Zukunftslabor 2020 : Die grüne Geldmaschine

Zukunftslabor 2020 : Die grüne Geldmaschine

, aktualisiert 13. November 2011, 14:28 Uhr
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Windkraftewerke von General Electric in Deutschland.

von Astrid DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Inspiriert von Firmengründer Edison forscht der Industrieriese General Electric nahezu jeden Bereich der Umwelttechnik aus: Windturbinen werden größer, Solarzellen kleiner - und Strom denkt mit.

NiskayunaDer kleine weiße Kasten, der in der Steckdose steckt, macht Stromfressern den Garaus. Springt das Kontroll-Lämpchen auf Rot, geht nichts mehr im Haushalt: Die Waschmaschine geht aus, der Kühlschrank produziert keine Eiswürfel, auch das Elektroauto in der Garage wird nicht mehr geladen.

Im Stromnetz der Stadt ist gerade "Rush-Hour" - also blockiert das Gerät alles, was jetzt nicht unbedingt Strom zapfen muss. Erst wenn die Spitzenzeit vorüber ist, springen die Geräte wieder an. Das macht das Netz stabiler - und die Stromrechnung günstiger.

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In Kannan Tinniums Labor ist die Vision vom intelligenten Stromnetz, im Fachjargon "Smart Grid" genannt, bereits Realität. Der indischstämmige Forscher führt durch einen 20 Quadratmeter großen Raum mit leuchtend-grünen Wänden. Auf blinkenden Monitoren wird der Stromkreislauf simuliert: von der Energieproduktion über den Lieferanten bis zum Verbrauch an der Waschmaschine.

Was für Amerikaner so aussieht, als würde ihnen die Macht über die Energiezufuhr in den eigenen vier Wänden genommen, ist für Tinnium und seinen Arbeitgeber General Electric (GE) die Stromversorgung der Zukunft. "Es wird Jahre dauern, bis Amerika akzeptiert, dass Strom nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung steht", betont Tinnium. Aus seiner von Stromausfällen geplagten Heimat Indien weiß er: "Es gibt keine Alternative, wenn man nicht schnell in neue und teure Leitungen investiert."

Sechs Milliarden Dollar für die Forscher

Was Tinnium in seinem grasgrünen Labor tagein, tagaus testet, entwickelt sich zu einem Milliardengeschäft. Und wie stets, wenn es um die ganz großen Geschäfte geht, will sich Tinniums Firma an die Spitze der Bewegung setzen: GE forscht am Stromnetz der Zukunft, aber auch an der nächsten Generation von Windturbinen, an Mini-Solarzellen sowie an Verfahren, die verunreinigtes Wasser sauber filtern.

"Ecomagination" heißt die Vision, die Konzernchef Jeff Immelt vor sechs Jahren ausgegeben hat. Sie soll aus Amerikas größtem Industriekonzern eine grüne Geldmaschine machen. Immelt beschäftigt deshalb 2000 Wissenschaftler allein in der Innovationszentrale in Niskayuna, einer amerikanischen Kleinstadt drei Autostunden nördlich von New York. Ingenieure und Materialforscher tüfteln hier, Keramiker und Elektroniker, Statistiker und viele andere Berufsgruppen.

Ihr Arbeitsplatz ist ein moderner Bau aus Glas und Stahl, der idyllisch im Grünen liegt. Der Schreibtisch des legendären Erfinders und GE-Firmengründers Thomas Edison steht mitten in der Eingangshalle - zur Inspiration: "Ich finde heraus, was die Welt braucht. Dann versuche ich, es zu erfinden", steht unter einem Edison-Porträt.

Der kommerzielle Gedanke, der in Edisons Worten mitschwingt, ist in Niskayuna omnipräsent. "Es geht hier nicht um Forschung der Forschung willen", sagt eine Mitarbeiterin: "Wir haben hier Wissenschaftler mit sehr ausgeprägtem Geschäftssinn."


600 Millionen Dollar allein für Sonnenenergie

An Kapital mangelt es den Forschern nicht, um aus kleinen Ideen große werden zu lassen. Im laufenden Jahr steckt GE so viel Geld in Innovationen wie nie zuvor in der langen und bewegten Geschichte des Riesenkonglomerats. Das Forscherbudget ist auf rund sechs Milliarden Dollar aufgestockt worden, das sind fünf bis sechs Prozent des Umsatzes der Industriesparte.

