Valley Talk: Käsetoast statt Videokamera

kolumneValley Talk: Käsetoast statt Videokamera

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Die Flip-Kamera machte Jonathan Kaplan reicht

Kolumne von Matthias Hohensee

Mit seiner Videokamera Flip wurde er reich. Jetzt will Jonathan Kaplan die Gastrobranche aufmischen. Seine Idee ist simpel: Er setzt ausschließlich auf Käsetoast.

Komplexe Technologie aufs Wesentliche reduzieren, elegant verpacken, miteinander verknüpfen und für jedermann nutzbar und attraktiv machen – auf diese schlichte Formel lässt sich der Erfolg von Apple bringen. Auch Unternehmen wie Amazon und Facebook orientierten sich daran.

Jeff Bezos schuf mit seinem Besteller Kindle ein elektronisches Buch, das rein technisch wesentlich mehr hätte leisten können, doch dadurch schwieriger bedienbar gewesen wäre. Der Amazon-Gründer reduzierte den Kindle auf ein reines elektronisches Lesegerät, das jeder bedienen kann. Facebooks Gründer Mark Zuckerberg wiederum hat das Publizieren und Austauschen von Informationen via Internet wesentlich vereinfacht, ohne verwirrende Menüs oder gar HTML-Code.

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Die große Frage ist, ob die in der Technologiebranche bewährte Formel auch in anderen Märkten funktioniert. Jonathan Kaplan ist fest davon überzeugt. Der High-Tech-Unternehmer und Ex-Journalist aus dem Silicon Valley will nun mit der Formel „schlicht, aber lecker“ die Restaurantszene aufmischen.

Kaplan schwimmt gerne gegen den Strom

Im Herbst wird Kaplan eine Restaurantkette namens The Melt in San Francisco und im Silicon Valley testen, die sich durch ein simples Menü auszeichnet: The Melt bietet lediglich mit Käse überbackenen Toast für fünf Dollar, in fünf verschiedenen Variationen, die in Kombination mit einer Suppe für insgesamt 7,95 Dollar für ein sättigendes Essen reichen sollen.

Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

Um die Wartezeiten zu verkürzen, können Gäste ihr Sandwich per Smartphone-App vorab bestellen und sollen es dann binnen einer Minute in Empfang nehmen können. Das Konzept mag wie ein Aprilscherz eines Multimillionärs klingen, der nicht mehr weiß, was er mit seinem Geld anfangen soll. Denn im Silicon Valley mag es an guten Restaurants mangeln – Fast Food gibt es im Überfluss.

Doch Kaplan meint es ernst. Er ist gewohnt, gegen den Strom zu schwimmen. Vor zehn Jahren wurde er schon einmal verlacht, als er sein Startup Pure Digital gründete, um – ausgerechnet – Digitalkameras herzustellen. Ein Markt, der wie bei den Restaurants von Konkurrenz nur so wimmelte. Der erste Versuch mit einer Wegwerfkamera klappte auch nicht so recht. Dafür aber ging der Ansatz, etwas Günstiges und einfach Bedienbares zu offerieren, mit der schlichten und billigen Videokamera Flip auf: Startknopf drücken, draufhalten und die Aufnahmen in den Computer laden – einfacher ging es nicht. Ihr Erfolg machte Kaplans Unternehmen zum am schnellsten wachsenden Startup des Silicon Valley, das 2009 vom Netzwerkgiganten Cisco für 590 Millionen Dollar geschluckt wurde. Cisco scheiterte indes am Vermarkten des schlichten Camcorders, zumal heute jedes gute Smartphone Videodrehs ermöglicht, und so stellte Cisco die Flip-Linie im April ein.

Kaplan wird das nicht angelastet. Deshalb hat er für seine Sandwich-Kette wieder prominente Geldgeber gefunden, allen voran Michael Moritz von Sequoia Capital. Der frühere Wirtschaftsjournalist entdeckte schon Google und Yahoo. Zehn Millionen Dollar soll Kaplan für die erste Ausbaustufe erhalten haben.

Zwar ist es eher ungewöhnlich, dass Silicon-Valley-Wagnisfinanzierer ins Restaurantgeschäft einsteigen. Doch Sequoia war auch einer der Geldgeber für die italienische Restaurantkette Il Fornaio, deren Niederlassung in Palo Alto beliebter Treff von Investoren und Unternehmern ist.

Die Strategie ist, die Restaurantkette entweder an die Börse zu bringen – wie bei Il Forniao –, Franchise-Lizenzen zu vergeben oder es an einen größeren Gastrokonzern zu verkaufen. Und selbst eine Verbindung zu Apple gibt es: Einer von Kaplans Beratern ist Handelsexperte Ron Johnson. Der ehemalige Apple-Manager gilt als der wichtigste Mann hinter den Apple-Stores und ist für sein Händchen für gute Standorte bekannt. Dieses Wissen wird Kaplan mit Sicherheit zu nutzen wissen.

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