Umweltschutz: Städte der Zukunft mit null Emissionen

Umweltschutz: Städte der Zukunft mit null Emissionen

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Das Gebiet der geplanten Stadt: Vom Vogelparadies zur grünen Musterstadt für eine halbe Million Menschen

Die Ballungszentren verschleudern 80 Prozent der globalen Energie und der weltweiten Ressourcen. Jetzt planen Architekten Ökostädte, die ihren Strom aus regenerativen Quellen beziehen und keine Treibhausgase freisetzen.

Kaum hatten 5000 US-Soldaten den Scharnhauser Park in Ostfildern 1992 verlassen, rückten Bagger an und rissen die schlecht isolierten Baracken ab. An ihrer Stelle entstanden – 23 U-Bahn-Minuten von der Stuttgarter Innenstadt entfernt – Niedrigenergiehäuser, bestens gedämmt und an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Wenn nächstes Jahr die letzten der dann 10.000 Neubewohner ihre Häuser beziehen, werden sie weniger als halb so viel Energie für Heizung und Warmwasser verbrauchen als einst die Amerikaner.

„Statt 16 reichen uns jetzt sechs Megawatt“, bilanziert Wolfgang Lotz, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Esslingen (SWE), die das Heizkraftwerk betreiben. Das deckt zudem ein Drittel des Strombedarfs der grünen Mustersiedlung. Ein mehr als halbierter Energiebedarf bei doppelt so vielen Einwohnern – so ökologisch und ökonomisch effektiv kann moderner Städtebau sein.

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Das Vorzeigeprojekt in Schwaben, ausgezeichnet mit dem Deutschen Städtebaupreis, ist jedoch nichts gegen das Vorhaben von Sir Norman Foster. Der Londoner Stararchitekt, dem der Berliner Reichstag seine Glaskuppel verdankt, baut in den heißen Wüstensand vor den Toren Abu Dhabis „die erste Null-Emissions-Stadt der Erde“. Wenn die sieben Quadratkilometer große Öko-Kapitale 2018 fertiggestellt ist, sollen darin tagsüber 90.000 Menschen leben und arbeiten – 50.000 Einwohner sowie 40.000 Pendler. Masdar, Arabisch für Quelle, wird eine Stadt, wie es sie noch nicht gab: ohne Autos, ohne Treibhausgase, ohne Müllhalden. Sie produziert ihren eigenen Strom, ihr eigenes Wasser und kommt ohne fossile Brennstoffe aus. Fahrerlose Elektrotaxis bringen Bewohner und Gäste an jedes gewünschte Ziel.

Man muss nicht gleich einen „Epochenwechsel“ beschwören, wie Foster es tut. Aber klar ist: Den Städten und dem Stadtbau fällt eine Schlüsselrolle zu, wenn es um den schonenden Umgang mit Ressourcen, Energie und Klima geht. Im Jahr 2025 werden einer Studie der Vereinten Nationen (UN) zufolge fast 60 Prozent der Menschen in Ballungszentren leben – knapp fünf Milliarden gegenüber 3,3 Milliarden heute und viele in Megacitys mit mehr als fünf Millionen Einwohnern.

Schon heute verbrauchen die Städte, die gerade einmal knapp drei Prozent der Erdoberfläche bedecken, gut 80 Prozent aller genutzten Ressourcen. Büro- und Wohnhausschluchten bieten somit das größte Einsparpotenzial beim Klima- und Umweltschutz. Das wissen auch die Politiker und Experten, die sich diesen Montag im polnischen Posen zur 14. UN-Klimakonferenz treffen.

„Ob wir mit dem Klimaschutz erfolgreich sein werden, entscheidet sich in den Städten. Denn sie sind unmittelbar für 80 Prozent der Treibhausgase verantwortlich“, sagt Siemens-Chef Peter Löscher. Anders als in Deutschland, wo sich aktuelle Ökoprojekte im Wesentlichen auf den Bau von Solarsiedlungen wie in Ostfildern beschränken, warten zwei der größten Weltmetropolen bereits mit Masterplänen auf.

Großes Einsparpotenzial in Städten vorhanden

Entwurf von der Ökostadt Dongtan in China Quelle: ARUP

Entwurf von der Ökostadt Dongtan in China

Bild: ARUP

New York: Bürgermeister Michael Bloomberg will den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 gegenüber 2005 um 30 Prozent senken. Zu den Maßnahmen gehört, dass spätestens 2012 alle 13.000 Taxen der Stadt mit einem Hybridantrieb aus Elektro- und Benzinmotor unterwegs sind. Ferner im Programm: die Modernisierung veralteter Öl- und Gaskraftwerke sowie der Ausbau der Windkraft.

Wer seine Gebäude in der Ostküsten-Metropole mit Solarmodulen bestückt, zahlt geringere Grundsteuern. Wichtiger noch für den Trend zu grünen Immobilien ist das neue Kostenbewusstsein von Mietern und Investoren, ausgelöst durch die hohen Energiepreise. So sind Teile der Fassade am neuen Wohnhochhaus „Solaire“ im Südwesten Manhattans mit Solarzellen verkleidet; auf dem Dach des Rockefeller-Plaza wurde im November vergangenen Jahres eine 70-Kilowatt-Fotovoltaik-Anlage eingeweiht. Insgesamt sollen Wind, Sonne, Biomasse und Erdwärme 2030 eine Kapazität von 600 Megawatt bereitstellen – das entspricht in etwa der Leistung eines mittelgroßen Steinkohlekraftwerks.

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