Valley Talk: Bitteres Erwachen eines Idealisten

Valley Talk: Bitteres Erwachen eines Idealisten

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Elektronisches Buch ("Rocket eBook")

Die Probleme des E-Mobil Tesla und seines Erfinders Eberhard.

Seiner Zeit war Martin Eberhard schon immer weit voraus. Mitte der Neunzigerjahre entwickelte er eines der ersten Bücher mit elektronischem Papier. Nach dem Verkauf seines Rocket e-Books verschrieb sich der Ingenieur mit deutschen Vorfahren einer besonders ambitionierten Idee: Im Silicon Valley, fernab von der Autometropole Detroit, wollte er einen elektrischen Sportwagen entwickeln, der seine Kraft aus Hunderten Notebooks-Akkus bezog.

Als ich Eberhard im Sommer 2006 porträtierte, hätte er allen Grund zum Triumphieren gehabt. Die Finanzierung war durch, die Sportwagenschmiede Lotus war als Allianzpartner gewonnen, der Prototyp des Tesla fertig. Trotzdem gab sich Eberhard vorsichtig. „Zweifel hat man immer. Auch Sorge, dass noch etwas schiefgeht. Wir sind schließlich nur ein kleines Unternehmen“, vertraute er mir an. Eine düstere Vorahnung?

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Tatsächlich ist seitdem eine ganze Menge schiefgegangen. Die Auslieferung des Wagens wird sich um mindestens ein Jahr verzögern. Eberhard ist nicht mehr an Bord. Die Investoren haben ihn rausgedrängt. Nicht der Stromspeicher wurde ihm zum Verhängnis, sondern die Mechanik. Eine Beschleunigung von null auf 100 Kilometer in weniger als vier Sekunden hatte Eberhard seinen Kunden versprochen. Doch der Zulieferer schaffte es nicht, das dafür nötige Getriebe zu bauen. Auch ein anderes Unternehmen patzte.

Der neue Tesla-Chef Ze’ev Drori verspricht nun für Sommer 2008 die ersten Auslieferungen. Die Autos werden zunächst ohne Übersetzung gebaut und 5,7 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 brauchen. Erst später sollen die Fahrzeuge ein Zweigang-Getriebe bekommen. Der neue Firmenchef ist derzeit eifrig dabei, viele der von Eberhard angeworbenen Mitarbeiter durch neue zu ersetzen. Der Gründer empfindet das als „Blutbad“. Für Eberhard hat Tesla dadurch seine Seele verloren. Doch Drori hat die Rückendeckung von Hauptinvestor Elon Musk, der kürzlich noch einmal 40 Millionen Dollar in das Unternehmen pumpte. Sonst hätte Tesla den Betrieb einstellen müssen.

Bitter ist für Eberhard auch, dass Musk von der Strategie abgehen will, ausschließlich Elektrowagen zu produzieren. Darauf hatte Eberhard beharrt, um den Schadstoffausstoß so niedrig wie möglich zu halten. Jetzt wird darüber diskutiert, auch Hybrid-Autos zu entwickeln. Das Vorhaben, eine Mittelklasse-Limousine mit Elektromotor zu entwicklen, wurde dafür auf Eis gelegt.

Tesla ist ein Lehrstück – nicht nur für Innovation, sondern auch dafür, wie schnell Unternehmer von Investoren aus der Firma gedrängt werden können. Eberhard hat Fehler gemacht. Aber in den USA verzeiht man Ausrutscher schnell. Man darf gespannt sein, was Eberhard als Nächstes angeht.

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