Valley Talk: Microsofts riskantes Geheimprojekt „Pink“

Valley Talk: Microsofts riskantes Geheimprojekt „Pink“

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Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

Warum der PC-Gigant eigene Mobiltelefone bauen muss.

Schon heute gibt es mehr Mobiltelefone als Computer. Das wird für den Softwareriesen Microsoft zunehmend zum Problem. Denn der verdient bisher sein Geld damit, Software für PCs zu entwickeln und deren Bau anderen zu überlassen. Die Strategie muss Konzernchef Steve Ballmer nun in die Handywelt kopieren.

Seit acht Jahren investiert er Milliardensummen in mobile Versionen seines Betriebssystems Windows und pflegt Partnerschaften mit Handyherstellern. „Das Handy ist ein zentraler Bildschirm für uns“, versicherte Microsofts fürs Handygeschäft verantwortlicher Top-Manager Robbie Bach, als er jüngst in kleiner Runde seine Mobilfunkstrategie erläuterte.

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Doch ist es die richtige? Zwar sehen Microsofts Erfolge im Handygeschäft zumindest auf dem Papier beeindruckend aus – vier der fünf Top-Handy-hersteller bieten bereits Mobiltelefone mit Microsoft Windows Mobile an, die von 160 Mobiltelefongesellschaften in 55 Ländern vertrieben werden.

Neues iPhone von der Konkurrenz

Dumm nur, dass ausgerechnet auf Microsofts Heimatmarkt USA bei den Smartphones – Handys mit PC-Funktionen wie E-Mail, Kalender oder Kontakte-Datenbank – Fremdprodukte den Ton angeben. An erster Stelle der Blackberry des kanadischen Herstellers Research in Motion. In dieser Woche bläst Apple mit der Neuauflage seines iPhone zum Angriff auf die Chefetage. Was, welch Ironie, nur deshalb gelingt, weil die jüngste Generation besser mit Microsofts E-Mail- und Terminsoftware Exchange abgestimmt ist. Nummer drei im US-Smart-phone-Markt ist Handheld-Pionier Palm mit seinen Treo und Centro-Smartphones.

Anders als Microsoft kontrollieren alle drei Konkurrenten sowohl Hard- als auch Software und können beides so besser aufeinander abstimmen. Palm bietet zwar auch eine Treo-Version mit Windows Mobile an, aber die Modelle mit Palms eigenem Betriebssystem sind populärer.

MIcrosofts mp3-Player Zune - Quelle: REUTERS

MIcrosofts mp3-Player Zune - Unter dem Codename "Pink" soll Microsoft ana einem eigenen Handy arbeiten

Bild: REUTERS

Was also soll Microsoft tun? Auch der Windows-Riese muss ein eigenes Handy anbieten! Bach will davon, zumindest „derzeit“, noch nichts wissen. Seit Langem aber gibt es Gerüchte, der Konzern arbeite an einem eigenen Handy – Codename „Pink“.

Doch Bach weiß, dass die Kombination aus Hard- und Software keineswegs Erfolge garantiert. Denn unter seiner Regie entstand auch Microsofts Antwort auf den iPod: der „Zune“. Der aber reicht in Absatz und Marktrelevanz längst nicht an sein Vorbild heran. Sollte Microsoft also tatsächlich an einem eigenen Handy arbeiten, muss das Produkt sowohl den Blackberry als auch das iPhone in den Schatten stellen. Das wird umso schwieriger, je länger die Konkurrenten im Markt Erfahrungen sammeln können. Aber Microsoft bleibt wohl nichts anderes übrig.

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