Valley Talk: Die Misere der Tablet-Branche

kolumneValley Talk: Die Misere der Tablet-Branche

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Kolumne von Matthias Hohensee

Warum ausgerechnet Google mit seinem Kauf von Motorolas Handysparte zum Vorbild für Hewlett-Packard werden kann.

Der Verkäufer im Elektronikmarkt Bestbuy im kalifornischen Santa Cruz ist genervt. Erst lagen Hewlett-Packards TouchPad genannte Tablet-PCs wochenlang wie Blei in den Regalen. Nun tauchen täglich Kunden auf, die unbedingt noch ein TouchPad ergattern wollen; für 99 Dollar statt der ursprünglichen 399 Dollar. Denn HP verramscht seinen iPad-Konkurrenten zum Kampfpreis, nachdem HP-Chef Léo Apotheker vor drei Wochen den Kampf gegen Apple aufgegeben hat.

Die Tablets waren so schnell ausverkauft, dass HP für den US-Markt Geräte nachliefern will. In Deutschland waren vergangene Woche noch einmal 1300 Stück beim Spezialisten Notebooksbilliger.de im Angebot – und binnen Minuten vergriffen. Den Händlern bringt das gesteigerte Tablet-Interesse trotzdem nichts. HP hat mit der Aktion die Preise verdorben. Statt zu Geräten der Konkurrenz zu greifen, von Samsung, Blackberry, Toshiba, Motorola oder Acer, ziehen die Kunden enttäuscht wieder ab. Denn reguläre Technik kostet mindestens 250 Dollar.

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Das Rezept Apple Paroli zu bieten

Mit einer Ausnahme: Apple. Obwohl das günstigste iPad rund 500 Dollar kostet, hält die Nachfrage an. Grund ist die Kombination aus der Hardware und den dafür verfügbaren Programmen – immerhin mehr als 100 000 speziell für das iPad entwickelte Softwarehäppchen. Genau dafür sind Apples Kunden bereit, einen satten Zuschlag zu zahlen. Und an diese Kombination kommt keiner der Konkurrenten heran.

Apples Dominanz zeigt die ganze Misere der Tablet-PC-Branche. Keiner der Konkurrenten hat in dem wichtigen Wachstumsmarkt aktuell ein Rezept, Apple wirklich Paroli zu bieten; weder bei Privat, noch bei Unternehmenskunden, die verstärkt auf den PC-Nachfolger setzen. Das muss man wissen, um zu verstehen, was wirklich hinter Googles kürzlich angekündigtem Kauf des Handyproduzenten Motorola Mobility steckt:Es geht um weit mehr, als nur dessen umfangreiches Patentportfolio. Das braucht der Internet-Konzern, um sich besser gegen Patentrechtsklagen von Apple, Oracle, Microsoft, Nokia & Co. wehren zu können. Die wenig profitable Hardwarefertigung, erwarten manche Beobachter, werde Google einfach weiterverkaufen.

Tatsächlich aber spricht einiges dafür, dass Google sie behält. Denn es sieht so aus, als ob sich der Wachstumsmarkt Tablet-PCs nur dann knacken lässt, wenn man – analog zu Apple – Hard- und Software gleichermaßen kontrolliert. Bislang hatte Google die Strategie gefahren, sein auch auf Tablets eingesetztes Betriebssystem Android an so viele Hersteller wie möglich zu verteilen. Je mehr verkaufte Geräte, umso interessanter ist es für Entwickler, Programme zu schreiben. Was dank der Angebotsvielfalt wiederum die Nachfrage für die Android-Tablets steigert.

Konkurrenz im Hintertreffen

Doch die Formel geht nicht auf. Denn das Geschäft lohnt sich für die Hardwarehersteller kaum, weil sie – anders als Apple – in der Regel nichts am Softwareverkauf verdienen. Das Geld wiederum fehlt für die Weiterentwicklung der Geräte, was wieder schlecht für die Android-Entwickler ist, die attraktive Hardware brauchen. Gegenüber Apple gerät die Android-Fraktion daher immer stärker ins Hintertreffen.

Der gordische Knoten lässt sich nur zerschlagen, wenn Hard- und Software eng verflochten sind. So wie bei Amazon mit seinem Kindle. Der Online-Riese ist in der glücklichen Lage, eventuelle Verluste bei Hardware durch den Verkauf von Büchern, Zeitschriften, Zeitungen, Videos und Musik auszugleichen. Microsoft versucht dem im Smartphone-Geschäft mit seinem Bündnis mit Nokia zumindest nahe zu kommen.

Eins ändert sich aber nicht. Neben einem umfangreichen Softwareangebot muss die Hardware attraktiv sein. Damit wird das vermeintlich dröge Hardwaregeschäft künftig strategisch wichtig. Google hat das erkannt. HP anscheinend nicht. Noch ist für Konzernchef Apotheker eine Strategiekorrektur nicht zu spät.

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