Valley Talk: Firmengründung im Internet-Tempo

Valley Talk: Firmengründung im Internet-Tempo

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Apple-Chef Steve Jobs präsentiert das MacBook Air

Es braucht nur eine gute Idee. Der Rest findet sich im Web.

Kaum hatte Steve Jobs auf der Hausmesse in San Francisco demonstriert, wie flach das neue MacBook Air ist – der Apple-Chef zog das ultradünne Notebook bei seiner Präsentation vor der Fachpresse aus einem gelben Briefumschlag – schritten Claire Evans und Jona Bechtolt zur Tat. Die Journalistin und der Web-Programmierer sicherten sich die Web-Adresse Manilamac.com, bastelten einen ähnlich aussehenden Briefumschlag aus Vinyl und luden Bilder davon nebst Bestellformular auf die Internet-Seite. Dann versandten sie noch per E-Mail eine Pressemitteilung und warteten dann auf Reaktionen. Und die kamen schnell: Blogs und Online-Foren berichteten über die jugendlichen Erfinder, bildeten ihr Produkt ab und bauten Links zu deren Web-Seite.

Folge: Noch bevor die erste Schutzhülle in China vom Band lief, lagen schon Hunderte Bestellungen aus Nordamerika, Europa und Asien vor. Inzwischen sind es mehrere Tausend, die das Pärchen nun persönlich abarbeitet. 39,95 Dollar kostet das Teil, wegen der hohen Nachfrage zehn Dollar mehr als ursprünglich geplant. Kosten für Werbung: praktisch null. Noch besser: Das US-Fernsehen sendet regelmäßig Werbespots von Apple, in denen das MacBook Air aus einem Briefumschlag gezogen wird. Die Buchhaltung für Manilamac.com inklusive Kreditkartenabwicklung übernimmt Ebays Online-Bezahldienst Paypal. Das Geschäftsrisiko ist somit sehr gering.

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Evans und Bechtolt nutzten konsequent die Möglichkeiten, die das Internet bietet. Ob ihr Geschäft eine Eintagsfliege bleibt oder sich zu einem Unternehmen auswächst, liegt in ihrer Hand. Dank des Internets können heute selbst Mini-Unternehmen ohne große Investitionen eine globale Klientel erreichen. Die Infrastruktur in Form von Web-Servern wird gemietet, ein Auftragsfertiger beauftragt, Werbung geschaltet.

Richard Moross startete im Frühjahr 2004 seine Ein-Mann-Firma Moo.com mit der Idee, Visitenkärtchen auf Plastik zu drucken. Inzwischen hat er 30 Mitarbeiter, die von Großbritannien aus Bestellungen in 150 Länder verschicken – bis hin nach Nordkorea. Wie der Hemdenhersteller Spreadshirt, der Taschendesigner Timbuk, wie Cafepress und Zazzle pflegt Moross seine Kundschaft über das Internet. Für den 30-jährigen Briten ist das Geschäft „people powered“ – allein von seinen Kunden getrieben. Noch ist diese Branche sehr klein. Aber die nächste Stufe der Entwicklung hat schon begonnen: Kunden nutzen die Online-Fertiger als Dienstleister, um eigene Designs zu entwickeln, zu verkaufen oder ins Sortiment von Handelsketten zu bringen. Nie war es leichter als heute, ein Unternehmer zu werden.

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