Valley Talk: Geißel der Menschheit

Valley Talk: Geißel der Menschheit

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Frachtzentrum von DHL in Deutschland: In den USA sind sämtliche Breifverteilzentren mit Anthrax-Detektoren ausgestattet

von Matthias Hohensee

Anti-Terror-Maßnahmen verschlingen oft viel Geld, verhelfen aber manch revolutionärer Technologie erst zum Durchbruch. Von Matthias Hohensee

Die Angst vor Terrorismus wächst wieder – auch in Deutschland. Kanzlerin Angela Merkel erhielt jüngst eine Briefbombe, laut Innenminister Thomas de Maizière gibt es konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag Ende November. Und wieder wird nun hitzig diskutiert, ob die Warnungen nur Panik schüren und die teuren Vorbeugemaßnahmen wirklich notwendig sind.

Das Beispiel eines Unternehmens aus dem Silicon Valley zeigt, dass angeblich verschwendete Anti-Terror-Steuergelder mitunter sogar doppelten Nutzen stiften: Sie senken die Terrorgefahr und schützen darüber hinaus das Leben von Millionen Menschen, indem die Gelder Technologien zum Durchbruch verhelfen und so den Weg für weitere hilfreiche Anwendungen frei machen.

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Nachdem 2001 in den USA fünf Menschen an per Brief verschickten Milzbranderregern gestorben waren, kontrollierten Detektoren der Biotechnologiefirma Cepheid aus Sunnyvale die Post darauf. Seither gab es keine Zwischenfälle mehr. Inzwischen hat das Unternehmen mit der auf Krankheitsbekämpfung in Entwicklungsländern spezialisierten Schweizer Hilfsorganisation Find auf Basis der gleichen Technik einen neuen Test entwickelt. Er ermittelt laut einer unabhängigen wissenschaftlichen Studie erstmals innerhalb von 90 Minuten zuverlässig, ob ein Patient Tuberkulose hat und welcher Antibiotika-Cocktail ihm am besten hilft. Der bisher verwendete, über 100 Jahre alte Test liefert frühestens nach 24 Stunden Ergebnisse. Zu rund 50 Prozent sind sie falsch.

Das unter anderem in Afrika und Indien getestete Cepheid-Gerät namens GeneXpert schlug laut Studie dagegen bei 98 Prozent der Patienten korrekt an. In seinem Inneren steckt eine Art Kartusche, auf der Biosensoren mittels Genanalyse Krankheitserreger identifizieren. Bei der Tuberkulosebestimmung husten die Patienten in einen speziell präparierten Behälter, der in das Gerät geschoben wird. Alles Weitere erledigt die Maschine. Für Richard Chaisson, einen führenden US-Tuberkulose-Forscher, ist es daher „eine revolutionäre Technologie“.

Denn TBC – auch als Schwindsucht bekannt – ist wieder auf dem Vormarsch, vor allem in Afrika, China und Indien. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ein Drittel der Weltbevölkerung infiziert. Bei fünf bis zehn Prozent bricht die Krankheit aus. Jährlich sterben zwei Millionen Menschen daran. Dabei ist die Behandlung relativ unkompliziert, wenn die Krankheit rechtzeitig entdeckt und der richtige Antibiotika-Cocktail verordnet wird.

Schnelltest auf Milzbrand

Der Haken sind die hohen Kosten. Das GeneXpert-Gerät kostet je nach Modell zwischen 10.000 und 30.000 Dollar. Pro Test werden nochmals 20 Dollar für die Kartusche fällig. In den armen Ländern können sich weder Krankenhäuser die Anschaffung der Geräte noch Patienten den Test leisten. Jetzt sucht die WHO mithilfe der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung nach Wegen, die Kosten abzufedern.

Bei der Terrorismusbekämpfung leistet die Analysetechnik bereits gute Dienste. Sämtliche Briefverteilzentren der USA sind mit Anthrax-Detektoren von Cepheid ausgerüstet. Die Maschinen saugen die Luft über der Briefsortieranlage automatisch an und schlagen Alarm, sobald sie Milzbrandsporen entdecken.

Die Anlagen haben die chronisch defizitäre US-Post rund 250 Millionen Dollar gekostet und verschlingen weitere 100 Millionen Dollar jährlich an Betriebskosten. Ob sie jemals eine Attacke gestoppt haben, hält die US-Regierung geheim. Sicher ist hingegen, dass es Cepheid ohne den Anti-Terror-Großauftrag nicht mehr geben würde. Die 1996 gegründete Firma schreibt zwar immer noch rote Zahlen, ist jetzt aber auf dem Weg in die Gewinnzone. 1600 der GeneXpert-Universaltestmaschinen sind weltweit bereits im Einsatz. Ziel der Unternehmensforscher ist es, in naher Zukunft für jede mittels Genanalyse identifizierbare Infektionskrankheit ein geeignetes Testkit zu entwickeln.

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