Valley Talk: Die Hassliebe zwischen China und dem Silicon Valley

kolumneValley Talk: Die Hassliebe zwischen China und dem Silicon Valley

Kolumne von Matthias Hohensee

Viele US-Firmen haben in China ähnliche Probleme wie Google. Trotzdem unterstützen nur einige die Drohungen gegen China. Die meisten haben eine eigene Methode entwickelt, um mit Ideenklau und anderen Ärgernissen fertig zu werden.

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Google: Die Drohung des Suchmaschinengiganten, sich aus China zurückzuziehen, spaltet das Silicon Valley

Googles Drohung, sich aus China zurückzuziehen, spaltet das Silicon Valley. Auf der einen Seite steht die unterstützende Internet-Gemeinde um Twitter und Facebook. Doch ihre Dienste sind in China ohnehin blockiert, weil sie den unzensierten Informationsfluss ermöglichen. Von den Großen der Branche wie Intel, Hewlett-Packard, Cisco oder Apple kann Google dagegen wenig Unterstützung erwarten. Denn der Suchmaschinenkonzern hat ein ungeschriebenes Gesetz der High-Tech-Branche gebrochen: Die Probleme mit China spricht man nicht offen an.

Man löst sie hinter verschlossenen Türen: Cisco etwa einigte sich außergerichtlich mit dem chinesischen Wettbewerber Huawei, in dessen Produkten sich Softwarecode der Amerikaner fand. Schnell wurde Cisco klar, dass es ohne Einigung keine Aufträge mehr von chinesischen Staatsfirmen geben würde.

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Datenklau in China wird nur dann publik, wenn die US-Staatsanwaltschaft involviert ist, wie beim Internet-Infrastrukturdienstleister Netlogic Microsystem, wo Baupläne für Computerprozessoren gestohlen wurden. Oder aber der Diebstahl ist so gigantisch, dass er sich nicht ignorieren lässt. So behauptet das US-Unternehmen Cybersitter, dass der Internet-Filter der chinesischen Regierung von ihr geklaut sei.

Die Beziehung des Silicon Valley zu China ähnelt einer gepflegten Hassliebe: Zwar gibt es regelmäßig Konflikte. Doch das Geschäftsmodell von Unternehmen wie Apple und Dell basiert zugleich auf den zuverlässigen und billigen Arbeitskräften von Auftragsfertigern, die ganze Fabrikstädte in China unterhalten.

Am Reich der Mitte kommt niemand vorbei

Im High-Tech-Tal hofft man daher, dass der Google-Donnerschlag bald verhallt. Denn am Reich der Mitte kommt niemand vorbei.

Weil sich der chinesische Markt für Informationstechnologie in diesem Jahrzehnt zum größten der Welt aufschwingen wird, bauen Hewlett-Packard, Cisco und Intel ihre Aktivitäten dort massiv aus, inklusive des von der chinesischen Regierung verlangten Aufbaus von Forschungseinrichtungen. Selbst die Google-Finanziers Kleiner Perkins und Sequoia engagieren sich vermehrt in China. Und der Silicon-Valley-Investor Tim Draper steckt sein Geld nach eigenem Bekunden nur noch in chinesische Medikamente-Entwickler, weil man gegen das Pharmakartell in den USA keine Chancen habe, wie er sagt. Auf einer Konferenz lobte er das dortige Startup-Klima.

Ein Investor findet das jedoch eher amüsant: „Ich frage mich, ob die jemals ihr Kapital wieder aus China herausbekommen“, sagt er gegen Zusicherung, seinen Namen nicht zu verwenden. Denn über China lästert man schließlich nicht.

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