Valley Talk: Internetriesen ignorieren die wichtigsten Probleme

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Für das größte Problem vor der eigenen Haustür - den Wassernotstand - interessiert sich die High-Tech-Elite im Silicon Valley kaum.

Kolumne von Matthias Hohensee

Die High-Tech-Elite inszeniert sich gerne als Wohltäter der Menschheit - doch die Probleme vor der eigenen Haustür ignoriert sie.

Die Macher im Silicon Valley präsentieren sich gern als Wohltäter der Menschheit, für deren Erfindergeist und unternehmerisches Geschick kein Problem der Erde zu groß ist. Sofern es eine technische Lösung gibt – und sich ein Geschäft machen lässt. Das Internet der Dinge etwa, bei dem jeder Gegenstand mit dem weltweiten Datennetz verknüpft ist, preisen Konzerne wie Google, Cisco und General Electric mit markigen Versprechungen an. Sie wollen durch intelligentere Steuerung den Energieverbrauch senken und mit der Ausrüstung eine Menge Geld verdienen.

Für das größte Problem vor der eigenen Haustür – den Wassernotstand – interessiert sich dagegen kaum jemand.

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Seit drei Jahren plagt Kalifornien eine Dürre. Das vergangene Jahr war das trockenste seit über 100 Jahren. Die Wasserreserven im Südwesten der USA reichen nicht für eine stärkere Besiedelung und die Expansion der Landwirtschaft aus, was spätestens seit Anfang der Siebzigerjahre klar ist. Damals mussten die Behörden wegen lang anhaltender Trockenheit das Wasser rationieren. Doch immer wenn es am schlimmsten stand, kam die Natur zur Hilfe. Zuletzt vor vier Jahren, als mächtige Stürme für Rekord-Schneemassen in der Sierra Nevada sorgten. Sie schmelzen im Sommer und bilden die wichtigste Quelle für die Wasserreservoirs Nordkaliforniens.

Doch die Genies im Silicon Valley und ihre Geldgeber lässt dieses Jahrhundertproblem kalt. Ausnahmen sind einige Eliteforscher an den Universitäten in Stanford und Berkeley, die nach besseren Membranen für Meerwasserentsalzungsanlagen suchen. Oder der kürzlich vom koreanischen Chemieriesen LG Chem für 200 Millionen Dollar erworbene Entsalzungsspezialist NanoH2O, den Silicon-Valley-Investoren und BASF Venture Capital finanziert hatten.

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Quelle: imago / bild13

Die Zurückhaltung der Wagnisfinanzierer hat mehrere Gründe. Ihnen ist der Markt oft zu klein – beispielsweise bei effizienteren Bewässerungssystemen für die Landwirtschaft. Oder zu langwierig, etwa wenn es um das Wiederverwenden von Wasser geht. Und zu riskant, vor allem weil Politik im Spiel ist. Wer als Investor im vergangenen Jahrzehnt auf Umwelttechnik setzte, verbrannte sich meist die Finger. Und musste zusehen, wie andere mit sozialen Netzwerken und Smartphone-Apps bei überschaubarem Einsatz Milliarden scheffelten.

Selbst Wasserzähler fehlen

Ein Geschäft wird sich nur machen lassen, wenn die Wasserpreise steigen – was kaum für Sympathien sorgt. Die Wasserdistrikte in Kalifornien sind zersplittert und werden von Lokalpolitikern verwaltet. Selbst wenn jemand wie WaterSmart Software aus San Francisco eine typische Silicon-Valley-Lösung anbietet, um per Internet den Wasserverbrauch zu überwachen, funktioniert das nicht flächendeckend.

In der Landeshauptstadt Sacramento verfügt gerade die Hälfte der Haushalte über eine Wasseruhr. Die anderen werden pauschal abgerechnet; aus Furcht vor steigenden Preisen haben sie kein Interesse daran, ein Messgerät zu bekommen. Erst 2025 muss Kalifornien flächendeckend mit ihnen ausgestattet sein. Haushalte verbrauchen aber auch nur 20 Prozent des Wassers, auf Landwirtschaft und Industrie entfallen 80 Prozent.

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Bleiben neben der Aufbereitung von Brauchwasser vor allem Meerwasserentsalzungsanlagen entlang des Pazifiks. 2016 soll eine riesige Anlage südlich von Los Angeles in Betrieb gehen, fürs Silicon Valley werden noch Standorte gesucht.

Trotz aller technischen Fortschritte sind die Anlagen im Schnitt dreimal so teuer wie aus dem Südwesten herangepumptes Wasser. Solange es noch etwas zu pumpen gibt.

Auf die Natur kann das Silicon Valley in diesem Jahr nicht hoffen. Das mit viel Spannung für den Winter erwartete Klimaphänomen El Niño wird laut derzeitigen Prognosen nur wenig Regen bringen.

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