Valley Talk: Die Rückkehr der Vorzimmerdame

Valley Talk: Die Rückkehr der Vorzimmerdame

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Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

Beim Web 3.0 übernimmt der Nutzer wieder die Kontrolle. Denn Offenheit ist nicht überall gefragt, wie Steve Wozniak, Legende des Computerzeitalters, leidvoll erfahren musste.

Steve Wozniak ist ein Mann des Volkes. Der große Glamour sei nicht seine Welt, sagt der Apple-Mitgründer, nach dem eine Straße in der Silicon-Valley-Metropole San José benannt ist. Lieber schwatzt er mit normalen Leuten, sucht deren Nähe und plauscht sogar regelmäßig mit Obdachlosen: „Die haben manchmal die verrücktesten Ideen und wenn man genau zuhört, kann es wirklich interessant werden.“

Die Offenheit von „Woz“, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, hat ihre Tücken. Bei sozialen Netzwerken wie MySpace, Facebook, Xing oder StudiVZ musste Wozniak feststellen, funktioniert Offenheit nicht. Anfangs bekam Woz täglich 30 Einladungen, die er alle annahm. Das wiederum erzeugte eine Lawine von Folgeeinladungen, von den Bekannten dieser Bekannten, die den Computerpionier als besondere Trophäe in ihrem „Freundeskreis“ einreihen wollten. „Ich war nur noch damit beschäftigt, ja oder nein zu klicken“, klagt Woz. Er hat sich deshalb aus sozialen Netzwerken weitgehend zurückgezogen – ironischerweise, weil er ein so kommunikativer Mensch ist.

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Web 2.0 war gestern: Jetzt kommt Web 3.0

Die nächste Welle des Internets wird von diesem Widerspruch getrieben sein. Beim Web 1.0 ging es darum, Leute für das Internet zu gewinnen. In der zweiten Stufe wurden sie zum Mitmachen aufgefordert. Und jetzt ist absehbar, dass beim Web 3.0 der einzelne Nutzer in den Mittelpunkt rückt: Er wird dann sein eigenes, persönliches Internet um seine Interessen herum formen können und einen auf ihn zugeschnittenen Internet-Browser bekommen, der alle Dienste organisiert – und kontrolliert.

Es ist die Rückkehr der Vorzimmerdame in virtueller Gestalt: Theoretisch ist der Chef wie in den Frühzeiten des Internets zwar noch immer für alle per E-Mail erreichbar. Aber nicht jeder wird mehr vorgelassen. Dieser Assistent wird sehr mächtig sein.

Steve Wozniak, rechts: Quelle: dpa

Steve Wozniak, rechts: Unbestrittene Legende des Computerzeitalters

Bild: dpa

Noch lässt sich nicht absehen, wer die Rolle übernehmen könnte. Wird es die nächste Generation sozialer Netzwerke sein, die ihren Nutzern mehr Kontrolle bei der Pflege der Kontakte einräumt? Wird es ein Startup wie Xobni sein, das durch eine Analyse des Posteingangs die wirklich wichtigen Kontakte des Benutzers identifizieren will? Oder wird es ein ganz neues Unternehmen sein, das einen digitalen Vorzimmerassistenten entwickelt, der nicht nur über die E-Mails wacht, sondern auch die Abonnements für Internet-Dienste, für das Mobiltelefon oder fürs Fernsehen organisiert?

Wie auch immer: Die Geschäftsmodelle dafür gibt es schon. Entweder zahlt man für den Service mit einer Monatsgebühr – oder der Kunde bekommt ihn gratis, wenn die Vorzimmerdame im Gegenzug die Tür für bestimmte Dienstleister mit ihren Angeboten öffnet.

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