Valley Talk: Der Vermögensretter

Valley Talk: Der Vermögensretter

Investoren aus aller Welt pilgern ins Silicon Valley zu Paul Graham. Sie wollen sich an Startups beteiligen, die der Unternehmer betreut.

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Demi Moore mit Ehemann Ashton Kutcher

Für Paul Graham könnte es kaum besser laufen. Der 42-jährige Unternehmer ist gerade einer der gefragtesten Männer des Silicon Valleys. Aus der ganzen Welt reisen Investoren an, um ihm ihr Geld anzuvertrauen. Darunter auch Prominente wie Hollywood-Schauspielerpaar Ashton Kutcher und Demi Moore. Sie alle suchen nach Mitteln und Wegen, ihr Vermögen vor der drohenden Inflation zu retten.

Graham hat Rares zu bieten: Der Chef des Startup-Brutkastens Y Combinator ermöglicht Investitionen in junge Unternehmen, die bereits erste Gehversuche hinter sich haben. An sich ist das nichts Besonderes. Doch die Startups sind von dem Ex-Unternehmer Graham und seinen fünf Partnern auf Herz und Nieren geprüft und haben sich bei der Bewerbung um Unterstützung von Y Combinator gegen Hunderte andere durchgesetzt. Oft verfügen die Jungunternehmen bereits über ein Produkt und Kunden, wie etwa der Online-Bezahldienstleister Wepay. Mitunter haben sie sogar bereits Kontakte zu potenziellen Firmenkäufern geknüpft.

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Zwar ist das Risiko, seinen Einsatz zu verlieren, in frühen Finanzierungsrunden am höchsten. Doch im Erfolgsfall ist die Ausschüttung umso höher. Vor wenigen Wochen erst hat Graham seinen bislang größten Coup gelandet: Das in seinem Brutkasten geschlüpfte Startup Heroku wurde für 212 Millionen Dollar von dem Online-Softwareanbieter Salesforce übernommen. Im Silicon Valley wird gemunkelt, dass Graham und seine Investoren damit ihren Einsatz von 25 000 Dollar mindestens verdreihundertfacht haben.

Produkt statt Businessplan

Graham weiß, wie sich so ein Erfolg anfühlt. Seiner erste Million machte er mit dem Startup Viaweb, das er 1998 für 45 Millionen Dollar an Yahoo verkaufte. Doch auf die richtige Goldader stieß er erst mit seinem Startup-Inkubator. Graham entdeckt Talente, die im Schnitt drei Monate Zeit und 20 000 Dollar erhalten, um in den Büros von Y Combinator in Mountain View im Silicon Valley ihre Geschäftsidee umzusetzen. Dafür erhält Y Combinator zwei bis zehn Prozent der Unternehmensanteile. Das Startkapital ist allerdings nur zweitrangig. In Wirklichkeit ebnet Graham den Zugang zu Folgeinvestoren.

Statt ihre Zeit auf der Suche nach Geld zu verplempern, konzentrieren sich die Jungunternehmer auf ihre Geschäftsidee. Auch einen Businessplan verlangt Graham ausdrücklich nicht. Er will lieber das Produkt sehen. Denn wer es nach drei Monaten und einer weiteren Gnadenfrist nicht auf die Reihe bekommt, muss sich nach etwas anderem umsehen.

Grahams Erfolg basiert auf vier Erkenntnissen: Vor vielen anderen erkannte er, dass etablierte High-Tech-Größen wie Google oder Microsoft in der Konsolidierungsphase des Internets stärker Startups und Talente von außen einkaufen müssen, weil ihre Firmenkultur trotz aller gegenteiligen Beteuerungen Innovation behindert.

Zweitens konzentrieren sich die meisten von Y Combinator geförderten Startups auf Ideen, die Produkte von etablierten Unternehmen aufwerten können.

Drittens nimmt Graham nur geringe Anteile, was seine Schützlinge umso stärker motiviert. Und schließlich erkannte er, dass der größte Markt für seine Firma im Silicon Valley liegt. Deshalb hat er seinen Brutkasten auch vor einigen Jahren von Boston ins Silicon Valley verlegt.

Investoren sind besorgt

Inzwischen hat Y Combinator zahlreiche Nachahmer: In den USA gibt es eine regelrechte Welle von Startup-Brutkästen. Etablierte Wagnisfinanzierer sind sogar schon alarmiert. Sie fürchten, dass eine große Zahl halb ausgebrütete Unternehmen den Markt fluten werden, zu wenig Business Angels bereitstehen, ihnen zu helfen, und dass das wiederum den Appetit ihrer Investoren verhagelt.

So weit ist es allerdings noch nicht. In einer Umfrage hat der Verband der US-Wagnisfinanzierer ermittelt, dass die meisten von ihnen in diesem Jahr noch stärker mit Business Angels zusammenarbeiten wollen und mehr investieren. Hitze für die Brutkästen ist also noch genug vorhanden.

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