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Urheberrecht: Google löscht Millionen Links

von Axel Postinett Quelle: Handelsblatt Online

Google entfernt pro Monat über eine Million illegale Angebote aus seinem Suchindex. Das belegt eine neue Statistik, die das Unternehmen ab sofort regelmäßig veröffentlicht. Die meisten Anträge stellt ein Konkurrent.

Der neue Dienst zeigt etwa, dass im vergangenen Monat über 1,2 Millionen Links allein aufgrund von Urheberrechtsverletzungen aus der Google-Datenbank entfernt wurden. Quelle: Screenshot - Google
Der neue Dienst zeigt etwa, dass im vergangenen Monat über 1,2 Millionen Links allein aufgrund von Urheberrechtsverletzungen aus der Google-Datenbank entfernt wurden. Quelle: Screenshot - Google

Bei Google gesucht und das Gewünschte nicht gefunden? Das kann gute Gründe haben. Pro Woche gehen in der Unternehmenszentrale in Mountain View mittlerweile rund 250000 Anträge auf Sperrung von Web-Verlinkungen mit illegal gehosteten urheberrechtlich geschützten Inhalten ein. Das ist mehr als im gesamten Jahr 2009 eingegangen sind, teilt Google heute in einem Blogeintrag mit. Der Suchmaschinenkonzern hat seinen Service Transparency um eine Rubrik mit den entsprechenden Angaben erweitert, zunächst nur für den US-Markt. Bislang gab es nur Zahlen zu staatlichen oder gerichtlichen Aufforderungen zur Herausgabe von Nutzerdaten oder Sperrung von Inhalten sowie Statistiken zum Nutzungsverhalten von Google-Angeboten.

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Was ändert sich?

Trotz massiver Proteste hat Google am Donnerstag seine umstrittene neue Datenschutzerklärung weltweit in Kraft gesetzt. Der Internet-Riese vereinheitlicht damit die Richtlinien für mehr als 60 einzelne Dienste und wertet gleichzeitig die Nutzerdaten aller Produkte gesammelt aus. Mit der Einführung der neuen Regeln setzte sich das Unternehmen über Bedenken von Datenschützern und Politikern in Europa und den USA hinweg, die Zweifel an der Rechtmäßigkeit geäußert hatten.

Google hatte erklärt, mit der Zusammenführung der Daten die „Nutzung unserer Produkte noch unkomplizierter und intuitiver“ machen zu wollen, zum Beispiel über eine verbesserte personalisierte Suche. Zudem könne man so passendere Werbung anzeigen - das Kerngeschäft des Unternehmens. Der bekannteste Google-Dienst ist die Suchmaschine, doch das Unternehmen bietet Dutzende anderer Produkte an, etwa GMail/Google Mail, die Büro-Software Docs, den Kartendienst Google Maps, das Videoportal Youtube, das Soziale Netzwerk Google+ und das Smartphone-Betriebssystem Android.

Seit dem 1. März werden alle Informationen, die Nutzer bei verschiedenen Diensten des Konzerns hinterlassen, gesammelt ausgewertet. Dies werde den Nutzern Vorteile in Form von relevanteren Suchergebnissen und Werbeanzeigen bringen, erklärte der Internet-Konzern.

Dazu wurden die Datenschutzbestimmungen vereinfacht und zusammengeführt - statt rund 60 einzelner Dokumenten für verschiedene Dienste gibt es nun nur noch eins. Allerdings ist die neue Datenschutzerklärung ausgedruckt immer noch stattliche acht DIN-A4-Seiten lang. Die Daten würden nach wie vor nicht nach außen verkauft, betont Google. Datenschützer kritisieren allerdings, dass die Daten nun über alle Google-Dienste hinweg ausgewertet werden würden.

Bild: dapd

Die jetzt veröffentlichten Angaben beziehen sich auf den Zeitraum ab Juli 2011. Eine permanente tägliche Aktualisierung ist laut Google vorgesehen. Im April 2012 seien alleine 1,25 Millionen Anfragen von rund 1200 Antragstellern eingegangen, die 24000 Webseiten (Domains) betroffen haben, so Fred von Lohmann, Urheberrechts-Anwalt bei Google.
Angegeben ist, wer die Anfrage gestellt hat und in wessen Auftrag, sowie welche Webseiten betroffen waren. Aktivster Antragsteller im April 2012 war Microsoft mit alleine 543 000 Sperrungsanfragen. Daneben zahlreiche Musik- und Filmunternehmen. Erwartungsgemäß am stärksten betroffen waren Filesharingdienste, an der Spitze filestube.com, wo über 43 000 Verlinkungen auf Dateien in diesem Dienst aus den Suchdatenbanken gelöscht wurden.

Die Zahlen besitzen Sprengkraft. Der Wert hört sich zunächst einmal hoch an, es ist allerdings insgesamt gesehen weniger als 0,1 Prozent aller Verlinkungen in diesen Dienst, die im Suchindex gespeichert sind. Die Frage ist jetzt schlicht: Sind die Diskussionen und Hochrechnungen über illegale Inhalte auf diesen Börsen nun maßlos übertrieben, oder sind diese Daten halt nur die sichtbare Spitze des Eisberges?

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