Valley Talk: Kleinkrieg der IT-Riesen

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Kolumne von Matthias Hohensee

Hewlett-Packard und Oracle liefern sich seit Monaten einen Kleinkrieg. Die Eiszeit zwischen den einstigen Kooperationspartnern könnte sogar eine neue Übernahmewelle in der IT-Branche auslösen.

Preisfrage: Welches High-Tech-Schwergewicht im Silicon Valley ist sauer, weil sein Wettbewerber einen ihm nicht genehmen Top-Manager angeheuert hat? Der High-Tech-Gigant Hewlett-Packard (HP) oder aber sein Konkurrent Oracle?

Einiges spräche für HP. Ein Jahr ist es her, dass sein Ex-Konzernchef Mark Hurd seinen Hut nehmen musste, nachdem er von einer Marketingdienstleisterin der sexuellen Belästigung bezichtigt worden war. Die Vorwürfe erhärteten sich nicht. Dafür kamen zweifelhafte Reisekosten und Bewirtungsbelege für Treffen mit der Dame ans Licht, die Hurd aus Sicht seines Verwaltungsrates nicht recht erklären konnte.

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Das Gremium, noch immer unter dem Eindruck der Journalisten-Abhöraffäre aus dem Jahr 2006, fackelte diesmal nicht lange und legte Hurd den Rücktritt nahe. Und weil in Kalifornien Wettbewerbsverbote keine Chance vor Gericht haben, heuerte Oracle-Chef Larry Ellison kurzerhand seinen Freund und Tennispartner als neuen Stellvertreter an. Keine acht Wochen später tummelte sich Hurd bereits bei Oracle.

Natürlich mit reichlich Insider-Wissen über Hewlett-Packard, beispielsweise den Ergebnissen einer umfangreichen Studie über die Schwächen und Stärken von Oracle aus Sicht von HP. Schließlich kann man das Gedächtnis des Managers nicht löschen. Mittlerweile gilt Hurd gar als potenzieller Nachfolger von Konzernchef Ellison.

Oracle fühlt sich provoziert

HP hat also gute Gründe, sauer zu sein. Trotzdem lautet die richtige Antwort Oracle – zumindest in der Interpretation von Ellison und seinen Rechtsberatern. Diese, so kam kürzlich in einer Entgegnung auf eine Klageschrift heraus, fühlen sich von HP provoziert, weil dort ein Oracle nicht genehmer Manager eingestellt wurde.

Und zwar Hurds Nachfolger Léo Apotheker. Der ehemalige SAP-Vorstandsvorsitzende fungierte während des sogenannten Tomorrow-Now-Skandals als Vertriebschef des Softwarekonzerns. SAP hatte damals über seine Tochter widerrechtlich Softwareupdates von Oracle heruntergeladen. Eine kalifornische Jury verhängte im November 2010 die Rekordstrafe von 1,3 Milliarden Dollar gegen SAP, um die derzeit vor Gericht gerungen wird. Apotheker selber konnten keine Verfehlungen nachgewiesen werden, doch bei Oracle macht man ihn trotzdem verantwortlich.

Nun herrscht Eiszeit zwischen den früher kooperierenden Unternehmen. Gekränkte Eitelkeit ist dabei nur ein Nebenaspekt. Es geht um die Vormacht in der nächsten Konsolidierungswelle der IT-Branche.

Über Monate gelähmt

Denn Oracle will seine Software für den von Intel und HP mit Millionenaufwand entwickelten und exklusiv von HP angebotenen Hochleistungsprozessor Itanium nicht mehr weiterentwickeln. Kunden, die Oracle-Software nutzen, müssen sich deshalb wohl nach Alternativen zu den HP-Rechnern umsehen. Und – oh Wunder – die bietet Ellison mit seinen eigenen, durch den Kauf von Sun Microsystems erworbenen, Servern gleich selbst an.

Oracles Strategiewechsel könnte eine neue Übernahmewelle – womöglich sogar ein paar Elefantenhochzeiten – auslösen. Schon lange wird gemunkelt, dass Apotheker den engeren Schulterschluss mit Softwareunternehmen wie Microsoft oder SAP sucht. Den Wettbewerbsbehörden könnte er einen Zusammenschluss oder zumindest engere Kooperationen mit der drohenden Übermacht von Oracle erklären.

Dem gewieften Taktiker Ellison würde das vielleicht sogar gefallen. Denn ein Kauf von SAP durch HP oder ein Zusammenschluss mit Microsoft würde die Konkurrenz auf Monate lähmen – ausgerechnet in einer Phase, in der viele Unternehmen ihre Infrastruktur aktualisieren oder angesichts des aktuellen Cloud-Computing-Hypes ihre IT-Strategie grundsätzlich überdenken.

Zudem könnte auch Oracle wieder kräftig zukaufen, ohne Angst vor Wettbewerbshütern haben zu müssen. Schließlich wehrte man sich dann ja nur gegen die Konkurrenz. Vor allem gegen ungeliebte.

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