Umweltschutz: Achim Steiner rettet die Welt

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Umweltschutz: Achim Steiner rettet die Welt

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Achim Steiner arbeitet an den großen Problemen der Welt.

von Tim Rahmann

Der oberste Klimaschützer der UN ist ein Deutscher - und Wirtschaftsversteher. Achim Steiner glaubt: Gewinnt er die Wirtschaft für seine Pläne, hat auch die Umwelt gewonnen.

Die Tage von New York sind stressig. Nach dem Mittagessen mit Investoren in der New York Stock Exchange – bevor das Essen serviert wird, muss Achim Steiner schon weiter – wartet bereits der kalifornische Gouverneur Jimmy Brown auf Steiner. Den französischen Präsidenten François Hollande, die chinesische Delegation und die südafrikanische Oscar-Gewinnerin Charlize Theron wird Steiner später am Tag noch treffen. Dazwischen immer wieder Abstimmungen mit der Bundesregierung, worauf noch zurückzukommen sein wird.

Es sind Tage, die selbst einen wie Steiner manchmal kurz die Orientierung verlieren lassen, so pickepackevoll sind sie. Aber der Mann soll ja auch die Welt retten, zumindest deren Klima; eine Aufgabe, zu deren Lösung Pausen nicht so vorgesehen sind. Seit 2006 leitet Steiner das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP); der Deutsche, geboren in Brasilien, hat „die Stimme der Umwelt“, wie sich die Organisation selbst bezeichnet, zu einem lautstarken Akteur auf der politischen Bühne gemacht.

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Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

  • Das Bevölkerungswachstum

    Die Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung.

  • Wirtschaftswachstum

    Trotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU.

  • Automobile

    Während Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Benzinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die Eine-Milliarde-Marke geknackt. Besonders viele Autos pro Einwohner werden in Monaco und den USA gefahren.

  • Kohle, Kohle, Kohle

    Der seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren.

  • Abholzung

    Das Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid.

  • Rindfleisch

    Rinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen.

  • Wegwerfgesellschaft

    Nicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus.

  • Flugzeuge

    Flugzeuge stoßen CO2, Stickoide, Wasserdampf, Ruß, Sulfat und andere Partikel aus und verpesten so die Umwelt. Die größte Klimawirkung hat laut atmosfair.de das reine CO2, das immer beim Verbrennen von Benzin oder Kerosin entsteht. Außerdem die Bildung von Schleierwolken und Kondensstreifen, der Aufbau vom Treibhausgas Ozon in einem sensiblen atmosphärischen Stockwerk sowie der Abbau von Methan.

Im kommenden Jahr endet Steiners Zeit. Aber zuvor, da hat er noch das eine große Ziel: Der Klimagipfel von Paris Ende des Jahres, er soll gelingen. Die Welt, vor allem die Weltwirtschaft, soll darauf verpflichtet werden, sich auf verbindlichen Klimaschutz zu einigen. Das ist das Ziel, an dem die jetzige Generation an Entscheidern dereinst gemessen werden wird. Das Ziel, an dem Steiner gemessen werden wird.

China sucht Investoren für nachhaltige Ideen

Aufbruch Richtung Wall Street. Der nächste Termin drängt. Ausgerechnet im Finanzzentrum der Welt, wo nur Bares Wahres ist, spricht Steiner vor Bankern und Geldgebern über nachhaltige Investments. „In der Green Economy lässt sich viel Geld verlieren“, sagt er. „Aber auch viel Geld verdienen.“ Was man halt so sagt. Steiner aber fundiert, was andere als grünes Marketing missbrauchen, mit allerlei Substanz. Klimaschutz bei Steiner, das funktioniert wie ein Businessplan.

Chancen für die Investoren, holt er nun vor selbigen aus, gebe es vor allem in den Schwellenländern. China etwa suche händeringend nach Investoren, berichtet Steiner. Das Land brauche mehr als 300 Milliarden Dollar pro Jahr, um seine Wirtschaft zu transformieren. „Und sie sind bereit, dafür beträchtliche Renditen zu zahlen“, wirbt er.

"Der Umbau der Volkswirtschaften kostet viel Geld"

Der Deutsche spricht neben seiner Muttersprache Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch – und die Sprache der Investoren. Der UNEP-Chef setzt nicht auf die apokalyptischen Aussagen der früheren Klimakämpfer, sondern punktet, indem er Ökologie mit Ökonomie verknüpft; nur so könne der Wandel gelingen, ist Steiner überzeugt: „Der Umbau der Volkswirtschaften kostet viel Geld.“ Die Infrastruktur zu schaffen, um etwa erneuerbare Energien zu speichern und über weite Strecken zu transportieren, könne nicht alleine Aufgabe der Steuerzahler sein. „80 Prozent des Geldes muss von der Finanzwirtschaft kommen“, sagt Steiner. Also sucht er Verbündete, wo seine Vorgänger mitunter Gegner sahen.

„Achim Steiner ist eine sehr überzeugende Persönlichkeit“, sagt Klaus Töpfer, bis 2005 Chef des Umweltprogramms der UN, über seinen Nachfolger. „Er hat mit der Green Economy früh ein wichtiges Thema gesetzt. Zu vermitteln, dass sich Wirtschaft und Umweltschutz nicht ausschließen, ist sicher der größte Verdienst von Achim Steiner.“

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