Valley Talk: Gesünder durchs Handy

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

von Matthias Hohensee

Startups offerieren Geräte zum Messen von Schlaf, Fitness und Konzentration – und hoffen auf millionenschwere Geschäfte.

Seit Jahresanfang trage ich die Zukunft der Medizin am Leib mit mir herum. Tagsüber an den linken Oberarm geschnallt, in Form eines Messgeräts von der Größe zweier TicTac-Schachteln. Die Technik des Unternehmens Bodymedia aus Pittsburgh registriert Be-wegungen und misst die Temperatur des Muskels. Nachts trage ich einen Sensor des Startups Zeo aus Newton bei Boston auf der Stirn, der die Hirnströme aufzeichnet.

Mit dieser High-Tech-Unterstützung hoffe ich, die üblichen Neujahrsvorsätze – gesund zu bleiben und ein paar Kilo abzunehmen – schneller umzusetzen. Aber auch näher dran zu sein am Wachstumsmarkt mobile Health, der im Silicon Valley Gründer und Kapitalgeber umtreibt. Bei der mobilen Gesundheit geht es vereinfacht darum, seine Körpersignale mit elektronischen Helfern mobil aufzuzeichnen, auszuwerten und später sogar an seinen Hausarzt oder Spezialisten zu senden.

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Die Idee als solche ist nicht neu. Doch die dazu nötigen Sensoren sind nun erschwinglich geworden. Das Startup Neurosky bietet für 99 Dollar einen Sensor an, der Gehirnwellen misst, beispielsweise beim Lösen von Rechenaufgaben. Lehrer können so feststellen, ob falsche Antworten auf eine Lernbehinderung deuten oder aber der Schüler einfach nur unaufmerksam ist.

Geschäfte laufen prächtig

Bislang war unklar, wie die gemessenen Daten gesammelt und übermittelt werden sollten. Smartphones, so zeigt sich, sind dafür wunderbar geeignet – und ein simples Diagnosegerät. Gut aufbereitete Handy-Apps erlauben es auch Computernovizen, die aufgezeichneten Signale zu inter-pretieren oder ans Internet zu schicken.

Noch ist der Markt jung. In den USA wurden 2010 nach Berechnungen von Brian Dolan, dem Gründer der Web-Seite Mobi-HealthNews, mindestens 233 Millionen Dollar in Mobile-Health-Startups gesteckt. Das Interesse von Investoren und Gründern ist geweckt. Gerade haben mehrere Wagniskapitalgeber 2,25 Millionen Dollar in das junge Unternehmen Massive Health gesteckt, das Smartphone-Apps für chronisch Kranke entwickeln will.

Das machte im Valley doppelt Schlagzeilen, weil unter den Finanziers der Internet-Pionier Marc Andreesen ist. Einer der Massive-Health-Gründer ist zudem als Designer des erfolgreichen Firefox-Browsers bekannt. Noch ist unklar, wie rasch sich der Markt entwickelt, besonders bei Produkten, die von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden müssen. Doch im unregulierten Lifestyle- und Fitness-Bereich laufen die Geschäfte bereits prächtig.

Der 200 Dollar teure Sensor von Bodymedia etwa, den ich nun seit sechs Wochen nutze, ist ständig ausverkauft. Er überträgt die gemessenen Daten via Bluetooth an eine Smartphone-Anwendung und von da aus auf eine Web-Seite. Hier kann man sehen, wie viele Kalorien man am Tag verbraucht hat und wie viele Schritte man zurücklegt. Das kann ein billiges Pedometer zwar auch. Doch das Bodymedia-Gerät scheint erstaunlich präzise, kann über die Temperatur des Muskels kalkulieren, wie stark die Anstrengung war. Und sogar feststellen, wie lange man schläft und dabei unbewusst aufwacht.

Letzteres kann allerdings der ebenfalls 200 Dollar teure Zeo besser, ein von einem MIT-Professor entwickeltes Gerät zum Auswerten des Nachtschlafs. Ein etwas gewöhnungsbedürftiger Sensor auf der Stirn wertet die Schlafphasen aus, beispielsweise wie lange der erholsame REM-Schlaf gedauert hat. Anhand dieser Daten lässt sich beispielsweise ganz individuell ermitteln, zu welcher Uhrzeit man am besten ins Bett gehen sollte, um möglichst gut zu schlafen.

Beide Produkte sind offiziell nur in den USA erhältlich. Aber laut Zeo-Chef David Dickinson hat er schon viele deutsche Nutzer, die sich das Gerät aus den USA haben schicken lassen. Die Entscheidung über einen deutschen Vertriebspartner sei noch nicht gefallen.

Wie gut und verlässlich diese Hilfsmittel sind, ist derzeit schwer zu sagen. Motivationsfördernd sind sie auf jeden Fall.

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