Wettrüsten in den Alpen: Skifahren um jeden Preis

Wettrüsten in den Alpen: Skifahren um jeden Preis

von Konrad Fischer

Der Klimawandel erzwingt schon bald das Ende des Skitourismus in den deutschen Gebirgen. Trotzdem investieren die Gemeinden in gigantische Projekte, um bis zum letzten Tag dabei zu sein.

Der erste Schnee ändert alles. Ein paar Tage sind es noch, bis die ersten Gäste kommen, und plötzlich sind all die hässlichen Wunden unter dem weißen Mäntelchen verschwunden. Statt des massiven Betonkanals, der später mal die Schmelzwasserfluten ins Tal tragen wird, sieht man nur eine weiß getupfte Mulde. Die grob geschotterte Lastwagenpiste, die eben noch den sanft gewundenen Wanderweg durchtrennte – verschwunden unter einem Mantel aus unbeflecktem Weiß. Die Schneekanonen, die gerade noch wie illegal entsorgte Flutlichtmasten am Waldesrand standen, auf einmal rahmen sie einen glühend weiß glitzernden Schneeteppich.

Der Schnee verändert alles. Wenn er kommt ebenso wie wenn er wegschmilzt. Oberjoch, Wiege des deutschen Skitourismus. Hier stand vor gut 70 Jahren einer der ersten Skilifte Deutschlands, jetzt haben sie bald den größten. „Wir bauen die erste Achtersesselbahn in Deutschland“, sagt Adalbert Martin. Er ist Bürgermeister der Marktgemeinde Hindelang, zu der Oberjoch gehört, und Aufsichtsratschef der Liftgesellschaft in einem, eine ebenso übliche wie komplizierte Kombination, aber dazu später mehr.

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Aktuelle Investitionen in deutsche Skigebiete

  • Feldberg

    10,4 Mio. Euro

  • Sudelfeld

    13 Mio. Euro

  • Harz

    25 Mio. Euro

  • Oberjoch

    50 Mio. Euro

  • Zugspitze

    50 Mio. Euro

Wenn Marktvorsteher Martin am 18. Dezember die Skisaison eröffnen wird, hat Oberjoch den jüngsten Schub einer Investitionslawine hinter sich, die seit Jahren durch die Alpen rollt. Jedes Jahr werden Millionen in die öffentliche Hand genommen für neue Lifte, neue Schneekanonen, neue Teiche zur Versorgung derselben, Pistenwalzen, Generatoren, Gaudihütten und was man sonst alles braucht für so ein Skigebiet.

Millionen für ein kurzes Vergnügen

Zwischen 2009 und 2015 ist die gesamte in Bayern beschneite Fläche um gut 50 Prozent von 600 auf 900 Hektar gestiegen. Allein die neuen Skilifte für die 1400-Seelen-Gemeinde Oberjoch kosten 23 Millionen Euro. Dabei steht fest: Lange wird der Spuk nicht mehr gehen, auch die größten Schneekanonen werden es nicht ändern.

Anders als bei vielen anderen Folgen der Erderwärmung , die „wahrscheinlich“, „unter bestimmten Voraussetzungen“ oder „wenn wir nichts dagegen tun“ gelten, ist die Perspektive des Skitourismus unverrückbar: In ein paar Jahren hat es sich in den Mittelgebirgen ausgecarvt, ein bisschen später sind dann große Teile der deutschen Alpen dran. Mögen die Klimakonferenzen dieser Welt sich einigen, auf was sie wollen. „Ich habe nichts gegen den Skisport“, sagt Ludwig Hartmann, Grünen-Fraktionschef im bayrischen Landtag, „ich verstehe bloß nicht, warum wir die Augen davor verschließen, dass es damit bald vorbei ist.“ Ja warum? Die Antwort auf diese Frage hat ein bisschen mit den Mechanismen der Politik zu tun, etwas mehr mit den Perspektiven ökonomischer Rationalität und ganz viel mit: der Macht lieb gewonnener Gewohnheiten.

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