Valley Talk: Dunkle Wolken

Valley Talk: Dunkle Wolken

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Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

von Matthias Hohensee

Den Wagniskapitalgebern geht das Geld aus – Startups bangen um ihre Zukunft. Wie konnte es dazu kommen?

Bei der renommierten Web-2.0-Konferenz tummelte sich vor ein paar Tagen die gesamte High-Tech-Prominenz in San Francisco, es kamen die ganz Großen wie Michael Dell, Steve Ballmer und die neuen Stars wie Pandora-Chef Tim Westergren und Foursquare-Gründer Dennis Crowley. Auf den Podien lobten sie die glänzenden Aussichten. Doch in den Pausen wurde vor allem ein Thema debattiert: Platzt bald eine neue Internet-Blase? Und macht das einer Menge Startups den Garaus, weil sie kein neues Kapital auftreiben können?

Ein Artikel im „Wall Street Journal“ hatte genau das angedeutet. Er stützte sich außer auf Anekdoten von Web-Unternehmen vor allem auf eine Studie des US-Verbands der Wagnisfinanzierer. Die hatte festgestellt, dass die Kapitalgeber Schwierigkeiten haben, an neues Geld zu gelangen: Von Juli bis September konnten sie nur 1,72 Milliarden Dollar einsammeln. Im Jahr zuvor waren es mit 3,5 Milliarden Dollar noch doppelt so viel. Besonders im August und September, sagt Mark Heesen, Chef des Lobbyverbandes der Wagnisfinanzierer, sei der Geldstrom versiegt. Dabei ist es ein langfristiger Trend: Seit 2007 nimmt die Menge des eingesammelten Kapitals ab. Damals waren es 30,7 Milliarden Dollar – 2010 nur noch 13,3 Milliarden Dollar.

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Risikokapital für Startups

Noch hat das kaum Auswirkungen auf die Startups. Im Gegenteil. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens CB Insight hat sogar neue Rekorde ausgemacht. Demnach flossen im dritten Quartal dieses Jahres 7,9 Milliarden Dollar in Startups, rund 2,5 Milliarden Dollar mehr als im Vorjahreszeitraum. Rund 46 Prozent davon landeten im Silicon Valley, angeführt von Twitter mit 400 Millionen Dollar, gefolgt von dem Energieausrüster Bloom Energy mit 150 Millionen Dollar, der Bettenbörse AirBnB mit 112 Millionen Dollar und dem Datenanalysespezialisten Palantir Technologies mit 70 Millionen Dollar. Und es sieht ganz danach aus, als ob in diesem Jahr insgesamt über 30 Milliarden Dollar an Risikokapital in Startups gesteckt werden, die höchste Summe seit 2007. Wie passt das mit dem Einbruch beim Einwerben frischer Gelder zusammen? Ganz einfach: Die Risikokapitalverwalter haben mehr ausgeben, als sie eingenommen haben. Seit 2008 laut einer Kalkulation von Investoren-Lobbyist Heesen rund 20 Milliarden Dollar. Bis vor Kurzem war die Diskrepanz kein Problem, zumal es noch Polster aus den Vorjahren gab. Zudem sollte der Gang an die Börse das eingesetzte Kapital kräftig vermehren.

Besonders der fulminante Börsengang von LinkedIn im Mai sorgte für gute Stimmung. Doch dann verschob der Schnäppchenanbieter Groupon sein Debüt an der Wall Street und korrigierte auch noch seine Einnahmen nach unten. Ebenso wie der Online-Spieleanbieter Zynga, der mit spärlichem Gewinn negativ überraschte. Vor allem aber ist noch nicht klar, ob Facebook im Frühjahr an die Börse gehen wird. Ein Börsenfieber wie Ende der Neunzigerjahre ist jedenfalls nicht in Sicht.

Wichtige Mitarbeiter

Auch die Motivation für Startup-Übernahmen durch Web-Größen ist heute eine andere. Immer mehr Jungunternehmen werden nicht wegen ihrer Produkte, sondern wegen ihrer Talente gekauft. So wie das für 47,5 Millionen Dollar von Facebook erworbene Startup Friendfeed. Dessen Gründer Bret Taylor ist heute Technikchef des sozialen Netzwerks. Facebook-ChefMark Zuckerberg kauft lieber die Talente ein, damit sie die Produkte nach seinem Gusto entwickeln, statt externe Produkte aufwendig zu integrieren.

Wenn allerdings nicht mehr die Produkte der Startups interessant sind, sondern dessen Talente, werden Investoren nervös. Denn die Mitarbeiter können das Startup recht einfach verlassen. Nun sind alle Augen auf Facebook gerichtet. Wird der Börsengang des sozialen Netzwerks zum Erfolg, würden Geldgeber neuen Mut fassen. Falls Facebook jedoch floppt und keinen 100-Milliarden-Dollar-Börsengang hinlegt, dürfte sich das Gewitter entladen.

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