Valley Talk: Die Zukunft der Videokonferenz

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Kolumne von Matthias Hohensee

Internet-Pionier Rob Glaser will bessere Web-Konferenzen als Skype anbieten. Dabei soll ihm ausgerechnet Facebook helfen.

Rob Glaser ist einer der rastlosesten Workaholics, die ich kenne.

Das erlebte ich zum ersten Mal, als ich ihn Ende der Neunzigerjahre zum Interview in einem Kölner Hotel traf. Bei Microsoft war er einst einer der engsten Vertrauten von Bill Gates, bis er einen Machtkampf mit Chefvisionär Nathan Myhrvold verlor. Glaser kündigte und machte sich 1993 daran, seine Ideen mit seinem eigenen Startup namens Progressive Networks, später in RealNetworks umbenannt, umzusetzen. Damit war er derjenige, der Video und Audio ins Internet brachte – abgerufen über seinen millionenfach verbreiteten RealNetworks Player.

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Um die Zeit effektiv zu nutzen, schlug der quirlige Unternehmer damals in Köln vor, das Interview im Taxi zum Flughafen Düsseldorf fortzusetzen. Auf der Rückbank erzählte Glaser – noch keine 30 Jahr alt – von seinen Plänen, das herkömmliche Fernsehen ins Internet zu verlagern: mit eigenen, ganz neuen Fernsehkanälen und extra dafür produzierten, hochklassigen Inhalten. „Video ist die Zukunft des Internets“, sagte er. Damals, als viele Internet-Nutzer sich noch über Modem ins World Wide Web einwählten, klang das utopisch.

Übernahme durch Facebook?

Heute nicht mehr. Zwar spielt RealNetworks dabei nicht mehr die Vorreiterrolle. Das tun nun andere, allen voran der Silicon-Valley-Unternehmer Reed Hastings, der Gründer von Netflix. Der Online-Video-Anbieter hat mittlerweile rund 25 000 Videos parat, die von 2,5 Millionen Abonnenten übers Internet abgerufen werden können.

Doch Glaser hat dennoch recht behalten. So hat Netflix gerade, als erster Internet-Videoanbieter überhaupt, die Erstausstrahlungsrechte an einer US-Fernsehserie erworben. Die 26 Episoden von „House of Cards“ mit Kevin Spacey in der Hauptrolle sollen Ende nächsten Jahres exklusiv über Netflix angeboten werden.

Glaser, der noch immer Verwaltungsratschef von RealNetworks ist, betätigt sich derweil als Wagnisfinanzierer. Sein persönliches Vermögen wird auf eine halbe Milliarde Dollar geschätzt. Und Web-Videos begeistern ihn noch immer, was sein neuestes Startup SocialEyes beweist, das mir Glaser kürzlich persönlich vorstellte.

SocialEyes ist ein Dienst, mit dem Videokonferenzen mit mehreren Personen gleichzeitig abgehalten werden können. Die Teilnehmer schalten sich über den Browser zu und tauchen mit ihrem Konterfei in einem Übersichtsmenü im Fenster auf. Mit der Ausnahme von Adobes Gratisprogramm Flash ist keine zusätzliche Software nötig, und der Dienst ist kostenlos.

Nun sind Videokonferenzen via Computer nichts Neues. Der Internet-Telefonservice Skype bietet Mehrfach-Videokonferenzen schon lange, Apple ebenso. Doch dank Facebook, so meint Glaser, würden Videokonferenzen künftig viel populärer werden. Der Schlüssel liege in der besseren und einfacheren Benutzerführung, vor allem beim Zuschalten von Teilnehmern. Bei Social-Eyes können Freunde und Bekannte via Facebook eingeladen und zugeschaltet werden, ebenso wie andere Mitglieder des sozialen Netzwerks. Zudem lassen sich Interessengruppen aufbauen, etwa Selbsthilfegruppen, die sich via Video treffen.

Geld verdienen wollen Glaser und Social-Eyes-Chef Rob Williams mit dem Vertrieb von professionellen Vorträgen oder Konferenzlösungen für Unternehmen. Über fünf Millionen Dollar Risikokapital hat SocialEyes bislang eingesammelt. Ob das Unternehmen indes Erfolg hat, ist un-gewiss. Denn Facebook könnte selber Videotelefonie anbieten, und angeblich hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg das auch vor. Doch Facebook kauft in letzter Zeit wie auch Google ganze Firmen für neue Funktionen zu. Williams lebt bereits in San Francisco und führt von dort SocialEyes.

Es wäre also durchaus möglich, dass SocialEyes bald zu Facebook gehört. Schließlich hat Multiunternehmer Rob Glaser dorthin die besten Kontakte: Er ist Partner bei der Wagniskapitalfirma Accel Partners, einem frühen und einflussreichen Facebook-Investor.

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