Die jüngste Errungenschaft des Konzerns in der Solarindustrie zeigt beispielhaft, wie großzügig die Ressourcen sind. GE-Manager zeigten sich von der Technologie einer Start-up-Firma namens Prime Star Solar im US-Bundesstaat Colorado beeindruckt und erwarben zunächst eine Minderheitsbeteiligung. Vor sechs Monaten übernahm GE das Unternehmen komplett und brachte die Forschungsarbeit nach Niskayuna. Gerade baut GE eine Fabrik für Photovoltaik-Module in Colorado.

Solarzellen aus dem Keller

"Sie wird die größte in ganz Amerika werden", sagt Mark Little, der die Forschungsarbeiten des Konzerns weltweit koordiniert. Im nächsten Jahr sollen die ersten Module vom Band laufen - genügend, um 80.000 Haushalte mit Energie zu versorgen. Insgesamt hat GE bisher 600 Millionen Dollar allein in das Geschäft mit Sonnenenergie gesteckt.

Die Solarzellen der Zukunft werden in Niskayuna nicht auf dem Dach, sondern im Keller entwickelt. Dort sind die dicken Stahltüren mit Zahlencodes gesichert, dahinter surren Maschinen laut und monoton. Sie beschichten Mini-Platten, so klein wie ein Fingernagel, mit Halbleitern. Dann geht es zum Härtetest in eine wuchtige schwarze Maschine, die künstliches Sonnenlicht generiert und auf die Plättchen feuert.

Direkt neben der Maschine laufen auf einem Monitor Zahlenreihen in eine schier endlose Excel-Tabelle ein. "Wenn wir etwas gefunden haben", erzählt ein Forscher des Solarlabors, "steigt einer von uns in den nächsten Flieger nach Colorado für weitere Tests."

Der Vorstoß in die Solarindustrie soll die führende Stellung des US-Konzerns bei erneuerbaren Energien vergrößern. GE gehört heute bereits zu den größten Windturbinenbauern der Welt. In drei bis fünf Jahren, so die Berechnungen von GE, könnte Solarenergie bereits billiger sein als Strom, der aus fossiler und nuklearer Energie gewonnen wird. Das sei vor allem Innovationen zu verdanken.


Ein Softwarezentrum für Öko-Innovationen

Forschungschef Mark Little arbeitet inzwischen an Plänen, wie man die grüne Vision des Konzerns auf eine höhere Ebene heben kann. Das Schlüsselwort heißt "Software" - eigentlich ein Bereich, der dem Hersteller von Flugzeugturbinen, Diesellokomotiven und Haushaltsgeräten bislang fremd war.

"Wir werden jetzt nicht sofort Konkurrenten von Oracle und Microsoft", sagt Little. Doch Computerprogramme sollen in einigen Jahren eine deutlich größere Rolle bei GE spielen. Sei es, um Probleme bei Windparks besser vorherzusehen und darauf reagieren zu können, um Zugrouten effizienter zu planen oder um zu sehen, wo sich Flugzeuge gerade befinden und was für Reparaturen bereits an den GE-Turbinen vorgenommen wurden.

Erfinden, um weiter erfinden zu können

"Wir benötigen natürlich immer noch die Produktexpertise. Aber wir wollen künftig zusätzlich zu unseren Produkten und Dienstleistungen die richtigen Softwarelösungen anbieten, damit Kunden unsere Produkte noch effizienter nutzen können", sagt Little.

Wie es sich für GE gehört, werden auch für dieses Vorhaben umfassende Ressourcen bereitgestellt. Der Konzern baut gerade ein Softwarezentrum auf, das sich um die nächste Generation der Öko-Innovationen kümmern soll.

Firmengründer Edison hat den Zusammenhang zwischen Innovation und dem Streben nach mehr Umsatz einst so zusammengefasst: "Ich erfinde immer, um Geld zu erhalten - und um damit weiter erfinden zu können."

Quelle:  Handelsblatt Online
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