Studie: Wie die Energiewende preiswert machbar ist

ThemaEnergiewende

exklusivStudie: Wie die Energiewende preiswert machbar ist

Bild vergrößern

Alte oder neue Stromproduktion - welche Lösung ist für den Kunden die bessere?

von Dieter Dürand

Sauber, aber teuer – billig, aber schmutzig: Zwischen diesen Extremen muss die Politik einen Weg finden. Mit dem richtigen Konzept kann sie die Stromkunden um Milliarden Euro entlasten. Das zeigt eine Exklusivstudie.

Musterschüler der Energiewende – das wollten die Manager des Stadtwerke-Verbunds Trianel in Aachen eigentlich immer sein. Welche Volte die wechselnden Bundesregierungen seit dem ersten Beschluss zum Ausstieg aus der Kernkraft 2002 auch schlugen, die Stadtwerker mühten sich stets, die rasch wechselnden Ideen und Vorgaben der Politik konstruktiv umzusetzen. Doch zur Belohnung gab es immer wieder etwas auf die Finger. Sehr zum Verdruss von Trianel-Chef Sven Becker. „Die Verunsicherung ist groß“, seufzt er.

Der Verbund, dem rund 100 Stadtwerke vorwiegend aus Deutschland angehören, baute für annähernd zwei Milliarden Euro in den nordrhein-westfälischen Kommunen Hamm und Lünen hocheffiziente Gas- und Kohlekraftwerke. Sie sollten mit ihrem relativ niedrigen Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) die Umwelt entlasten und mit ihrer flexiblen Stromproduktion einspringen, wenn Wind und Sonne zu wenig elektrische Energie liefern.

Anzeige

Trianel investiert aber auch in grüne Projekte. Für weitere 1,6 Milliarden Euro errichtet das Unternehmen in der Nordsee vor Borkum einen Meereswindpark mit 400 Megawatt (MW) Leistung; in Eisleben, unweit von Halle, übernahm es einen Windpark an Land – ganz im Sinne des Umstiegs auf erneuerbare Energien. Und die Stadtwerker wollten gleich drei neue Pumpspeicherkraftwerke errichten. Die sollen ebenfalls Strom bereitstellen, wenn Wind und Sonne pausieren.

Und was passiert? Die Manager werden für ihren guten Willen bestraft statt belohnt.

Szenario Nummer 1: Öko zero

  • Kraftwerke

    Installierte Leistung im Jahr 2030: 79.000 MW

  • Speicher

    Kapazität 2030: 10.000 MW

  • Netzausbau der Übertragungsnetze

    bis 2030: weniger als 500 km

  • CO2-Ausstoß

    im Jahr 2030: 381 Mio. t

  • Investitionskosten

    2030: 54 Mrd. Euro

Das Steinkohlekraftwerk mit 750 MW Leistung in Lünen ging erst vergangenen Dezember zwei Jahre verspätet in Betrieb, weil Umweltverbände erfolgreich gegen eine Teilgenehmigung geklagt hatten. Dann wird es dieses Jahr voraussichtlich einen Verlust von 100 Millionen Euro einfahren. Der Grund: Wegen des wachsenden Angebots subventionierten Ökostroms sind die Großhandelspreise an der Leipziger Strombörse innerhalb weniger Jahre von 50 Euro auf zeitweise weniger als 30 Euro je Megawattstunde gefallen. Zudem fordern die Netzbetreiber den Kohlestrom wegen des Vorrangs für die Erneuerbaren immer seltener an. In diesen Zeiten steht das Kraftwerk still. Nicht besser ergeht es aus dem gleichen Grund dem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit 850 MW in Hamm. „Der Strommarkt droht zu kollabieren“, klagt Becker.

Kaum weniger Ärger handelte sich Trianel mit seinen grünen Investitionen ein. Der Windpark vor Borkum schickt diesen Sommer – zwei Jahre verspätet – den ersten Strom an Land. Grund für die Verzögerung: Der zuständige Netzbetreiber Tennet brauchte zwei Jahre länger als geplant, um den Netzanschluss fertigzustellen. Die Pläne für den Bau eines Pumpspeicherwerks an der Rurtalsperre unweit von Aachen mussten die Trianel-Manager aufgeben. Sie kapitulierten vor Bürgerprotesten und mangelnder Unterstützung aus der Politik.

Szenario Nummer 2: Öko light

  • Kraftwerke

    Installierte Leistung im Jahr 2030: 183.000 MW

  • Speicher

    Kapazität 2030: 10.000 MW

  • Netzausbau der Übertragungsnetze

    bis 2030: 2800 km

  • CO2-Ausstoß

    2030: 250 Mio. t

  • Investitionskosten

    2030: 176 Mrd. Euro

Die Probleme des Stadtwerke-Verbunds sind symptomatisch für den Zustand einer ganzen Branche. Nachdem die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung vor drei Jahren unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima zum zweiten Mal den Ausstieg aus der Atomenergie beschloss, steht die Energiewende heute am Scheidepunkt: Entweder es gelingt Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, das Chaos zu beenden. Oder der grüne Gewaltmarsch droht, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ernsthaft zu gefährden.

Es heißt: hop oder top.

Höchste Zeit also, die Energiewende gründlich neu zu justieren. Und endlich einen grünen Umbau zu konzipieren, bei dem sich die vielen Einzelteile zu einem schlüssigen Gesamtkonzept fügen.

Daran mangelt es bisher völlig, wie eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt. Ihr Experte Torsten Henzelmann hat gleich 24 Faktoren ausgemacht, welche die Politik für eine erfolgreiche Energiewende berücksichtigen müsste – von der Entwicklung intelligenter Stromnetze über den CO2-Handel bis hin zu Vorgaben zur Energieeffizienz. Doch von einem abgestimmten Handeln fehlt jede Spur. „Das kann nicht zum Erfolg führen“, moniert Henzelmann. Sein Resümee: Die Komplexität der Herausforderung wurde grob unterschätzt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%