Valley Talk: Google unter Druck

kolumneValley Talk: Google unter Druck

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Kolumne von Matthias Hohensee

US-Kartellwächter ermitteln gegen Google und ein einflussreicher Investor aus dem Silicon Valley ist davon überzeugt, dass der Konzern seine besten Zeiten hinter sich hat. Seine Thesen sorgen für Aufruhr.

Mit seinen langen, grauen, zotteligen Haaren und der John-Lennon-Brille wirkt Roger McNamee nicht nur wie ein alternder Rockstar. Als Frontmann der Band Moonalice ist er tatsächlich einer. Als Musiker, so sagt der 55-Jährige, wisse er den Wert von Inhalten zu schätzen. Der sei durch das Internet und soziale Medien eher noch größer geworden. Schade sei nur, dass sich in den vergangenen zehn Jahren Google über suchbasierte Anzeigen überproportional auf Kosten der Schöpfer von Inhalten bereichert habe.

Aber damit, wettert McNamee, sei es vorbei. Und wenn er das sagt, hat es Gewicht. Denn der Mann ist nicht nur Musiker, sondern einer der bekanntesten und einflussreichsten Investoren des Silicon Valley: „Das Pendel schwingt zugunsten der Schöpfer von Inhalten zurück“, prophezeit er. „Der Einfluss von Google geht bereits zurück“, giftete McNamee kürzlich auf der Technologiekonferenz Always On Silicon Valley Innovation Summit.

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Und deshalb sorgen seine Thesen nun im High-Tech-Tal für Furore. Viel wird gestritten darüber: Die einen glauben, dass es so komme, die anderen halten McNamee nun endgültig für übergeschnappt.

Dabei müsste es McNamee eigentlich wissen. Er hat fähige Menschen um sich geschart: Für sein Beteiligungsunternehmen Elevation Partners hat er nicht nur Medienfachmann und Weltstar Bono verpflichtet. Auch die beiden Apple-Veteranen Avie Tevanian (vormaliger Softwarechef) sowie Fred Anderson (Finanzchef) sind an Bord. Vor allem aber hat sich sein Unternehmen bei Facebook eingekauft, als das Startup noch mit rund 20 Milliarden Dollar und nicht wie jetzt über 60 Milliarden Dollar bewertet wurde. „Roger ist einer der smartesten Investoren im Silicon Valley“, sagt Konferenzveranstalter Tony Perkins.

Auf den ersten Blick klingen McNamees Thesen abstrus. Google zeigt keine Zeichen von Schwäche. Allerdings droht Google das Problem anderer dominanter Konzerne: Derzeit untersuchen US-Kartellwächter, ob Google seine Marktmacht missbraucht. 

Denn der Konzern ist so stark wie nie zuvor. In den USA laufen 65 Prozent aller Suchanfragen über die Suchmaschine, in Deutschland sogar 94 Prozent. Google, so meint McNamee, werde auch weiterhin mächtig bleiben, aber „mit schwindendem Einfluss, ähnlich wie Microsoft“.

Denn die Art, wie Informationen im Internet gefunden werden, ändere sich gerade. Weil bei Google zu viele irrelevante Suchergebnisse auftauchen, steuerten Nutzer verstärkt Web-Angebote an, die sich auf Inhalte spezialisiert haben, wie etwa das Online-Lexikon Wikipedia oder die Bewertungsseite Yelp. Via Facebook oder Twitter könnten sie zudem durch die Empfehlungen von Bekannten oder Spezialisten interessante Inhalte entdecken. Die Suche via Google werde dadurch zweitrangig. In Teilen mag er dabei recht behalten.

Neue Blüte für Medien

Auch damit, dass sich der künftige Medienkonsum auf mobile Endgeräte verlagere. Dort, so argumentiert McNamee, gehe es nicht um Suche. Spezielle Applikationen ziehen die Informationen aus dem Netz und präsentieren sie. Die Nutzer seien bereit, für diesen Komfort Geld auszugeben.

Dadurch, so meint der Investor, ergäben sich auch neue Einnahmequellen für die Medienbranche. Denn Inhalte ließen sich so auch leichter vermarkten. Eine neue Medienblüte werde es geben.

Doch was ist von McNamees Aussagen zu halten? In Sachen Google hat er in Teilen sicher recht. Doch abgesehen von Facebook hat er sich in Sachen Medien auch öfter vertan. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“, wo Elevation Partners vor fünf Jahren einstieg, ist ein Sanierungsfall. Und McNamee blamierte sich, als er voraussagte, dass der Smartphone-Pionier Palm Apples iPhone den Garaus machen würde. Als das nicht eintrat, verkaufte McNamee eilig seine Palm-Beteiligung an den Technologiegiganten Hewlett-Packard.

Der Mann hat sich schon mehr als einmal getäuscht. Doch selbst wenn Medien keine neue Blüte erleben sollten, McNamee muss auch dann nicht von seiner Kunst leben. Die Songs seiner Band bietet er übrigens im Internet an. Kostenlos natürlich.

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