Valley Talk: Prediger stößt auf Goldmine

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Kolumne von Matthias Hohensee

Michael Saylor, der Mann, der die Dotcom-Blase zum Platzen brachte, glaubt eine neue Goldmine entdeckt zu haben: die Analyse personenbezogener Daten.

Karl Heinz Land ist ein Veteran der Softwarebranche. Seit drei Jahrzehnten arbeitet der 49-jährige Kölner für US-Softwareunternehmen wie Oracle und Microstrategy und jettet für sie durch die Welt. Sein persönlicher Rekord sind 800 000 Flugmeilen in einem Jahr. Nach dem Verkauf seines eigenen Unternehmens, dem Callcenter-Softwarespezialisten Voice Objects, hätte sich Softwarevordenker Land eigentlich zur Ruhe setzen können.

Doch im Frühjahr überredete ihn sein Ex-Chef, der US-Softwaremilliardär Michael Saylor, zu Microstrategy zurückzukehren. Land arbeitet dort nun als Chief Evangelist. In dieser Rolle soll er Kunden in aller Welt für das Unternehmen begeistern. Und damit ist er wahrscheinlich der einzige Deutsche in einer solchen Top-Marketingposition in der US-Softwareindustrie. Denn Deutsche, so lautet das Vorurteil der Amerikaner, mögen gute Ingenieure sein – das Vermarkten aber liegt ihnen nicht.

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Land dagegen fällt das nicht schwer. Als wir uns abends in San Francisco treffen, sind seine Augen vom Jetlag gerötet – doch seine Stimme ist energiegeladen wie immer: „Das ist die größte Sache, an der ich jemals gearbeitet habe“, sagt er. „Es ist das Ende traditioneller Werbung.“ ‧Microstrategy plant nämlich eine Art hyper-personalisierte Werbung zu ermöglichen, mit Informationen aus der größten und aktuellsten Konsumentendatenbank der Welt: dem sozialen Netzwerk Facebook.

Nutzer verfolgen

Es lohnt sich tatsächlich, die Vision näher zu betrachten. Schon deshalb, weil Microstrategy ein berühmt-berüchtigtes ‧Unternehmen ist: 1989 von dem Informatiker Saylor gegründet, um Daten auszuwerten und daraus Trends abzuleiten, war das Unternehmen zum Höhepunkt des Dotcom-Booms 15 Milliarden Dollar wert.

Dann musste Microstrategy seine Bilanzen berichtigten und plötzlich wurden aus Gewinnen Verluste. Seitdem gilt Saylor als der Mann, der die Dotcom-Blase zum Platzen brachte. Doch er stieg nicht aus, sondern biss sich durch. Bis heute. Damit hat er gerade wieder den Olymp der Milliardäre erklommen.

Nun hat Saylor eine neue Mission: In ‧Facebook hat er entdeckt, wovon er seit Ende der Achtzigerjahre träumt: die größte Konsumentendatenbank der Welt, gefüttert von den Nutzern selbst, mit dem gigantischen Potenzial, dies alles auswerten zu können. So weiß die britische Sängerin Adele dank Facebook, wer ihre Fans sind. Künftig kann das Management der Sängerin dank Techniken, wie Saylor sie bietet, sogar feststellen, ob die Fans bereits Konzerte besucht haben, welche ihrer Freunde dabei waren und wo Adele deshalb bei ihrer nächsten Tour unbedingt auftreten sollte.

Amazon und LinkedIn sind schon Kunden

All das nutzt Saylor nun. Er richtet Microstrategy zu einem Marketingdienstleister aus, bei dem Unternehmen stets aktualisierte Informationen über ihre Kunden abrufen können – inklusive Vorhersagen darüber, wem zu welchem Zeitpunkt ein Angebot gemacht werden sollte. Saylor ist so begeistert von dem potenziellen Milliardenmarkt, dass er Millionen in seine Vision investiert.

Microstrategy profitiert zudem davon, dass seine Software die fremden Daten fast ausschließlich in externen Datenzentren auswertet. Dadurch können gigantische Datenmengen schnell und flexibel bearbeitet werden, weil sich nach Bedarf weitere Zentren hinzuschalten lassen. Das haben auch schon Web-Größen wie Amazon und LinkedIn festgestellt: Sie nutzen die Analysedienste von Microstrategy längst.

Die Zukunft des Unternehmens also scheint gesichert. Fragt sich nur, wie lange die Nutzer von sozialen Netzwerken noch bereitwillig ihre Vorlieben und Wünsche verraten und so den stetig wachsenden Datenberg füttern. Und selbst wenn sie es tun, bleibt die Frage, ob Facebook irgendwann nicht einmal selbst einen ähnlichen Analysedienst anbieten wird wie Microstrategy.

Saylor hätte indes auch in dem Fall gewonnen: Er ist frühzeitig bei Facebook eingestiegen.

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