ThemaUmweltschutz

Wissenschaft: Forscher erwecken Blume aus der Eiszeit zum Leben

14. Januar 2013

Unspektakulär ragt das im Winter blütenlose Leimkraut Silene Stenophylla aus den Plastikkübeln. Es ist es eine Sensation. Über 30.000 Jahre alt soll die Pflanze sein, die russische Biologen wieder zum Leben erweckten.

Die vielleicht älteste Pflanze der Welt steht im Institut für Zellbiophysik im russischen Puschtschino, etwa 120 Kilometer südlich von Moskau, berichtet die Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe. Nach Angaben der russischen Wissenschaftler ist das Silene Stenophylla ein lebendes Relikt aus der Eiszeit, das sie aus dem unreifen Fruchtgewebe von Samen, die über 30.000 Jahre alt sind, herangezogen wurden, wie die Zeit schreibt. Bislang war die Dattelpalme die älteste Pflanze der Welt. Sie war in einer Festung in Israel entdeckt wurden und wuchs aus einem 2.000 Jahre alten Kern heraus.

Anzeige

Erdhörnchen aus der Eiszeit, die in der Wissenschaft bislang zu wenig Aufmerksamkeit bekamen, haben die Samen in Nestern angelegt, der Permafrost hat sie konserviert. Um zu überleben, horteten die Tiere, die gemeinsam mit Mammuts lebten, alles, was sie brauchten. Da sie ihre Nester nah am Permafrost bauten, konnten sie ihre Vorräte, wie Blätter, Samen und Früchte, auch im arktischen Sommer kühl halten. Viele prall gefüllte Nester blieben zurück, wurden von Ablagerungen verschlossen. Im Dauerfrost konnte kein Wasser in die Vorratskammern eindringen, wie die Zeit schreibt.

15 Jahre lange habe Swetlana Jaschina, vom Institut für Zellbiophysik, versucht die mitgebrachten Pflanzensamen zum Leben erwachen, manchmal auch, weil es nach einem Umzug keinen passenden, kühlen Ort mehr gab. Ein Nest, das einer der Forscher vor rund zehn Jahren aus der Region Duvanny Jar vom Ufer des Flusses Kolyma mitbrachte, war voll mit dunklen Leimkrautsamen und daraus gelang es den Forschern, das Leimkraut wieder zum Blühen zubringen und es Samen produzieren zu lassen. Sie identifizierten sie als Silene stenophylla, die zur Gattung der Nelkengewächse gehört. Eine ähnliche Art blüht heute noch in der Tundra: Sie unterscheiden sich nur durch die weißen Blütenblätter, die bei der nun gezüchteten Pflanze länger und schmaler sind und weniger tiefe Furchen aufweisen. Außerdem bildete die Urzeitpflanze nur weibliche Blüten, während die jüngeren Pflanzen zweigeschlechtliche Blüten haben.

Das Alter von insgesamt 31.800 Jahren bestimmten die russischen Forscher mit der Radiokarbonmethode. Der Versuch, die Pflanze aus reifen Samenkörnern wachsen zu lassen, misslang, schreibt die Zeit. Erst im zweiten Anlauf und nach der Kultivierung von Teilen des Fruchtkörpers von drei unreifen Samenkörnern im Reagenzglas, glückte es. Es gelang insgesamt 36 Pflanzen zum Keimen zubringen. Zwei Jahre später seien erstmals Blüten zum Vorschein gekommen und schließlich produzierte das Leimkraut sogar selbst Samen.

Weitere Artikel

Anerkennung für ihre Forschung bekamen die Wissenschaftler lange nicht, viele englischsprachige Fachjournale lehnten ab, weil sie ihnen nicht glaubten. Erst als sich der Wissenschaftler David Gilichinski um die internationale Veröffentlichung kümmerte, wurde die Fachwelt darauf aufmerksam. Doch auch dann konnten die Wissenschaftlicher Ruhm und den Rummel nicht genießen. Gilichinski starb wenige Tage nach der Veröffentlichung im US-Fachmagazin PNAS.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.