Valley Talk: Das Ende der Flatrate

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Handytelefonie

Kolumne von Matthias Hohensee

Für den Boom des mobilen Internets müssen die Datentarife attraktiver werden. Vor allem bei Reisen ins Ausland.

Wenn Håkan Eriksson, Technologiechef des schwedischen Telekommunikationsausrüsters Ericsson, aus seiner kalifornischen Wahlheimat Silicon Valley nach Europa fliegt, schaltet er nach der Ankunft stets die Datenfunktion seines US-Handys aus und wechselt für das Abrufen und Versenden von E-Mails auf eine lokale Datenkarte. Das tun viele Geschäftsreisende.

Denn die Roaming-Gebühren sind schlichtweg zu hoch: AT&T etwa, der größte US-Mobilfunkkonzern, verlangt für seinen internationalen Datentarif 60 Dollar für 50 Megabyte. Das reicht allenfalls für ein paar Tage E-Mail-Abruf. Bei jedem Kilobyte darüber wird kräftig abkassiert. Und nach dem Erhalt der Roaming-Rechnung stellt man mitunter fest, dass die Zähler bei den Mobiltelefongesellschaften mehr gemessen haben als das eigene Handy.

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Es erinnert an die Anfangstage des Internets: So schnell es ging, versuchte man die Verbindung wieder zu trennen, um Telefongebühren zu sparen. Während Handys zu Kleinstcomputern mutieren und damit das Netz jeden Winkel des Alltags durchdringt, verharrt die Mobilfunkbranche bei den Roaming-Gebühren in der Steinzeit.

Glaubt man Eriksson, wird sich das bald ändern. Ihm schwebt eine Art Auktionsplattform vor, auf der Reisende aus lokalen Tarifen verschiedener Anbieter wählen können, ohne ihre Geräte austauschen zu müssen. Steigen sie etwa in einem fremden Land aus dem Flieger, geben sie auf der Plattform die gewünschten Leistungen ein und bekommen dann den dafür billigsten Tarif angezeigt. Den können sie dann auch gleich aus dem Telefon heraus buchen.

Auf den möglichen Startzeitpunkt einer solchen Tarif-Plattform will sich Eriksson nicht festlegen. Klar ist aber, dass der Mobilfunkmarkt mitten in einem großen Umbruch steckt. Und Erikssons Arbeitgeber ist dabei, dafür die technischen Grundlagen zu schaffen. Der schwedische Konzern hat sich zu einem der führenden Ausrüster für die nächste Generation von Mobilfunknetzen entwickelt, dem sogenannten LTE. Das Kürzel steht für Long Term Evolution, den Nachfolger von UMTS. LTE werde, so die Hoffnung der Branche, die überlasteten Mobilfunknetze wieder flottmachen.

Aber nicht nur das: Durch das superschnelle Netz werden auch neue Dienste denkbar. Experten erwarten beispielsweise einen Boom von unterwegs abgerufenen Videoclips und Filmen. Auch Autohersteller arbeiten an Ideen, das Internet mit dem Armaturenbrett zu verknüpfen.

Die Stärke des Silicon Valley

Sicher ist zudem, dass die Netzbetreiber mit der neuen Technik auch flexiblere Datentarife einführen werden, um den neuen Gewohnheiten der Nutzer gerecht zu werden. Kunden sollen künftig beispielsweise kurzfristig höhere Datengeschwindigkeiten für das mobile Internet hinzubuchen können, wenn sie eine große Datei senden oder einen Film anschauen wollen. Die Mobilfunkanbieter versprechen sich davon vor allem neue Umsatzquellen: Denn im mobilen Internet der Zukunft werden sich verbrauchsabhängige Tarife durchsetzen. Die Flatrate, wie wir sie heute kennen, ist dann ein Modell der Vergangenheit.

Die Zukunft dieses mobilen Netzes wird vor allem im Silicon Valley geschrieben. Mobilfunkmanager Eriksson verlegte daher seinen Arbeitsplatz ins High-Tech-Dorado. „Das Silicon Valley ist das Epizentrum des mobilen Internets“, sagt er. Nicht nur wegen Apples iPhone und Googles Android-Betriebssystem, die hier entwickelt wurden, sondern auch, weil in den USA der Ausbau der LTE-Netze am schnellsten vorangetrieben wird. Die Kombination aus Smartphones, Apps und schnellen Netzen, so viel ist klar, wird ein milliardenschweres Geschäft sein.

Und damit zeigt sich wieder einmal die größte Stärke des Silicon Valley: früh neue technische Trends erkennen, ein Geschäft daraus machen und darauf basierende Produkte in alle Welt exportieren. In Deutschland fangen Vodafone und T-Mobile gerade erst mit dem Aufbau von LTE-Netzen an.

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