Valley Talk: Große Karrierechance für Akku-Experten

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Kolumne

Unis und Unternehmen suchen händeringend nach Akku-Spezialisten. Die Hochschulen in den USA heuern bereits Headhunter an, um die raren Spezialisten zu gewinnen.

Physik-Nobelpreisträger Burton Richter ist ein Mann für unbequeme Wahrheiten. Bei einem Vortrag in IBMs Almaden-Forschungszentrum im Silicon Valley, zu dem der Konzern kürzlich die Spitzen der Batterieforschung und der Elektroautos zum Diskurs geladen hatte, sprach der 78-jährige Professor der renommierten Stanford University Klartext.

Er kritisierte, dass in der Energiedebatte naheliegende, aber für Politiker weniger imageträchtige Lösungen unter den Tisch fallen. So ließen sich laut Burton beispielsweise relativ schnell zwei Drittel der CO2-Emissionen aus Kohlekraftwerken vermeiden, wenn diese auf Erdgas umgestellt würden. Erdgas, so der Nobelpreisträger, sei in den USA reichlich vorhanden. Zudem lasse es sich dank neuer Technologien besser und wirtschaftlicher fördern denn je.

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Stattdessen konzentriere sich die Debatte auf erneuerbare Energien. Die aber hätten auch Schattenseiten: Vor allem seien sie unzuverlässig. Mal scheine die Sonne nicht, oder es herrsche Windstille. Daher könne der Stromanteil aus erneuerbaren Quellen auf absehbare Zeit nach seinen Berechnungen maximal 20 Prozent betragen. Sonst sei die Gefahr zu groß, dass das Netz unter dem schwankenden Stromangebot zusammenbreche, warnt Richter.

Abhilfe könnten räumlich verteilte Energie-Zwischenspeicher bieten, die helfen, die Energiespitzen zu puffern. Als Ausweg empfiehlt der Spitzenphysiker unter anderem Elektro-Hybrid-fahrzeuge, die – in der heimischen Garage geladen – bis zu 80 Kilometer mit dem Akku fahren. Bei längeren Strecken liefert ein Benzinmotor den nötigen Strom zur Fortbewegung. US-Ballungsraumpendler könnten mit einem Elektrohybrid bis zu zwei Drittel des Benzinverbrauchs sparen, hat Burton errechnet. Und über Tag könnten die Akkus, die in den Parkgaragen am Arbeitsplatz geladen werden, als Stromspeicher dienen.

Noch aber ist die Technik zu teuer und die Reichweite zu gering, um sich auf breiter Front durchzusetzen. Um das zu ändern, forschen immer mehr US-Unternehmen an neuen Stromspeichern. Wie etwa IBM, wo der deutsche Wissenschaftler Winfried Wilcke mit seinem Team an neuartigen Lithium-Sauerstoff-Akkus arbeitet. Die sollen Strom für 800 Kilometer durchgängige Autofahrt liefern – allerdings kaum vor 2020. Denn noch sind viele Hindernisse zu meistern.

Eins aber wird immer deutlicher: Spezialisten für Energiespeicher werden auf absehbare Zeit im Valley so heiß gefragt sein, wie Suchmaschinenexperten zu Beginn der Dekade. Verkehrsexperten berichten, dass Universitäten schon Headhunter anheuern, um die raren Spezialisten zu gewinnen – und sich so den Zugriff auf Forschungsgelder zu sichern.

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