Treibhausgase: Permafrost-Schmelze befeuert den Klimawandel

Treibhausgase: Permafrost-Schmelze befeuert den Klimawandel

, aktualisiert 01. Dezember 2011, 10:31 Uhr
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Permafrost-Boden in Alaska: Das zunehmende Auftauen solcher Böden beschleunigt den Klimawandel stärker als bislang erwartet.

Quelle:Handelsblatt Online

Das Auftauen der Permafrostböden dürfte den Klimawandel deutlich stärker beschleunigen als bislang vermutet. Darauf deuten die Ergebnisse einer aktuellen Studie von mehr als 40 Klimaforscherin hin.

LondonDie schmelzenden Permafrostböden beschleunigen den Klimawandel voraussichtlich stärker als bislang gedacht. Nach einer neuen Berechnung könnten sie bis zum Ende des Jahrhunderts ähnlich viel Kohlenstoff freisetzen wie die weltweite Abholzung. Die Auswirkungen auf unser Klima wären wegen der hohen Methankonzentration jedoch zweieinhalb Mal größer, berichten Wissenschaftler aktuell im Magazin „Nature“.

Wie sehr sich die Erderwärmung mit dem Auftauen der Permafrostböden beschleunigt, war bislang nicht genau zu berechnen. Edward Schuur, Benjamin Abbott und 39 weitere internationale Experten des „Permafrost Carbon Research Network“ berechneten nun anhand neuer Modelle, wie viel Permafrost auftauen wird, wie viel Kohlenstoff dies freisetzt und wie viel davon in Form von Kohlendioxid (CO2) und von Methan in die Luft gelangen könnte. Das Treibhausgas Methan heizt die Atmosphäre wesentlich stärker auf als Kohlendioxid.

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Laut den neuen Berechnungen enthalten die Permafrostböden etwa 1700 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff, also Überreste von Pflanzen und Tieren aus Tausenden von Jahren. Das ist dreimal mehr als bislang angenommen und etwa doppelt so viel, wie momentan in der Atmosphäre enthalten ist.

In dem sich erwärmenden arktischen und antarktischen Boden zersetzen Mikroben diesen alten Kohlenstoff und geben CO2 und Methan in die Atmosphäre ab. Riesige Tundrenfeuer und Methan, das aus arktischen Seen blubbert, seien bereits Zeugen dieses Erwärmungsprozesses, so die Forscher.

Um zu berechnen, wie schnell sich der Permafrost erwärmt und wie viel Klimagase er dabei freisetzt, orientieren sich die alten Modelle vor allem an der steigenden Lufttemperatur. Die Wirklichkeit sei jedoch sehr viel komplexer, so die Autoren.

Mit dem Schmelzen von Eiskeilen im Boden kollabiere der Untergrund – und dies beschleunige wiederum den Tauvorgang. Das sichtbare Ergebnis seien wie „betrunken“ aussehende, schief stehende Bäume.

Die Ergebnisse der neuen Berechnungen sind alarmierend: Unter dem stärksten Erderwärmungsszenario – ein Temperaturanstieg von 7,5 Grad Celsius bis 2100 – würden 47 bis 61 Prozent der obersten drei Meter des Permafrostbodens bis zum Ende des Jahrhunderts zerfallen. Der CO2-Ausstoß beschleunigt sich dabei über die Jahre: Bis 2040 würden 30 bis 63 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt – sowohl als CO2 als auch als Methan.

Bis 2100 vervielfache sich diese Menge auf 232 bis 380 Milliarden Tonnen. Dieser Anstieg an Kohlenstoff wäre 1,7 bis 5,2 Mal stärker als bisher berechnet, so die Wissenschaftler.

Quelle:  Handelsblatt Online
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