Valley Talk: Im Silicon Valley wächst die nächste Blase

Valley Talk: Im Silicon Valley wächst die nächste Blase

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

von Matthias Hohensee

Eine neue Startup-Übernahmeflut bringt zahlreiche Millionäre hervor – und lässt sogar einige gefallene Helden wieder auferstehen. Bis zum nächsten Absturz.

Die Stimmung im Silicon Valley ist zum Jahresende ausgezeichnet: Die Zahl der Technologiedeals, also Fusionen oder Übernahmen, ist so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Sie liegt nur noch etwa ein Viertel unter dem Höchstwert des Jahres 2000. Der für seine Deals während des Internet-Hypes Ende der Neunzigerjahre berühmt-berüchtigte Investmentbanker Frank Quattrone ist überzeugt, dass sich das auch so schnell nicht ändern wird.

Denn Unternehmen wie Apple oder Google verdienen dank glänzender Geschäfte viel Geld, das nun in zukunftsträchtige Wachstumssparten oder strategisch wichtige Technologien investiert werden will. Das treibt die Preise der Jungunternehmen. Dem Speichersystem-Anbieter 3PAR etwa half Quattrone gerade, seinen Kaufpreis im Bietergefecht zwischen Dell und Hewlett-Packard in die Höhe zu treiben. HP zahlte schließlich 2,35 Milliarden Dollar – für ein zwar technisch führendes, aber defizitäres Unternehmen mit gerade einmal 200 Millionen Dollar Jahresumsatz.

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Ex-Investmentbanker Frank Quelle: AP

Ex-Investmentbanker Frank Quattrone

Bild: AP

Das ist nur einer von vielen aktuellen Fällen, die an die Kaufpreis- und Honorarexzesse aus dem Internet-Boom Ende der Neunzigerjahre erinnern. Manches Startup lockte damals besonders gefragte Programmierer beispielsweise mit einem Porsche Boxster. Heute erscheint das wie ein Schnäppchen. Gerade hat Google zwei seiner Ingenieure mit Prämien in Höhe von mehreren Millionen Dollar vom Wechsel zum Konkurrenten Facebook abgehalten.

Treiber der Geschäfte ist vielfach die inzwischen boomende Online-Werbung. Im vergangenen Jahr wurden damit weltweit bereits 54 Milliarden Dollar umgesetzt. Weitere 50 Milliarden Dollar Umsatzpotenzial erwartet Mary Meeker, die Technologie-Chefanalystin der Investmentbank Morgan Stanley, für die kommenden Jahre. Nicht nur, weil die Menschen immer stärker online aktiv sind, sondern auch weil sie dabei immer öfter mobil via Smartphones von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Rabattspezialisten wie Groupon direkt mit Werbung angesprochen werden können.

Meeker und Quattrone jedenfalls sind wieder gut im Geschäft. Wie schon Ende der Neunzigerjahre. Da galten beide als mächtige Strippenzieher im Wachstumsgeschäft Internet. Startups wie Amazon und Ebay, aber auch Großunternehmen wie Cisco drängten sich, in den Studien von Meeker genannt zu werden. Die sogenannte „Königin des Internets“ machte Unternehmen bekannt. Quattrone brachte Startups an die Börse und machte Gründer, Investoren sowie deren Freunde und Familien reich.

Kratzer am Image

Doch das Platzen der ersten Internet-Blase im Frühjahr 2000 kratzte am Image der Internet-Promis. Weniger bei Meeker, der keine Verfehlungen nachgewiesen wurden. Quattrone dagegen musste wegen der allzu freizügigen Vergabe der Aktien von Börsenkandidaten an Freunde und Geschäftspartner vor Gericht. Er wurde verurteilt, der Schuldspruch später wieder aufgehoben.

Heute sind Meekers Studien wieder Pflichtlektüre in den Chefetagen von einflussreichen High-Tech-Größen wie Amazon, Ebay, Google, Cisco oder Oracle, die nach interessanten Übernahmekandidaten suchen. Und Quattrone wird wegen seiner Kontakte und seines Verhandlungsgeschicks wieder von Gründern umschwärmt, die ihre Firmen verkaufen wollen.

Wenn alles so ist wie damals, steht ein neuer Absturz also wieder bevor?

Wahrscheinlich. Denn die gegenwärtig rosigen Zeiten für Investoren sind wohl nur die Ruhe vor dem Sturm, weil Spekulationsblasen zum High-Tech-Eldorado gehören. Nur dass im Gegensatz zu 2000 wohl weniger Kleinanleger betroffen sein werden, sondern die Aktionäre von aufkauffreudigen High-Tech-Titanen wie Google, die Startups womöglich zu teuer einkaufen.

Wie groß die Korrektur ausfällt, ist noch ungewiss. Eines aber scheint klar: Experten wie Meeker und Quattrone werden wohl auch diesmal wieder weich landen.

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