlagader, wie eine Analyse von Medizinern des Westdeutschen Herzzentrums in Essen bereits im Jahr 2013 zeigte. Kardiologen, die das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten ihrer Patienten berechnen, sollten neben den hinlänglich bekannten Faktoren wie Rauchen, Übergewicht oder Bluthochdruck auch die Lärm- und Smogbelastungen einbeziehen, forderte der verantwortliche Herzmediziner Hagen Kälsch.

Die derzeitigen Grenzwerte in der EU sind Hoffmann zufolge ein Kompromiss auf Basis alter Studien. „Es ist ein gesellschaftlicher Abwägungsprozess, in den man die gesundheitlichen Folgen und die Kosten einbezieht.“ Das Risiko für Bluthochdruck bestehe bereits bei Luftverschmutzungskonzentrationen deutlich unterhalb der gültigen EU-Grenzwerte, betonte Hoffmann. „Die Grenzwerte reichen nicht aus. (...) In der Konsequenz kann die aktuelle Gesetzgebung die Bevölkerung nicht ausreichend vor den nachteiligen Folgen der Luftverschmutzung schützen.“

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