Valley Talk: Neue Technik soll Lähmungen überwinden

kolumneValley Talk: Neue Technik soll Lähmungen überwinden

Bild vergrößern

Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

Kolumne von Matthias Hohensee

Der erfolgreiche High-Tech-Unternehmer Matthew Klipstein glaubt, Gehirnzellen regenerieren zu können. Das könnte ganz neue Therapien für Schlaganfälle ermöglichen. An einem Erfolg hat Klipstein auch ein ganz persönliches Interesse.

Matthew Klipstein schien vom Glück gesegnet. Erst baute er eine erfolgreiche Anwaltskanzlei in San Francisco auf, dann gründete er mit Digital Stock einen Dienstleister für das Vermarkten von digitalen Fotos. 1998 kaufte Bill Gates das Unternehmen für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag und integrierte es in sein Fotoimperium Corbis.

Gerade einmal Mitte 40, war Fitnessfanatiker Klipstein nicht nur erfolgreich, sondern auch vermögend und kerngesund. Bis zu einem verhängnisvollen Tag im März 2000. Beim Beachvolleyball rammte ihm ein Mitspieler versehentlich den Ellenbogen in den Nacken. Drei Tage später erwachte Klipstein nachts und konnte den linken Arm und ein Bein nicht mehr bewegen. Der Schlag hatte eine Blutung verursacht, die einen Gehirninfarkt auslöste und seine linke Körperhälfte lähmte.

Anzeige

Regeneration von Nerven- und Gehirnzellen

Das Schlimmste im Krankenhaus, erinnert sich Klipstein, war die resignierende Auskunft der Ärzte, man könne gegen die neurologischen Schäden nichts mehr machen, da der Unfall bereits ein paar Tage zurücklag und eine Stimulation der beschädigten Zellen somit aussichtslos sei. Das wollte der Unternehmer nicht akzeptieren. Nachdem er mühevoll wieder Laufen, konzentriertes Lesen und Sprechen gelernt hatte, gründete er 2004 das Unternehmen Neurorepair in San Francisco, mit dem Ziel, Therapien für Fälle wie ihn zu finden. Fast sein gesamtes Vermögen steckte er in das Projekt.

Zehn Jahre später glaubt sich Klipstein nun kurz vor dem Ziel. Er ist überzeugt, Nerven- und Gehirnzellen mithilfe eines Proteins namens TGF Alpha regenerieren zu können – selbst Jahre nach der Schädigung. Zwei Studien der Universität Irvine in Kalifornien haben die Wirksamkeit des Proteins in Tierversuchen bestätigt. Ratten bekamen einen Monat nach einem Hirninfarkt das Protein verabreicht und konnten daraufhin trotz der späten Therapie Gehirnzellen reparieren und Lähmungen überwinden.

Schöpfer der Methode ist der Neurobiologieprofessor James Fallon, Chef der medizinischen Fakultät in Irvine und Chefwissenschaftler von Neurorepair. Nun sucht das Duo nach Partnern in der Pharmaindustrie – allein in Westeuropa liegen die medizinischen Behandlungskosten für Schlaganfälle bei rund 40 Milliarden Dollar jährlich. Von der verminderten Lebensqualität der Patienten ganz zu schweigen.

Die größte Motivation sei für ihn, erzählte mir Klipstein jüngst bei einer Technologiekonferenz, endlich auf den Krückstock verzichten und seinen linken Arm wieder kontrollieren zu können. Er ist optimistisch, das zu erreichen. Selbst wenn es noch Jahre dauern sollte.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%