Wachstum: Die Architektur des Wohlstands

Wachstum: Die Architektur des Wohlstands

Bild vergrößern

Norbert Schmedt, 48, und seine Frau Stefanie, 45, wohnen mit ihren zwei Kindern in einem Berliner Einfamilienhaus. Er ist Unternehmer, sie Lehrerin. Die Schmedts fahren selten Auto, zahlen für ihr Abo der „tageszeitung“ mehr als nötig und kaufen Bioprodukte.

von Dieter Schnaas, Matthias Hohensee

Die einen wollen ohne auskommen – die anderen brauchen es zum Überleben. Wie Familien in Deutschland, Südafrika, China und den USA über Reichtum und Verzicht denken. Vier Hausbesuche.

Irgendwann in diesen Monaten beschlich Norbert Schmedt zum ersten Mal das Gefühl, er beherrsche nicht mehr den Fortgang der Dinge in seiner Agentur, sondern der Fortgang der Dinge beherrsche ihn. Die Dynamik habe „eine gewisse Unumkehrbarkeit“ bekommen, sagt Schmedt, einige Jahresverträge laufen aus, neue Aufträge kommen rein, der Umsatz steigt, das Arbeitsvolumen wächst, also braucht er feste Mitarbeiter, und die wollen nicht nur heute bezahlt werden, sondern auch morgen noch beschäftigt sein – weshalb es jetzt vor allem darum geht, neue Aufträge an Land zu ziehen. „Keine Frage“, sagt Schmedt, „unser Wachstum hat sich verselbstständigt. Es lässt uns keine Wahl. Es lässt uns nur die Wahl, weiter zu wachsen.“

Norbert Schmedt nimmt sich vor, auf anständige Weise zu wachsen, aber ganz so leicht wie früher ist das nicht. Seit Ende der Neunzigerjahre produziert er den „Schrägstrich“, die Mitgliederzeitschrift der Grünen, anfangs allein, später mithilfe der ersten Mitarbeiterin. 2001 gründet er „Kompaktmedien“, ein paar Aufträge tröpfeln rein, viel tut sich nicht, drei Jahre später aber kommt der Durchbruch: Die Agentur gewinnt eine Ausschreibung des Familienministeriums, gestaltet und textet Internet-Portale, profiliert sich mit sozialpolitischen Themen, vergrößert sich, zieht um.

Anzeige

Um gute Mitarbeiter muss Schmedt sich nicht mühen. Er hat einen Ruf als Sozialunternehmer, seine acht, neun Beschäftigten, darunter viele Frauen mit Kleinkindern, können 20, 30 oder 40 Stunden arbeiten, verteilt auf drei, vier oder fünf Tage, als Angestellte oder Freiberufler, ganz wie sie wollen. Die Fluktuation in der Agentur ist gering, die Teamtreue groß, die Stimmung blendend. Nach 19 Uhr will Schmedt niemanden mehr in der Firma sehen.

Bis „Kompaktmedien“ vor einigen Monaten zum zweiten Mal den Zuschlag erhält, das „Wissenschaftsjahr“ mit auszurichten. Es ist ein Auftrag, der viel Geld einbringt, reichlich Personal bindet – und die Prioritäten verschiebt. „Nachhaltigkeit“ ist das Thema des Wissenschaftsjahrs 2012 – ausgerechnet; Schmedt selbst muss darüber schmunzeln. Früher, sagt er, sei es ihm vor allem darum gegangen, gute Produkte abzuliefern und sich von niemanden abhängig zu machen.

Heute gehe es vor allem darum, geschäftlich erfolgreich zu sein und den Fortbestand der Agentur zu sichern: „Ich kann nicht mehr immer nur nett sein.“ Kompaktmedien habe einen kleinen Gipfel erklommen; was jetzt folge, sei ungewiss. „Es wäre schön, wenn wir uns in eine Hochebene hineinbewegen, denn ich spüre, dass bei unserem Wachstum viel auf der Strecke bleibt. Aber ich fürchte, wir müssen hinauf auf den nächsten Gipfel.“

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%