Wie Hersteller Spartechniken ausreizen: Neue Brummis vermeiden Kostenkeule Diesel

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Wie Hersteller Spartechniken ausreizen: Neue Brummis vermeiden Kostenkeule Diesel

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Die ständig steigenden Benzinpreise zwingt die Nutzfahrzeugbranche, auf neue Ideen zum Energiesparen zu setzen

von Jürgen Rees, Rebecca Eisert und Martin Seiwert

Der größte Kostenblock der Betriebskosten eines Lkw ist der Sprit. Weil die neue Abgasnorm verbrauchsärmere Motoren verhindert, reizen Hersteller andere Spartechniken aus.

David Coulthard, Rennfahrer, steht lässig auf einer Bühne und redet über den Treibstoffverbrauch in der Formel 1. Ein blondes Popsternchen namens September trällert „Party in My Head“. 2000 Gäste warten Anfang September in der Scandinavium Arena in Göteborg auf einen giftgrünen, neuen Volvo-Lastwagen namens FH mit bis zu 750 PS, mit denen er dann 100 Tonnen ziehen kann. Er ist sauberer und sicherer als alle seine Vorgänger. Doch am allerwichtigsten: Er ist auch um fünf Prozent sparsamer.

Der Volvo FH ist einer der Stars der 354 Weltpremieren, die vom 20. September an auf der weltgrößten Nutzfahrzeugmesse in Hannover zu sehen sind. Die Liste der Neuheiten reicht von verbesserten Erdgasantrieben über Hybridfahrzeuge, bei denen ein herkömmliches Verbrennungsaggregat und ein Elektromotor zusammenarbeiten, bis hin zu aerodynamisch optimierten Fahrzeugen. 1.900 Aussteller kommen nach Hannover, davon 857 aus Deutschland sowie 152 aus China.

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Das sieht nach guter Stimmung aus. So soll laut Verband der Automobilindustrie der Weltmarkt für Lastwagen über sechs Tonnen 2012 um fünf Prozent auf 3,27 Millionen Stück steigen – vor allem dank der Nachfrage in den USA, Russland und Indien. Und die Unternehmensberatung McKinsey prognostiziert, dass alleine der Weltmarkt für schwere Lastwagen bis 2020 von derzeit rund 120 Milliarden Euro auf rund 190 Milliarden Euro wachsen wird.

Die Sorgen der Branche

Trotzdem drücken Sorgen die Branche. Denn die Transporteure verlangen weniger Treibstoffverbrauch. Die durchschnittlich 32 Liter Diesel auf 100 Kilometer, die ein großer Lkw schluckt, fressen bei Preisen von 1,50 Euro pro Liter zunehmend die Gewinne. Denn Sprit macht mehr als ein Drittel der Kosten eines Fuhrunternehmens aus. Ein einziger Cent Preiserhöhung schlägt mit Mehrkosten von 320 Euro pro Jahr zu Buche, bei einer Flotte von 20 Lastwagen summiert sich das auf 6.400 Euro. „Wir reden aber heute über Tagessprünge, die oft 10 bis 15 Cent je Liter ausmachen“, sagt Heinz-Jürgen Löw, Chef der Renault-Lastwagensparte. Dann werden aus 6.400 Euro schnell fast 100.000 Euro.

Das bringt die Lkw-Bauer in die Bredouille. Denn die neuen Techniken zur Einhaltung der strengen Euro-6-Abgasnorm ab 2014 „haben technische Lösungen erzwungen, die einer weiteren Absenkung des Kraftstoffverbrauchs entgegenwirken“, sagt Georg Pachta-Reyhofen, Chef des Nutzfahrzeugeherstellers MAN.

Technik zum Energiesparen

Den Herstellern bleibt da nur, den Verbrauch über viele andere Stellschrauben zu senken. Dies sind neue Fahrassistenzsysteme mit dem Fokus auf Spritverbrauch, verbesserte Aerodynamik, die Elektrifizierung und Erdgasantriebe. Die meisten Hersteller setzen darauf, die Energie, die einmal in das Fahrzeug gesteckt wurde, so gut und so lange wie eben möglich zu nutzen. Volvo hat diese Strategie mit dem System I-See umgesetzt. Das funktioniert wie ein Autopilot, indem es an Steigungen und Gefällen das ideale Zusammenspiel von Gas, Bremse und Gangwechsel selbstständig regelt. Dabei nutzt das Fahrzeug den natürlichen Schwung bestmöglich aus.

Im Unterschied zu den Konkurrenzsystemen CCAP von Scania und PPC von Daimler greift Volvo nicht auf Straßenkarten zurück, die im System gespeichert sind. I-See misst während der ersten Fahrt die tatsächlich gefahrenen Kilometer sowie die tatsächlichen Steigungen und Gefälle, speichert die Daten und nutzt sie via GPS-Ortung bei der nächsten Fahrt über die gleiche Strecke. Die Volvo-Entwickler halten es für besser, wenn der Lkw nicht auf Karten angewiesen ist. Das mache das System verlässlicher, da es immer die neuesten Informationen sammele. Volvo verspricht dadurch eine Senkung des Kraftstoffverbrauch um bis zu fünf Prozent. Der Wert stamme von Simulationen sowie Tests auf öffentlichen Straßen.

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