Werner knallhart: Lebensmittel-Verschwendung: Werden Sie Kühlschrank-Manager

kolumneWerner knallhart: Lebensmittel-Verschwendung: Werden Sie Kühlschrank-Manager

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Der Nahrungsmittelkonsum der Deutschen zeigt: billig macht verschwenderisch. Mehr als 80 Kilo Essen landen pro Kopf im Jahr in der Tonne.

Kolumne von Marcus Werner

Wir schmeißen in Deutschland jedes Jahr pro Kopf durchschnittlich 235 Euro an Lebensmitteln in den Müll. Weil wir nicht in der Lage sind, unseren Kühlschrank unter Kontrolle zu halten. Aber Reste essen kann man lernen.

Essen wegschmeißen wie Gott in Frankreich: Jeder Franzose wirft zu Hause im Schnitt pro Jahr rund 30 Kilo Lebensmittel weg. Und weil die Regierung sich vorgenommen hat, die Verschwendung von Essen in Frankreich generell zu halbieren, dürfen Supermärkte übriggebliebenes Essbares nicht mehr einfach wegwerfen oder systematisch ungenießbar machen, sondern müssen es spenden oder etwa als Tierfutter zur Verfügung stellen.

In Deutschland geht das anders. Hierzulande sind es über 80 Kilo (in Worten: über achtzig), die wir pro Kopf und Jahr in die Tonne kloppen. Gut, das können wir uns leisten, denn unsere Lebensmittel sind billiger als die in Frankreich. Aber das zeigt auch: billig macht verschwenderisch.

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Und was macht unsere Regierung? Nichts dergleichen. Man setzt auf den mündigen Verbraucher. Mit anderen Worten: Man will der Einzelhandelslobby und den Lebensmittelkonzernen nicht rein quatschen. Nicht vergessen: Der Bundesernährungsminister, das ist der, na, wie heißt er, der Dings von der Union der Sozialen Christen, der den Geflügelbauern auch nicht reinquatschen will, wenn es um das millionenfache Schreddern von männlichen Küken geht. Er wartet offiziell darauf, dass die Wissenschaft Fortschritte macht. Bis irgendwann der Schredder nicht mehr notwendig ist. Ich stelle mir den Mann gerade vor, wie er vor dem Schredder steht, in den Tausende von gelben, ahnungslos piepsenden, flauschigen Küken vom Fließband hinein plumpsen und dann unten als blutige Pampe heraus spritzen. Und wie der Minister sich dann denkt: "Ach, gut Ding will Weile haben".

Deutsche müssen zur Vernunft kommen

Einfach warten, bis die Welt besser wird. Wer so regiert wird, der muss selber aktiv werden. Wir Verbraucher müssen eben ungesteuert zur Vernunft kommen. Dazu als Grundlage ein paar Fakten:

Wenn wir immer mal wieder hier und da den angedätschten Apfel, den angebrochenen Quark und das halbe Glas mit der Tomatensoße wegschmeißen, tragen wir dazu bei, dass wertvolle Ressourcen verschwendet werden. Es gibt eine Seite im Internet, die heißt: zugutfuerdietonne.de

Forsa-Studie Deutsche verschwenden zu viele Lebensmittel

Jeder von uns hat schon verschimmeltes Brot oder einen sauren Joghurt in den Mülleimer wandern lassen. Bei vielen ist das leider keine Ausnahme. In Deutschland werden elf Millionen Tonnen Nahrungsmittel weggeschmissen.

Frisches Obst und Gemüse verleitet zum Großeinkauf. Doch sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die Lebensmittel auch schnell verzehrt werden müssen. Es wäre zu schade, wenn frische Trauben, Äpfel und Kiwis vergammeln würden.

Da kommt selbst das Ernährungsministerium zur Erkenntnis: "wertvoller Ackerboden, Wasser und Dünger, Energie für Ernte, Verarbeitung und Transport – jedes Lebensmittel braucht für seine Herstellung kostbare Ressourcen.… 700 l Wasser, bis ein Kilo Äpfel geerntet ist. 1000 l Wasser sind es, bis 1 kg Brot entstanden ist. Für 1 kg Käse sind es 5000 l. Für die gleiche Menge Rindfleisch sogar über 15.000 l."

Dazu kommt der Transport der frischen Lebensmittel und der Transport der weggeworfenen Lebensmitteln. Die Umverpackungen, die obendrein recycelt oder verbrannt werden müssen. Tausende von Hühnern, Schweinen, Puten, Kühen, Fischen, Muscheln, Shrimps, Hasen und sogar die kleinen niedlichen Weinbergschnecken, die alle gestorben sind, damit wir sie anschließend wegschmeißen.

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