Studie zu Offshore-Plänen: Windkraft auf See droht ein Desaster

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Studie zu Offshore-Plänen: Windkraft auf See droht ein Desaster

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Um deutsche Offshore-Windanlagen ist es schlechter bestellt als gedacht - doch es gibt noch Hoffnung

von Dieter Dürand und Florian Zerfaß

Unkontrolliert steigende Kosten, enttäuschte Investoren und fehlende Kabel: Um die Offshore-Windanlagen vor den deutschen Küsten ist es schlechter bestellt als gedacht. Eine Exklusiv-Studie zeigt, welche Meereskraftwerke überhaupt noch Chancen haben – und welche Technologien die Wende bringen können.

Ein Mann will sein Glück erzwingen: Er heißt Willi Balz und ist Gründer, Chef und Alleinaktionär der Windreich AG in Wolfschlugen bei Stuttgart. Dort lebt er zwar weit weg von Deutschlands Küsten. Doch der knorrige, 52-jährige Unternehmer plant, gleich 22 Meereswindparks in der Nordsee zu errichten – mehr als die vier Stromriesen E.On, RWE, EnBW und Vattenfall zusammen. Dafür sucht Balz jede Menge zahlungskräftige Investoren. Immerhin kostet ein Windpark je nach Größe bis zu 1,8 Milliarden Euro. Doch die Geldgeber stellen immer kritischere Fragen: Sind die Ausbaupläne noch realistisch? Haben sich die Akteure nicht übernommen? Ist der Offshore-Traum in Deutschland nicht längst geplatzt?

Selbst Balz kann sich der Realität nicht entziehen. Seit Wochen muss er hilflos mitansehen, dass der pünktliche Anschluss seines dritten Windparks Deutsche Bucht an das Stromnetz immer noch nicht gesichert ist. Dabei hatte der zuständige Stromtransporteur Tennet die Netzanbindung schon im Oktober 2011 zugesagt.

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Entwicklung der größten Windkraftanlagenbauer

  • Was hat Oliver Wyman untersucht?

    Die Experten der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman haben zusammengetragen, wie hoch die Zahl der neu installierten Leistung der jeweiligen Windkraftanlagenbauer weltweit war und wie das Unternehmen in den Jahren 2008 bis 2011 gewachsen ist. Dazu wurde die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, abgekürzt CAGR) herangezogen.

  • Guodian - China

    Neuinstallation 2011 in Megawatt: 3.042

    Wachstum 2008-2011 (CAGR): 173%

  • Mingyang - China

    Neuinstallation 2011: 1.500

    Wachstum 2008-2011: 105%

  • Goldwind - China

    Neuinstallationen 2011: 3.600 MW

    Wachstum 2008-2011: 46%

  • Sinovel - China

    Neuinstallation 2011: 3.700 MW

    Wachstum 2008-2011: 37%

  • Suzlon - Indien

    Neuinstallation 2011*: 3.116 MW

    Wachstum 2008-2011: 20%

    *inklusive REpower Systems

  • Siemens - Deutschland/Dänemark

    Neuinstallation 2011: 2.591 MW

    Wachstum 2008-2011: 11%

  • Dongfang - China

    Neuinstallation 2011: 1.100 MW

    Wachstum 2008-2011: 2%

  • Gamesa - Spanien

    Neuinstallation 2011: 3.308 Megawatt

    Wachstum 2008-2011: 2%

  • Enercon - Deutschland

    Neuinstallation 2011: 3.203 MW

    Wachstum 2008-2011: 0 %

  • Vestas - Dänemark

    Neuinstallationen 2011: 5.217 MW

    Wachstum 2008-2011: - 1%

  • Nordex - Deutschland

    Neuinstallationen 2011: 970 MW

    Wachstum 2008-2011: - 3%

  • GE Energy - USA

    Neuinstallationen 2011: 3.170 MW

    Wachstum 2008-2011: -3%

  • Acciona - Spanien

    Neuinstallationen 2011: 651 MW

    Wachstum 2008-2011: - 20%

Jetzt will Balz Tennet zum Handeln zwingen. Weil das Unternehmen die Steckdose im Meer nicht rechtzeitig ausgeschrieben und bestellt hat, beantragte Balz nun ein Missbrauchsverfahren gegen den Netzbetreiber – ein bisher einmaliger Vorgang. Hat Balz Erfolg, droht Tennet ein saftiges Bußgeld. Seine Investoren wird das vielleicht kurzzeitig beruhigen. Die immer größeren Probleme aber löst es nicht.

Denn die Rückschläge für die Windstromerzeuger häufen sich: Der Ausbau der Meereswindparks auf See kommt nicht voran; die Anlagen sind teurer als gedacht; und die Gefahr einer Stromlücke in der deutschen Energieversorgung wächst.

Die Folgen des Durcheinanders: Geldgeber ziehen sich zurück oder steigen erst gar nicht in die Finanzierung von Meereswindparks ein – wie etwa das Emissionshaus Voigt & Collegen aus Düsseldorf: „Die Risiken sind für Privatanleger unkalkulierbar“, sagt Geschäftsführer Hermann Klughardt, der mehr als 30 Solarkraftwerke in Spanien und Italien im Portfolio hat.

Als Hoffnung bleibt, dass sich die Branche schnell professionalisiert, vor allem aber, dass neue Technologien die Stromerzeugung auf See doch noch wirtschaftlich machen – und den Bau neuer Parks beschleunigen.

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