UN-Naturschutz-Konferenz: Gemischte Gefühle

UN-Naturschutz-Konferenz: Gemischte Gefühle

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Greenpeace-Kinder demonstrieren für den Erhalt der Arten bei Pflanzen und Tieren

Nach zwei schwierigen Verhandlungswochen endete die UN-Naturschutzkonferenz mit einem "Bonner Mandat" für genetische Ressourcen und weiteren wegweisenden Vereinbarungen. Gastgeber Sigmar Gabriel zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden, Umweltorganisationen dagegen waren skeptisch. Ihre Kritik: Die Schritte gehen in die richtige Richtung - aber eher im Schneckentempo als im Sprint.

Die Teilnehmer der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn beendeten ihre Verhandlungen nach zwei Wochen mit gemischten Gefühlen. Während Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) als Gastgeber sowie andere Organisatoren von einem "sehr guten Ergebnis" sprachen, zeigten sich die Umweltverbände skeptisch. Vor allem in drei Punkten machte die Konferenz klare Fortschritte:

Erstens beim Schutz von Regenwäldern: Auf der Konferenz machten gleich mehrere Länder neue Angebote zu Flächen, insgesamt sollen weltweit künftig über 65 Millionen Hektar zusätzlich geschützt werden - das ist immerhin mehr als eineinhalbfache Fläche Deutschlands. Außerdem konnte das Ziel bekräftigt werden, bis 2010 die Schutzgebiete weltweit deutlich auszuweiten. Mehr als 30 Entwicklungs- und Schwellenländer - darunter Mexiko, Indonesien, Kongo, Guatemala - hatten auf die deutsche Initiative reagiert und Flächen angeboten, für die dann Industrieländer in einer Partnerschaft Geld geben sollen. Wenn die EU-Kommission hierzu nicht bis Sommer eine Gesetzesvorlage präsentiere, will die Bundesregierung voranpreschen, kündigte Gabriel an.

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Zweitens hat die Völkergemeinschaft der "Biopiraterie" den Kampf angesagt. Zur strittigen Nutzung natürlicher Ressourcen gibt es nun ein „Bonner Mandat“ mit einem konkreten Verhandlungsauftrag, der in den nächsten zwei Jahren in einen Vertragswerk münden soll. Es sei nur fair, dass ärmere Länder, deren Ressourcen von Industrieländern genutzt würden, dafür auch einen finanziellen Ausgleich erhielten, begründete Gabriel seinen Vorstoß. Auch beim Thema Biosprit haben sich die Staaten darauf verständigt, dass in regionalen Arbeitstreffen ökologische Leitlinien für den Anbau von Energiepflanzen erarbeitet werden sollen. Für den Minister ein „Riesenerfolg“, da sich zuvor einige Länder - vor allem Brasilien - gegen einen solchen Beschluss gesträubt hätten.

Dritter Erfolg ist, dass die Konferenz überhaupt erfolgreich beendet werden konnte. Gabriel hatte vor einem Scheitern der Verhandlungen gewarnt. Die UN-Konvention über Biologische Vielfalt von 1992 habe vor der Bonner Konferenz an einem „Scheideweg“ gestanden, so Gabriel. Nachdem es jahrelang kaum Bewegung gegeben habe, sei sie nun nach „echten Fortschritten“ wieder „quicklebendig“ und jetzt auch auf die Tagesordnung der internationalen Politik gerückt. Auch der Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner, sprach von „Fortschritten auf allen wichtigen Gebieten“. Gemessen an dem, was vorher zum Erhalt der biologischen Vielfalt beschlossen worden sei, sei Bonn „wirklich ein wichtiger Schritt voran“.

Umweltverbände dagegen bewerteten das Resultat weitaus kritischer. Greenpeace bemängelte, dass das Hauptproblem, die dramatische Unterfinanzierung des weltweiten Schutzes der Artenvielfalt, nicht beseitigt worden sei. Mit Ausnahme von Deutschland engagiere sich keiner der G8-Staaten für die Finanzierung von Urwaldschutz. „Der UN-Biodiversitätsgipfel kriecht wie eine Schnecke, während der Verlust an Arten und Lebensräumen rasend schnell voranschreitet. Wenn dies so weiter geht, kann das UN-Ziel, bis 2010 eine Trendwende zu schaffen, nie und nimmer erreicht werden“, sagt Martin Kaiser, Leiter der Greenpeace-Delegation.

Durchweg positiv bewerteten Teilnehmer die Atmosphäre der Konferenz. 214 Aussteller aus In- und Ausland hatten in den vergangenen zwei Wochen ihr Naturschutz-Engagement in Bonn vor insgesamt 50.000 Besuchern präsentiert. „Es war eine runde Sache", sagte Franz-Georg Elpers von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Vier Tage lang hatte die größte Umweltstiftung der Welt unterstützt von mehreren Bundesministerien parallel zur Konferenz rund um den Robert-Schumann-Platz in Bonn ein großes Vortrags- und Ausstellungsprogramm zum Thema Schutz der biologischen Vielfalt organisiert.

Übrigens: In Bonn war nicht nur die Rede von Naturschutz - er wurde auch praktiziert. Rund um die Zelt- und Bühnenfläche floss den Organisatoren zufolge ausschließlich Naturstrom durch die Stromkabel. Überall brannten energiesparende Lampen, Imbissstände boten Bio-Bratwürste und Obstsäfte aus ökologischem Anbau an. Und natürlich präsentierten sich die deutschen Gastgeber mal wieder als Weltmeister der Mülltrennung. Papier, Pappe und Restmüll wurden separat entsorgt, die Aussteller trennten fleißig Biomüll, Holzpaletten und - natürlich - die Verpackungen mit dem Grünen Punkt.

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