Valley Talk: Mächtiger Widerstand gegen Netz-Videothek

Valley Talk: Mächtiger Widerstand gegen Netz-Videothek

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Netflix Chef Reed Hastings

Totgesagte leben länger. Nicht nur Apple, sondern auch die Netz-Videothek Netflix – ein neuer, alter Star aus dem Silicon Valley. Doch der Erfolg schafft Feinde.

Apple ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel für Unternehmen, die sich erfolgreich neu erfunden haben: 1997 stand der Computerhersteller kurz vor der Pleite. Heute ist Apple die wertvollste Firma nach dem Ölgiganten ExxonMobil. Doch es gibt noch ein Beispiel für eine fulminante Wiedergeburt. Das Unternehmen stammt ebenfalls aus dem Silicon Valley und heißt Netflix.

Im Jahr 1997 startete der Unternehmer Reed Hastings die Firma als innovativen Abo-Service für DVDs – ausgerechnet in dem Jahr, in dem Apple mit dem Überleben rang: Statt in die Videothek zu gehen, wählten Netflix-Kunden die gewünschten DVDs per Internet aus und ließen sie sich per Post zuschicken. Mahngebühren, mit denen traditionelle Videoketten wie Blockbuster einen Großteil ihres Profits erwirtschafteten, fielen weg. Netflix-Kunden zahlten lediglich eine Monatsgebühr, deren Höhe sich nach der Zahl der gleichzeitig ausgeliehenen DVDs richtete. Erst wenn sie die geliehenen Filme zurückschickten, bekamen sie neue DVDs zugeschickt.

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Die Unterhaltungsindustrie kam Hastings zur Hilfe. Je billiger DVD-Player wurden, desto populärer wurde Netflix. Als die Konkurrenz aufwachte, war es schon zu spät: Walmart, der größte Verkäufer von DVDs, stellte seine Netflix-Kopie ein, und die Videokette Blockbuster ging bankrott. Netflix war schlichtweg zu populär.

Manöver ging auf

Doch das junge Unternehmen wäre selbst beinahe ein Opfer des Fortschritts geworden. 2007 verlangsamte sich das Kundenwachstum. Es zeichnete sich ab, dass künftig das Versenden von DVDs nicht mehr nötig sein wird, weil die Zuschauer Filme vor allem direkt aus dem Internet laden. DVDs werden zu einem Datenträger der Vergangenheit, ähnlich wie einst die Videokassette. Statt sich dagegen zu wehren, startete Hastings einen eigenen, vollkommen virtuellen Internet-Video-Verleih.

Auf den ersten Blick war das kontraproduktiv. Denn Netflix-Kunden mit Internet-Anschluss konnten für das gleiche Geld mehr Filme konsumieren. Das Sortiment der neuen Videothek wuchs fast so schnell wie die Zahl der Kunden. Die Filmstudios nämlich fürchteten, dass Apple, Amazon und Google das Online-Filmgeschäft unter sich aufteilen würden. Deshalb ließen sie sich von Hastings überreden, ihre Filmbibliotheken fast vollständig dem Internet-Service von Netflix zu öffnen. Wieder hatte er Glück. Hastings’ Manöver ging auf. Statt seine rund 17 Millionen Kunden an Googles Internet-Videoservice YouTube oder an Apple zu verlieren, wie von einigen Analysten erwartet wurde, blieben sie Netflix treu.

Mittlerweile ist Netflix überall: Der Dienst ist in nahezu allen internetfähigen Fernsehgeräten vertreten, zudem ist er auf Blu-ray-Abspielgeräten und führenden Spielkonsolen großer Hersteller vorinstalliert. Selbst Apple konnte sich nicht verschließen: In Apples TV-Gerät ist Netflix ebenfalls integriert.

Die Zehn-Milliarden-Marke

Und das hinterlässt Spuren im Netz: Ein Fünftel des US-Internet-Datenverkehrs wird von Netflix-Nutzern verursacht, Tendenz steigend. Ebenso der Firmenwert des einstigen Startups. Ende November überstieg sein Börsenwert erstmals die Zehn-Milliarden-Dollar-Marke – auch weil das Unternehmen als Übernahmekandidat durch Apple, Microsoft und Walmart gehandelt wird.

Nun steht Hastings’ nächste Schlacht bevor. Weil immer mehr Amerikaner ihren Kabelfernsehanschluss zugunsten von Netflix kündigen, formiert sich Widerstand unter mächtigen Rivalen.

Der Kabel-TV-Konzern Comcast will durchsetzen, dass Netflix Gebühren für die Datenübertragung im Internet zahlen muss. Und Comcast-Konzernchef Brian Roberts hat noch einen Trumpf im Ärmel. Über ein Joint Venture mit General Electric kontrolliert er die Medienfirma NBC Universal. Wenn es hart auf hart kommt, kann er über diesen Umweg Netflix einfach die Rechte für beliebte TV-Serien entziehen.

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