Valley Talk: Mit Einfachkameras zum Markterfolg

Valley Talk: Mit Einfachkameras zum Markterfolg

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Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

Simpel und saubillig: Nach dieser Grundformel stellt das US-Unternehmen Pure Digital Digitalkameras und Videocamcorder her. Der Erfolg der Wegwerf-Kameras war durchschlagend. Pure Digital gilt im Silicon Valley nun als Beispiel dafür, wie Gründer den Durchbruch schaffen.

Um geschätzte 44.667 Prozent auf fast 50 Millionen Dollar hat das Unternehmen Pure Digital aus San Francisco in den vergangenen fünf Jahren seine Umsätze gesteigert. Das vermuten Marktkenner. Solche Wachstumsexplosionen kommen selbst im an Erfolgsstorys reichen Silicon Valley nicht alle Tage vor. Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche haben das Unternehmen, das seine Umsatzzahlen nicht veröffentlicht, gerade zum schnellstwachsenden Startup im High-Tech-Tal gekürt.

Pure Digital ist ein schönes Beispiel dafür, wie schwer es selbst Experten fällt, die Geschäftsaussichten und das endgültige Geschäftsmodell einer Gründung vorauszusagen. Alle Randbedingungen sprachen eher für ein Scheitern, als Jonathan Kaplan die Firma 2001 gründete, um ausgerechnet Digitalkameras herzustellen. Damals wimmelte der Markt längst vor finanzkräftigen Konkurrenten. Doch der ehemalige Medienunternehmer entdeckte mit digitalen Wegwerfkameras die richtige Nische, wie der Umsatzboom gezeigt hat.

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Das erste Modell war extrem simpel gebaut, es erlaubte nicht einmal eine Vorschau auf die Bilder, die aufgenommen werden sollten. Dafür kostet es nur zwölf Dollar. Vertrieben wurde die Kamera über Foto- und Drogerieketten in den USA, die gleichzeitig die Aufnahmen ausdruckten, auf CD brannten und so die Kunden in ihre Geschäfte lotsten. Der große Wurf war die Kamera dennoch nicht. Denn ihre Bilder ließen sich nicht direkt in den Computer laden.

"Flips" Erfolg puschte das Unternehmen

Trotz dieses Mankos und der minimalen Funktionalität, um die Herstellungskosten niedrig zu halten – mehr als draufhalten und knipsen ging nicht –, kam die Kamera bei den Kunden an. Warum es also nicht auch mit einer simplen und kostengünstigen Videokamera versuchen, dachte sich Kaplan? Im Mai 2007 brachte er zum Preis von 150 Dollar „Flip“ auf den Markt – eine Videokamera in der Größe eines Stücks Seife. Sie ist selbst für einen absoluten Laien kinderleicht zu bedienen: Motiv anvisieren, filmen und dann über den integrierten USB-Stecker auf den Computer laden – fertig. Seither hat sich das Gerät 1,5 Millionen Mal verkauft und den Umsatz von Pure Digital gewaltig gepuscht.

Jetzt legt Kaplan nach. Seit Mitte November gibt es eine hochauflösende Version der Flip für 230 Dollar – die HD-Variante ist in ihrer Klasse die billigste weltweit. Kaplans Beispiel zeigt, wie Gründer auf den Erfolgsweg kommen: Die Reaktion der Kunden genau beobachten, und dann in die richtige Marktlücke stoßen. Er wäre wohl längst weg vom Fenster, wenn er am Verkauf normaler Digitalkameras festgehalten hätte. Denn die werden den Käufern mittlerweile fast nachgeworfen.

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