Unterhaltungselektronikmesse: Die IFA wird zum Taktgeber

Unterhaltungselektronikmesse: Die IFA wird zum Taktgeber

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IFA

von Michael Kroker

Die Unterhaltungselektronikmesse IFA wächst weiter - der Trend weg von Business-High-Tech hin zu Technik-Schmankerln wie 3D-TV für den Endkunden setzt sich ungebremst fort.

Grau, beinahe unscheinbar steht er da, der Funkturm der Messe Berlin im Frühnebel gegen acht Uhr. Und es ist ruhig, ja geradezu still – eine Szenerie, die beinahe unwirklich anmutet. Nur wenige Menschen verirren sich so früh am Morgen auf dem Messegelände. Denn die Unterhaltungselektronikmesse IFA , früher auch in ihrem heute so schön altmodisch klingenden Namen Funkausstellung bekannt, öffnet offiziell erst am morgigen Freitag ihre Pforten.

In den Hallen herrscht das Voreröffnungstypische Chaos, die Gänge sind mit Plastikfolien und Teppichresten übersäht. In den Hallen herrscht hektische Betriebsamkeit, um die vielfach noch eher Rohbauten gleichenden Stände bis zum Andrang der Publikumsmassen am Freitag quasi über Nacht in die Glitzerpaläste der schönen neuen Fernseh-, Unterhaltungs- und Medien-Welt zu verwandeln.

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Die IFA wächst

Dabei haben die IFA-Verantwortlichen allen Grund zur Gelassenheit: Pünktlich zu ihrer fünfzigsten Ausgabe kann die Messe mit mehreren Superlativen aufwarten. Jeweils zweistelliges Wachstum kann die IFA bei Fläche (+11%) und Ausstellern (+22%) verbuchen. Mittlerweile präsentieren 1423 Unternehmen ihre neuesten Produkte auf der weltgrößten Messe für Unterhaltungselektronik und Elektrohausgeräte. „Die IFA ist nicht nur stabil, sie wächst“, sagte Messe-Berlin-Chef Christian Göke gestern auf der IFA-Eröffnungspressekonferenz. „Um alle Aussteller unterbringen zu können, mussten wir temporäre Hallen bauen und haben innerhalb der Hallen sämtliche Reserven genutzt.“

Wohl dem, der solche Probleme hat. Selbst im Krisenjahr 2009 stieg der Zuspruch der IFA noch um acht Prozent auf rund 228.600 Besucher. Im Vergleich dazu wirkt die andere deutsche Hightech-Leitveranstaltung, die IT-Messe CeBIT in Hannover, geradezu wie ein Schatten ihrer selbst. Zwar ist die Ausstellerzahl der Ausgabe im diesjährigen Frühjahr mit rund 4160 Firmen absolut gesehen immer noch zweieinhalb mal so hoch wie die IFA. Doch auch 2010 markierte mit einem Minus bei den Anmeldungen um 150 Aussteller eine weitere Schrumpfung – das Allzeithoch aus dem Jahre 2001 mit mehr als 9000 Ausstellern und 870.000 Besuchern wirkt wie aus einer anderen Zeit. Heute sind viele Hallen auf dem Messegelände in Hannover nur noch dünn belegt; Pflanzen und andere Störer können die Leere nur schlecht als recht kassieren. Die CeBIT – eine Messe in der Krise, wie auch eine maue Eröffnungsveranstaltung in diesem Jahr unterstrichen hat.

Zwar ist die CeBIT immer noch die weltgrößte IT-Messe. Aber die Business-to-Business (B2)-Veranstaltung hat bis heute keine Antwort gefunden, der vor knapp fünf Jahren vom IT-Beratungshaus Gartner prognostiziert wurde: Die „Konsumerierung der IT” sei der wichtigste Branchentrend innerhalb der nächsten zehn Jahre, so Gartner im Oktober 2005. Das bedeutet: Während früher wichtige Neuerungen vor allem in der Unternehmens-IT starteten und von dort in Endkundensegmente wie die Unterhaltungselektronik übergriffen, etwa die PC- oder Netzwerktechnik, ist es inzwischen genau anders herum: Die wirklichen Innovationen gibt es meist erst in der Unterhaltungselektronik; danach sickern sie auch auf die B2B-Seite durch.

Man denke nur an das iPhone von Apple, das seinen Siegeszug beim Technologie-affinen Endanwender begann und inzwischen auch aus den Unternehmen nicht mehr wegzudenken ist. Kaum verwunderlich also, dass die CeBIT seit Jahren einen Schlingerkurs fährt, wie sie auf jenen Konsumenten-Einfluss reagieren soll, ohne das eigene Profil zu verwässern.

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